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Detail - Special (521 mal gelesen)
  Paris: Schafft es Nadal zum fünften Mal?    22-05-2009
Paris: Schafft es Nadal zum fünften Mal? Dies ist die Frage, die derzeit Tennisfans auf der ganzen Welt beschäftigt. In zwei Tagen starten die French Open 2009. Titelverteidiger ist Rafael Nadal und dieser hat 2009 die Chance, sich mit knapp 23 Jahren unsterblich zu machen und das größte Sandplatzturnier der Welt als erster Spieler überhaupt fünfmal in Folge zu gewinnen.

Nadal kann Borg überholen
Ein Grand Slam-Turnier fünfmal in Folge zu gewinnen war in jüngerer Vergangenheit lediglich Nadals Dauerrivalen Roger Federer vergönnt, der von 2003 bis 2007 in Wimbledon und seit 2004 in Flushing Meadows nicht zu schlagen war. 2008 war es Nadal, der Federer den sechsten Wimbledontitel in Folge vereitelte. Somit muss sich der Schweizer den Rekord des Dauerabos weiter mit Björn Borg teilen.

Hier in Paris teilt sich auch Nadal den Rekord des Seriensiegers mit Björn Borg, der Schwede war von 1978 bis 1981 nicht zu stoppen. Revanchiert sich also Federer hier in Paris und gewinnt den einzigen Grand Slam, der ihm bislang verwehrt blieb?

Dreikampf zwischen Nadal, Federer und Djokovic
Schaut man sich die bisherige Sandplatzsaison des Rafael Nadal an, gibt es kaum einen Zweifel, dass er auch dieses Jahr bis ins Finale kommen sollte. Die einzigen Männer, die ihn dieses Jahr fordern bzw. besiegen konnten, Novak Djokovic und eben Federer, befinden sich in der anderen Hälfte des Tableaus.

Günstige Auslosung für den Titelverteidiger
Nadal bekommt es zum Auftakt mit einem Qualifikanten zu tun. Danach wartet ein Russe, Igor Kunitsyn oder Teimuras Gabashvili. In Runde Drei kann dann der erste größere Brocken folgen, entweder faktisch (Ivo Karlovic - 2,08m) oder bildlich (Lleyton Hewitt, Ex-Nummer Eins mit Turniersieg in Houston vor einigen Wochen).

Im Achtelfinale könnte es für den aktuellen Weltranglistenersten dann gegen den in Düsseldorf beeindruckend stark spielenden Robin Söderling gehen oder gegen Landsmann David Ferrer. Beide hat er bei den Vorbereitungsturnieren im Vorfeld der French Open schon geschlagen, Söderling gar 6:0 6:1.

Die möglichern Gegner im Viertel - und Halbfinale zu benennen würde zu weit führen. Mögliche Kandidaten sind die beiden Fernandos, Vedasco und Gonzalez sowie der Weltranglistendritte Andy Murray, der jedoch auf Sand bislang noch nicht an seinen beeindruckenden Saisonstart anknüpfen konnte.

Nadal also mit hoher Wahrscheinlichkeit auch beim fünften Start in Paris im Endspiel. Doch wer wird sein Gegner sein? Eigentlich drängen sich hier nur zwei Spieler auf:

Djokovic hat sich zum Kronprinzen gemausert
Zum einen Novak Djokovic. Der Serbe hat sich in dieser Saison zum Kronprinzen auf Sand gemausert. Finalteilnahmen in Monte Carlo und Rom, Turniersieg beim Heimspiel in Belgrad und zuletzt das Halbfinale in Madrid, wo er Matchbälle gegen Nadal hatte und erst nach über vier Stunden unterlag.

In Paris hat Djokovic die letzten drei Jahre stets gegen Nadal gespielt und immer verloren. Sollte der Serbe ins Finale kommen, kann dieser Aspekt - die ständigen Niederlagen - ein wichtiges Element darstellen.

Djokovics Auslosung ist nicht ohne aber durchaus machbar. Zum Auftakt geht es gegen Nicolas Lapentti. Der Ekuadorianer war mal die Nummer Acht der Welt, doch das ist bald zehn Jahre her. In Runde Drei dann Kohlschreiber, Ljubicic oder Ferrero, Robredo möglicherweise im Achtelfinale, Del Potro oder Tsonga als wahrscheinlichste Viertelfinalgegner.

Federers Kantersieg in Madrid
Bleibt also noch Roger Federer. Der Schweizer hat in Madrid grade seinen ersten Titel 2009 gefeiert. Sicher, im Finale war Rafael Nadal platt und die Platzbeschaffenheiten favorisierten zusätzlich den Schweizer. Aber nach so vielen Niederlagen in großen Matches (drei Grand Slam-Finals!) gegen Nadal gibt auch so ein Sieg Auftrieb. In den letzten vier Jahren hat Nadal dreimal auf Sand verloren. Letztes Jahr mit Schwielen an den Füßen gegen Ferrero, 2007 und 2009 gegen Federer, wobei er nicht 100prozentig fit war.

Der Fitnessaspekt ist es auch, der Nadal trotz der frischen Niederlage in die klare Favoritenposition stellt. Mit seiner beeindruckenden Physis, seiner Laufstärke und Kondition ist Nadal wie kein anderer Spieler gewappnet für die oft grausam langen Rallyes auf der roten Asche. Angemerkt sei, dass der Spanier bei seinen bisherigen 28 Matches kein einziges Mal über die volle Distanz von fünf Sätze gehen musste.

Roger Federer hat rechtzeitig vor den French Open wieder zur Form gefunden und ein Blick auf sein Draw, das neben dem längere Zeit verletzten Vorjahreshalbfinalisten Gael Monfils die US-Amerikaner Andy Roddick und James Blake, beide auf Hartplatz zuhause, beherbergen, lässt die Vermutung nahe liegen, dass der 27jährige seine Serie von 19 Semifinalteilnahmen in Folge bei den großen Vier weiter aufstocken wird. Einzig München-Sieger Tomas Berdych, der Federer in Melbourne fast besiegen konnte, könnte den Schweizer unter normalen Umständen in Verlegenheit bringen.

Wie so oft in den letzten Jahren scheint also alles auf eine Endphase mit Nadal, Federer und Djokovic hinauszulaufen, wobei die spannende Frage, neben dem Ausgang der Partie Federer gegen Djokovic wohl sein wird, wer neben den drei Topstars den vierten Semifinalplatz einnehmen wird.

Murray diesmal kein Mitfavorit
Was uns noch einmal auf Andy Murray bringt. Der Schotte ist der vierte Spieler im Spitzenquartett, das der restlichen Konkurrenz um Meilen voraus ist. Allerdings gilt dies nicht für den Sandplatz. Murrays Leistungen auf diesem Belag waren in den vergangenen Wochen kaum mit seinen übrigen Ergebnissen seit Sommer letzten Jahres zu vergleichen. Sein Platz in der Vorschlussrunde ist daher mit dem größten Fragezeichen versehen.

Aber man kann viel reden und schreiben. Die Fakten werden auf dem Platz gemacht. Die Bühne für das zweite Grand Slam des Jahres ist jedenfalls angerichtet - voilà Paris!


Sebastian Gewande (Bild : maltphoto@comcast.net)

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