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  Matches, die die Welt bewegten: Lendl gegen McEnroe – French Open 1984    17-05-2009
Jahr : 1984
Ivan Lendl gegen John McEnroe
Die Fakten
Wann: 6. Juni 1987
Wo: Finale der French Open
Bilanz: 10:8 für McEnroe (Karriere: 21:15 für Lendl)
Ergebnis: 3:6 2:6 6:4 7:5 7:5
Die Vorgeschichte
Alles war angerichtet für den Triumphzug des Genies. Nachdem er in Wimbledon und New York bereits über Jahre Geschichte geschrieben hatte, griff John McEnroe nun in Paris als erster US-Amerikaner seit Tony Trabert 1955 nach der wertvollsten Sandplatztrophäe der Welt.
Der Weltranglistenerste aus New York hatte eine gigantische erste Saisonhälfte hinter sich, als er zum Endspiel in Roland Garros auf den Platz schritt: Sieben Turnierstarts, sieben Turniersiege. McEnroes Weste war 1984 makellos, keine einzige Niederlage hatte der Linkshänder bislang hinnehmen müssen. Die letzte Pleite gab es im November 1983 im Halbfinale der Australian Open gegen Mats Wilander. Seither spielte McEnroe wie von einem anderen Stern. Einen besseren Saisonstart hat man seither nicht mehr gesehen.
Und der Finalgegner? Ivan Lendl war ein starker Spieler, hatte schon fast 40 Turniere gewonnen und war auch schon zeitweilig die Nummer Eins gewesen, aber der Tscheche war berühmt-berüchtigt vor allem für sein Unvermögen, große Turniere zu gewinnen. Vier Grand Slam-Finals hatte der Mann aus Ostrava schon erreicht, alle hat er sie verloren, das erste vor drei Jahren gegen Björn Borg – ein Fünfsatzmatch.
Erst recht wenn man sich die direkte Bilanz der beiden Protagonisten anschaute, konnte man gar nicht anders als McEnroe zum turmhohen Favoriten zu erklären. Zwar hatte Lendl zwischen 1981 und 1983 eine sieben Matches dauernde Siegesserie gegen McEnroe auf die Beine gestellt, 1984 reichte es indes in fünf Partien für grade einmal einen Satz. Zwei Wochen zuvor im Finale des Düsseldorfer World Team Cups war McEnroe, dessen Serve-and-Volley-Spiel auf Sand eigentlich Lendls Grundlinienpower unterlegen sein sollte, mit 6:3 6:2 über den Tschechen hinweggefegt.
Das Match
McEnroe startete wie zu erwarten. Der 25jährige bewies eindrucksvoll, warum er der beste Aufschläger in der ersten Hälfte der 80er war. Wenngleich seine Bewegung beim Service gewöhnungsbedürftig war und mitunter an einen Korkenzieher erinnerte, die Durchschlagkraft war nicht zu leugnen: Zehn Punkte in den ersten zehn Aufschlagspielen McEnroes durfte Lendl machen.
Was den Volley anging, so spielte McEnroe eh in einer ganz kleinen Liga der Allergrößten in diesem Teilgebiet der Tenniskunst, auf Augenhöhe nur mit Stefan Edberg und dem großen Rod Laver.
Die ersten beiden Sätze gingen mit 6:3 6:2 klar an McEnroe. Während sich der US-Amerikaner für seine Verhältnisse einigermaßen friedfertig zeigte, haderte Lendl mehr als einmal über sich und die Entscheidungen der Linienrichter.
Zu Beginn des dritten Satzes lag McEnroe mit 2:0 in Führung. Es war wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der fünffache Grand Slam-Sieger einen weiteren Meilenstein seiner Sammlung hinzufügen würde.
Aber auf dem Platz geschah etwas, was die Zuschauer gar nicht mitbekamen und auch McEnroe selbst meinte später, an anderer Stelle hätte er es vielleicht selbst nicht gemerkt doch es war wohl alles zu perfekt: Ein Kameramann hatte seine Kopfhörer abgelegt und die Geräusche aus selbigen kamen McEnroe zu Ohren.
Der Mann, dessen Persönlichkeit wie keine andere in der Tennisgeschichte zwischen Genie und Wahnsinn schwankte, fühlte sich gestört. Es fing an in ihm zu brodeln und dann kam die Explosion. McEnroe schritt zielstrebig zum Kameramann herüber, ergriff die Kopfhörer und bat die Person am anderen Ende auf die ihm eigene Art, doch etwas leiser zu sein. Über einen Hörschaden des Betroffenen ist glücklicherweise nichts bekannt.
Dennoch, dies war der Moment, an dem McEnroe den Faden und dann auch den dritten Satz verlor. Allerdings wäre es zu einfach zu sagen, McEnroe hätte den Sieg aus der Hand gegeben. Er hatte lediglich seinen Griff gelockert und Lendl nahm diese Schwächephase dankend auf.
Je seltener McEnroes Aufschlag kam, je weniger zwingend seine Volleys trafen, desto sicherer wurde Lendl von der Grundlinie. Die Vorhand, seine stärkste Waffe, brachte ihm ein ums andere Mal beeindruckende Passierschläge ein und mit dem Verlauf der Partie fiel auch immer mehr die Fitness des gestählten Mannes aus Ostrava in die Waagschale.
McEnroe war nach dem Kopfhöhrerzwischenfall aber beileibe noch nicht geschlagen. Die Nummer Eins der Welt hatte sich im vierten Satz ein Break erarbeitet und servierte bei 40:30 zum 5:2. McEnroe machte einen einfachen Volleyfehler, den er in seiner Autobiographie als den wirklichen Knackpunkt im Match auswies. Lendl gewann auch den vierten Satz.
Im fünften Satz war es dann vor allem die Physis, die den Ausschlag gab. McEnroe hatte beim Stand von 3:3 noch einmal zwei Breakmöglichkeiten, die er im ersten oder zweiten Satz sicher verwertet hätte. Nach bald vier Stunden Spielzeit war der Tank des US-Amerikaners jedoch ungleich leerer als der des Tschechen und er vergab beide Chancen.
Nach vier Stunden und sieben Minuten verwandelte Lendl dann seinen zweiten Matchball. Nach so vielen vergeblichen Anläufen hatte Ivan Lendl nun endlich seinen ersten großen Titel gewonnen. Es sollten noch viele folgen. Was für Lendl der wohl größte Sieg seiner Karriere war, stellte für McEnroe die größte Niederlage dar. Noch immer denke er nachts manchmal daran, gestand McEnroe in seiner Autobiographie.
Obgleich John McEnroe für den Rest des Jahres so dominant war wie in den Monaten vor Paris – er gewann Wimbledon und New York und kassierte nur zwei weitere Niederlagen – so war doch der erste Schritt zur Wachablösung gemacht. Ivan Lendl war nicht nur ein Titelsammler, ab jetzt war er Grand Slam-Champion.
Sebastian
Gewande (Bild : Tennis.info)
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