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Detail - Special (703 mal gelesen)
  Resümee: Australian Open 2009    02-02-2009
Resümee: Australian Open 2009 Die Australian Open 2009 sind Geschichte. Die letzten zwei Wochen brachten sowohl Überraschungen als auch Bestätigungen. Werfen wir einen kleinen Blick zurück.

Das Finale brachte uns den Kampf zwischen der Nummer Eins und Zwei, Rafael Nadal und Roger Federer. Zum siebten Mal standen sich die beiden dominierenden Spieler unserer Zeit in einem Grand Slam-Finale gegenüber. Genauso oft wie Bill Tilden und Bill Johnston Ende der 10er bis Mitte der 20er des letzten Jahrhunderts. Bald werden sie diese Beiden wohl auch überholt haben.

Diesmal waren die Vorzeichen aber etwas anders. Rafael Nadal ging erstmals als Nummer Eins der Welt ins Finale. Wenngleich beide Spieler nicht hundertprozentig ihr bestes Tennis gespielt haben – dafür kam Federers Aufschlag nicht wie sonst und Nadal wirkte zeitweise ebenfalls nicht so laufstark wie gewöhnlich – hat es zu einem packenden Fünf-Satz-Match gereicht mit emotionalen Bildern bei der Siegerehrung.

Nadal hat nun drei der letzten vier Grand Slams geholt und sich als Nummer Eins der Welt noch einmal bestätigt. Federer hingegen muss seinen Traum vom 14. Grand Slam weiter verschieben und erkennen, dass Nadal ihn nun auch auf Hartplatz den Schneid abgekauft hat.

Was den Rest des Feldes betrifft, so fallen grundsätzlich die kaum vorhandenen Überraschungen in den ersten Runden auf. Sieben der acht Topgesetzten erreichten auch wie vorgesehen die Runde der letzten Acht. Lediglich Andy Murray scheiterte bereits eine Runde vorher an Fernando Verdasco, der sich in diesem Turnier als Topspieler endgültig emanzipiert hat.

Viel hätte nicht gefehlt und der Spanier hätte sich in die Riege der Überraschungsfinalisten von Melbourne eingereiht. Gegen seinen Landsmann Rafael Nadal im Semifinale war ihm von vielen Beobachtern ein rasches Ende prognostiziert worden. Er strafte die Kritiker Lügen und ging erst nach einer mehr als fünfstündigen Schlacht – natürlich über fünf Sätze und gleichzeitig das längste Spiel in Melbourne überhaupt – in die Knie.

In die Knie ging auch Novak Djokovic. Ihm machte der Körper abermals einen Strich durch die Rechnung. Doch wie viel lag im Viertelfinale gegen Andy Roddick wirklich an körperlicher Angeschlagenheit und wie viel an falscher Einstellung? Djokovic hat jedenfalls nun jedenfalls bereits bei drei Grand Slam-Turnieren in wichtigen Matches gegen Topspieler nach Satzrückstand aufgegeben. Seine Aspirationen, Roger Federer als Nummer Zwei der Welt abzulösen wird der Serbe dadurch erstmal wieder aufschieben müssen.

Andy Murray galt zu Turnierbeginn als Geheimfavorit. Im Achtelfinale ereilte dem heißblütigen Schotten jedoch ein Rückfall in alte Zeiten und sein Hadern und zu verspielt sein verbunden mit der Stärke Fernando Verdascos führten zu einem frühen Aus. Dennoch: Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis der 21jährige sein erstes Grand Slam gewinnen wird.

Dann gab es da noch die Geschichte von Juan Martin Del Potro, der im Viertelfinale von Roger Federer 6:3 6:0 6:0 abgewatscht wurde. Seine Äußerungen nach dem Match, „Dieser Hurensohn gewinnt alles“ und „Ich könnte ihn umbringen“ kann man als inakzeptabel diskreditieren – oder als Zeichen von Respekt werten.

Jo-Wilfried Tsonga hat mit dem Erreichen des Viertelfinals bewiesen, dass er mehr sein will als eine Eintagsfliege. Die letzte Saison hat den Franzosen trotz längerer Verletzungspause weit nach vorne gebracht. Nun ist also das berühmt-berüchtigte schwierige zweite Jahr angebrochen. Tsonga hat den ersten Schritt getan, es gut über die Bühne zu kriegen auch wenn er heute wieder aus den Top Ten raus gefallen ist.

Es ist das achte Jahr, das Andy Roddick in den Top Ten der Welt steht (okay, 2006 war er mal ein paar Wochen raus). Gleiches hat neben ihm nur Roger Federer vorzuweisen. Den Anschluss an die absolute Spitze scheint der Wahltexaner gleichwohl schon längere Zeit verloren zu haben. An der Seite seines neuen Trainers Larry Stefanki hat er ein starkes Turnier gespielt und erstmals seit zwei Jahren wieder ein Grand Slam-Semifinale erreicht. Roddick kann mit dem Saisonstart voll zufrieden sein.

Voll zufrieden kann auch Bernard Tomic sein. Der 16jährige von der Gold Coast, Australiens Nachwuchshoffnung Nummer Eins gewann als jüngster Spieler überhaupt ein Match im Hauptfeld von Melbourne und gibt der Tennisnation Down Under Hoffnung, die derzeitige Dürre bald überstanden zu haben.

Lleyton Hewitt, einziger Australier in den Top 100 derzeit, zeigte gegen Fernando Gonzalez über fünf Sätze sein viel gerühmtes Kämpferherz, belohnt wurde er indes nicht. Der ehemalige Weltranglistenerste flog schon in Runde Eins aus dem Wettbewerb.

Was von den Australian Open 2009 bleibt sind also weniger die Überraschungen als die Bestätigungen. Roger Federer ist als Teilnehmer der letzten vier Grand Slam-Finals noch immer eine Macht und den Verfolgern Djokovic und Murray weit voraus. Rafael Nadal hat sich als Allrounder endgültig bestätigt und kann so daran arbeiten, sich in dieselbe kleine Riege Spieler einzureihen, in der auch Federer steht – die der Größten aller Zeiten.


Sebastian Gewande (Bild : Tennistory)

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