Spiele im Schatten - Die Challengertour    09-08-2009
Jahr : 1978
Benjamin Becker ist der erfolgreichste Spieler 2009. Wie, Becker der Beste? Es gab ja mal einen Becker ganz oben aber das ist lange her. Was ist mit Federer, Nadal? Nun, beim heutigen Thema ist Benjamin Becker mit vier Titeln tatsächlich die Nummer Eins des Jahres, es geht nämlich um die Challengertour.
Die Challengertour ist so was wie die zweite Liga im Profitennis. Abseits der großen Turniere treffen sich die Spieler jenseits der Top 100, um sich (wieder) nach oben zu spielen. Hier lassen die Stars der Zukunft erstmals aufhorchen und die Stars von Gestern oft ein letztes Mal. Hier geht es nicht um das große Geld sondern um das Bestreiten des Lebensunterhalts.
Seit wann es die Challengertour gibt, ist nicht so ganz ersichtlich. Die ATP selbst listet in ihrem Ergebnisarchiv Turniere bis einschließlich 1978 auf. In ihrem Media Guide hingegen wird der Begriff erstmals 1983 verwendet. Die allwissende Wikipedia ihrerseits nennt 1990 als Gründungsjahr, zumindest auf Deutsch, auf Englisch ist es ebenfalls 1978.
Einigen wir uns also auf 1978. Demnach wären Bob Carmichael und Eliot Teltscher mit ihren Siegen in Auckland und Hobart am 15. Januar die ersten Sieger im Challengercircuit. Teltscher hat es immerhin mal in die Top Ten geschafft, Carmichael ist nie ins Rampenlicht gekommen.
Überhaupt bieten die Archive der Challengerserie einige Kuriosa. Da gibt es zum Beispiel das Finale von Las Vegas 1997 als der Hammer Christian Vinck für einen wirklichen Hammer sorgte und den lokalen Favoriten schlug – Andre Agassi.
Zwei Jahre später jubelte in Brest der damals 18jährige Roger Federer über seinen ersten – und letzten – Challengertitel. Boris Becker und Pete Sampras haben übrigens überhaupt keinen Erfolg auf der kleinen Tour vorzuweisen. Die Rekordhalter hier sind mit je 15 Titeln Younes El Aynaoui aus Marokko, zeitweise auch ein starker Spieler bei den „Großen“, und der Japaner Takao Suzuki.
Von den aktiven Superstars ist Jo-Wilfried Tsonga einmal ein fleißiger Titelsammler gewesen, acht Mal siegte der ehemalige Australian Open-Finalist aus Frankreich. Aus deutscher Sicht ist Oliver Gross mit elf Siegen und fünf Finals die All-Time-Nummer Eins. Simon Greul ist ihm aber schon dicht auf den Fersen, zehn Titel und vier Finals kann der Stuttgarter bislang vorweisen.
Wenn ab Morgen in Montreal die Stars der Szene ums große Geld, dicke Punkte und viele Weltranglistenpunkte spielen, geht es auch auf der Challengertour wieder weiter. In Binghampton, Brasilia, Cordenons, Istanbul, Samarkand und Vigo. Marcos Baghdatis ist dabei, Sergey Bubka Jr., Ex-French Open Sieger Gaston Gaudio, Florian Mayer und der hochgelobte Grigor Dimitrov. Vielleicht werden wir ihn nächstes Jahr schon auf der ganz großen Bühne sehen.
Sebastian
Gewande (Bild : Chris)
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