Die besten Sandplatzspieler: 3. Ivan Lendl    24-05-2009
Ivan Lendl war und ist stets so etwas wie das Stiefkind der Tennislegenden. Wenngleich die Erfolge des gebürtigen Tschechen und eingebürgerten US-Amerikaners völlig unstrittig sind, denselben Glanz wie ein John McEnroe oder ein Björn Borg strahlt er nicht aus.
Vielleicht lag es daran, dass sein Spiel, das auf Fitness und Kraft von der Grundlinie basiert, nicht die gleiche Attraktivität ausstrahlte wie das eines Pete Sampras. Mag sein dass Lendls Persönlichkeit nicht so viel Gesprächsstoff bot wie bei Andre Agassi oder Boris Becker. Oder es lag einfach daran, dass er kein Amerikaner war.
Wie auch immer. Einen dreifachen French Open-Champion in dieser Liste zu ignorieren wäre indiskutabel.
Die French Open waren es auch, wo Lendl sein erstes Ausrufezeichen setzte. 1981 spielte er sich hier bis ins Finale wo er es beinahe schaffte, den großen Björn Borg zu entthronen und dessen vierten Titel in Folge zu vereiteln. Erst im fünften Satz musste Lendl klein bei geben. Man beachte: Der große Borg hatte bei den 26 Matches zuvor lediglich drei Sätze abgeben müssen.
Drei Jahre später hatte Lendl in Paris wieder alle Aufmerksamkeit für sich. Nach vier erfolglosen Grand Slam-Finals in Folge schaffte er ein kleines Wunder, indem er den nahezu unbesiegbaren John McEnroe nach einem 0:2-Satzrückstand noch schlagen konnte. Näheres dazu findet sich im ausführlichen Bericht über dieses Match auf unserer Seite (http://www.tennis.de/news/2508/Matches+die+die+Welt+bewegten+Lendl+gegen+McEnroe+–+French+Open+1984.html).
Lendl galt in den 80ern als der durchtrainierteste Spieler auf der Tour. Wie seine Landsfrau Martina Navratilova bei den Damen hob er den Aspekt der Fitness eines Tennisprofis auf ein neues Niveau. Die daraus resultierende Ausdauer war einer der Hauptgründe für seine enorme Erfolgsbilanz auf der roten Asche.
Lendls einziger dauerhafter Rivale auf diesem Belag war Mats Wilander. Viermal standen sie sich in Paris gegenüber, stets holte sich der Sieger dieser Partie auch den Titel, zweimal im Finale: 1985 war Wilander siegreich, 1987 schaffte Lendl die Revanche und verteidigte damit erstmals erfolgreich einen Grand Slam, nachdem er 1986 im Finale Überraschungsmann Mikael Pernfors überrollte.
Der Sand war jedoch nicht nur Ort einiger seiner größten Siege, auch die vielleicht größte Niederlage seiner Karriere fand hier statt. 1989 im Achtelfinale unterlag der damalige Weltranglistenerste trotz 2:0-Satzführung dem 17jährigen Michael Chang, der später auch das Finale gewinnen sollte. Vielleicht das berühmteste Match in der Geschichte von Roland Garros.
Lendls Bilanz auf der roten Asche ist enorm. Von seinen 94 Turniersiegen feierte er 28 auf Sand. Darunter neun Titel, die man heute der Masterskategorie zurechnen würde. Alles in allem genug Lorbeeren, Ivan Lendl einen Platz auf dem Podest der größten Sandplatzspieler zuzugestehen.
Sebastian
Gewande (Bild : Tennis.info)
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