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Detail - Zurück in der Gegenwart (719 mal gelesen)
  Matches, die die Welt bewegten: Borg gegen Vilas – French Open 1978    14-04-2009
Matches, die die Welt bewegten: Borg gegen Vilas – French Open 1978 Jahr : 1978

Björn Borg gegen Guillermo Vilas

Die Fakten:
Wann: 11. Juni 1978
Wo: Finale der French Open
Bilanz: 12:4 für Borg (Karriere 17:5 für Borg)
Ergebnis: 6:1 6:1 6:3

Die Vorgeschichte
Hier gegenüber standen sich die wohl besten Sandplatzspieler der 70er Jahre. Auf der einen Seite Björn Borg. Der enigmatische Schwede wollte zurückholen, was ihm weggenommen wurde. 1974 schaffte der damals 18jährige Schwede hier in Paris seinen Durchbruch, im Jahr drauf verteidigte er seinen Titel. Nach einer überraschenden Niederlage 1976 gegen Adriano Panatta war eigentlich alles vorbereitet für den nächsten Durchmarsch 1977.

Doch die Sportpolitik machte Borg einen Strich durch die Rechnung. Der Schwede spielte zu dieser Zeit wie viele Stars beim World Team Tennis, einer Art Tennis-Bundesliga in den USA. ITF-Präsident Philippe Chatrier sah in dieser Liga eine Konkurrenz zur eigentlichen Profitour und verbot Startern des WTT kurzerhand die Teilnahme an den French Open.

So konnte Borg, der 1977 abgesehen von einer verletzungsbedingten Aufgabe in 26 Sandplatzmatches ungeschlagen blieb, nicht an den French Open teilnehmen. Den Titel holte sich Guillermo Vilas. Der Linkshänder aus Argentinien absolvierte in der Saison ein noch heute Ehrfurcht gebietendes Marathonprogramm, das unter anderem den Rekord von 50 Matchgewinnen in Folge hervorbrachte. 1978 sah also ein Finale der Champions.

Titelverteidiger Vilas hatte auf dem Weg ins Finale zweimal ordentlich zu kämpfen gehabt. In Runde Zwei gegen Billy Martin sowie im Viertelfinale gegen Hans Gildemeister (nein, kein Deutscher sondern Chilene) musste er über die volle Distanz gehen.
Borg hingegen zeigte eine der brutalsten Vorstellungen, die man in der Grand Slam-Geschichte gesehen hatte. Viereinhalb Spiele ließ er den Konkurrenten im Schnitt – pro Match! Im Halbfinale wurde Top Ten-Mann Corrado Barazzutti mit 6:0 6:1 6:0 gedemütigt. Vilas, der die letzten sieben Sandplatzbegegnungen gegen Borg verloren hatte, war gewarnt.

Das Match
Wer auf eine spannende Begegnung, ein Duell auf Augenhöhe gehofft hatte, wurde schnell enttäuscht. Borg dominierte nach Belieben. Sicherlich hatte auch Vilas nicht seinen besten Tag erwischt aber auch ein formstarker Vilas hätte an diesem Sonntag keine Chance gehabt.

Der Schwede fuhr wie auf Schienen an der Grundlinie, schaufelte auch die aussichtslos scheinenden Bälle am Ende von endlos scheinenden Rallyes mit einer stoischen Ruhe als Winner zurück ins gegnerische Feld. Ein verlässlicher Aufschlag verbunden mit wohlüberlegten Netzangriffen machten Borg in jeder Situation zum Herr des Geschehens. Was Vilas auch machte, der Schwede hatte die bessere Antwort.

Zum Verzweifeln blieb dem Argentinier aber wenig Gelegenheit. Mit 6:1 6:1 6:3 schloss Borg das Finale sensationell schnell ab. Es war Borgs leichtester Finaltriumph in einem Grand Slam-Finale. Der damals grade 22 Jahre alt gewordene Schwede hatte seinen fünften Grand Slam-Erfolg unter Dach und Fach gebracht, sechs weitere Titel sollten noch folgen. Der nächste schon wenige Wochen drauf in Wimbledon, im Finale schlug er den Weltranglistenersten Jimmy Connors mit 6:2 6:2 6:3.

In Erinnerung bleiben wird Roland Garros 1978 daher nicht als der große Tennisthriller, als ein Fünf-Satz-Epos das eigentlich ein Unentschieden verdient gehabt hätte. In Erinnerung bleiben wird Roland Garros dafür, dass ein stiller blonder Mann in diesen Wochen der Konkurrenz um Lichtjahre enteilt war.


Sebastian Gewande (Bild : Tennis.info)

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