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Detail - Special (1398 mal gelesen)
  Wie lange noch, Tommy?    30-08-2008
Wie lange noch, Tommy? Tommy Haas ist gestern als letzter Deutscher bei den diesjährigen US Open ausgeschieden. In der zweiten Runde hatte er den luxemburgischen Qualifikanten Gilles Muller zwei Sätze fest im Griff eher ihn eine strittige Entscheidung im Tiebreak des dritten Satzes zu einem Wutanfall veranlasste, er die Konzentration, den Satz – zeitweise drei Punkte vom Sieg entfernt – und schließlich auch das Match verloren hat.

War es nur eine dumme Niederlage oder ein Schlüsselspiel in der ereignisreichen Karriere des amerikanophilen Tennisstars? Haas hat zwar unlängst erst in einem Gespräch bekundet, dass er noch einige Spieler nerven wolle, in der ersten Runde gegen Richard Gasquet ist ihm das auch gelungen, aber diese Niederlage hat trotzdem Konsequenzen für Haas: Letzte Saison stand er in Flushing Meadows im Viertelfinale. Das Zweitrundenaus kostet ihn viele Punkte und wird ihn, der diese Saison bisher nicht wirklich in Tritt gekommen ist, von Rang 39 auf eine Position um die 60 herum zurückwerfen. Für die Mastersturniere wird er sich künftig qualifizieren müssen und auch bei kleineren Turnieren gibt es nur noch selten ein Seeding.

Haas war in seiner seit 1996 andauernden Karriere zwar selten ganz vorne dabei, auch wenn er für ein paar Wochen die Nummer Zwei der Welt war aber für viele Jahre war er fester Bestandteil der Top 20, oft nah an den Top Ten dran. Nun findet sich der 30jährige im unteren Mittelfeld der ATP-Tour wieder mit Spielern wie Albert Montanes oder Steve Darcis als Nachbarn. 2004 stand Haas schon einmal vor der schwierigen Aufgabe, zurück nach oben zukommen. Damals hatte er über ein Jahr verletzt pausieren müssen, Haas spielte eine beeindruckende Comebacksaison mit zwei Turniersiegen und wurde aufgrund dieser Leistung völlig zu Recht als „Comeback Player of the Year“ ausgezeichnet.

Nur war Haas damals ein paar Jahre jünger. Es stellt sich ernsthaft die Frage ob der dreifache Grand Slam-Semifinalist noch einmal die Motivation und Energie entwickeln kann, sich zurück in die erweiterte Weltspitze zu spielen. Durch die Qualifikationen zu touren dürfte einen der besten Tennisspieler ohne Grand Slam-Titel auf die Dauer kaum befriedigen. Die diesjährigen US Open haben gezeigt dass Haas an guten Tagen noch immer eine Gefahr für jeden Spieler darstellt. An schlechten Tagen stellt jedoch auch jeder schlechte Spieler eine Gefahr für ihn dar. Es wird sehr interessant sein, Haas’ Weg in den letzten Monaten zu verfolgen. Führt er in eine Sackgasse oder noch einmal zurück nach oben?


Sebastian Gewande (Bild : RandyBartell)

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