Der erste Kremlin Cup in Moskau    05-10-2008
Jahr : 1990
Mittlerweile gehört er ganz selbstverständlich zum heißen Tennisherbst, ob nun bei Damen oder bei den Herren. Aber 1990 war vieles noch ganz anders. Die Sovietunion lag im Sterben und der Kapitalismus begann zu blühen. Jahrelang fristeten sovietische Tennisprofis ein Schattendasein im eigenen Reich. Profitennis war nicht sonderlich beliebt, schließlich ging es da um sehr viel Geld. Ende der 80er gab es dann jedoch gleich drei Spieler, die im Welttennis mithalten konnten: Andrej Chesnokov, Alexander Volkov und Andrej Cherkasov.
1990 wurde dann mit viel politischem Brimburium und nach zweieinhalb Jahren Vorlaufzeit der erste Kremlin Cup abgehalten. Das erste Profiturnier auf russischem Boden wurde damals pikanterweise gesponsert von Bayer. Ministerpräsident Ivan Silaev war zugegen, genauso – wie noch häufiger in Zukunft – Präsident Boris Jelzin. Ein strahlender Beginn wohl, wenngleich es auch zu Pannen kam wie dem Verschwinden von eineinhalb Tonnen Fleisch, aus dem Westen importiert, auf dem Weg vom Zoll zur Halle.
Unter dem Strich war es aber dennoch ein geschichtsträchtiges Ereignis, dieses Turnier in der ersten Novemberwoche 1990. Vor allem kamen die russischen Tenniszuschauer voll auf ihre Kosten, erster Sieger war nämlich einer ihrer Landsleute; Andrej Cherkasov düpierte im Finale Tim Mayotte mit 6:2 6:1. Seinen Titel sollte er auch im nächsten Jahr gegen Jakob Hlasek erfolgreich verteidigen. Überhaupt hatten die Russen stets viel Grund zu jubeln in der Metropole. In den 18 bisherigen Auflagen ging der Siegerpokal zwölf Mal an einen Russen. Yevgeni Kafelnikov siegte zwischen 1997 und 2001 sogar ununterbrochen und der aktuelle Titelverteidiger Nikolay Davydenko hat neben 2007 auch schon 2004 und 2006 das beste Ende für sich gehabt.
Aber auch für die Deutschen war Moskau oft ein gutes Pflaster. Bei der Premiere kam Udo Riglewski bis ins Halbfinale, eine seiner besten Leistungen im Einzel überhaupt. Carl-Uwe Steeb stand zwei Jahre später im Finale und siegte 1995 sensationell als Qualifikant. Patrik Kühnen war 1993 im Endspiel, David Prinosil im Jahr 2000 und Nicolas Kiefer verbuchte in den Jahren 2001 und 2005 zwei seiner besten Leistungen im aktuellen Jahrtausend eben hier in Moskau. Ob Mischa Zverev und Denis Gremelmayr da mithalten können?
Nun steht also die 19. Auflage des Turniers ins Haus. Mittlerweile wird parallel zu den Herren auch die Damenkonkurrenz ausgespielt, die sich über russische Siegerinnen zumindest in den letzten Jahren nicht beschweren kann, vier Mal in den letzten fünf Jahren ging der Pokal an eine Russin. Und 2008? Das Medaillentrio von Beijing, Elena Dementieva, Dinara Safina und Vera Zvonareva ist am Start, Seoul-Siegerin Maria Kirilenko, Stuttgart-Finalistin Nadia Petrova, Top Ten-Spielerin Svetlana Kuznetsova, Anna Chakvetadze…da fällt das Fehlen von Maria Sharapova kaum auf.
Bei den Herren ist Nikolay Davydenko topgesetzt, es folgen auf dem Fuß Igor Andreev und Mihail Youzhny. Metz-Sieger Dimitri Tursunov und der wie immer unberechenbare Marat Safin sind ebenso in der Setzliste. Gute Aussichten, wahrlich.
Sebastian
Gewande (Bild : Tennis.info)
|
|
|
|
 
|
|