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Detail - Special (1399 mal gelesen)
  1. Steffi Graf    30-08-2009
1. Steffi Graf Erfolge: Australian Open 1988, 1989, 1990, 1994, French Open 1987, 1988, 1993, 1995, 1996, 1999, Wimbledon 1988, 1989, 1991, 1992, 1993, 1995, 1996, US Open 1988, 1989, 1993, 1995, 1996, Masters 1987, 1989, 1993, 1995, 1996  205 Punkte

Es ist jetzt natürlich keine Überraschung, dass Steffi Graf den ersten Platz dieser Liste einnimmt nachdem in den vergangenen Tagen schon alle ihre Konkurrentinnen um diese Position platziert wurden.

Was hebt Steffi Graf von ihren Gegnerinnen ab? Es ist vor allem die Grand Slam-Bilanz. Mit 22 Siegen hat sie vier mehr aufzuweisen als Navratilova und Evert. Court ist trotz zwei Titeln mehr aus bereits erwähnten Gründen etwas schwächer einzuschätzen. Mit acht Jahren als Nummer Eins hat Graf dem obigen Trio ebenfalls etwas voraus.

Ähnlich wie Navratilova vor ihr dominierte Steffi Graf in den späten 80ern das Feld fast nach Belieben. Navratilova, Sabatini und einmal auch Sanchez-Vicario konnten sie gelegentlich ärgern aber in dieser Zeit war Graf die klare Königin auf dem Platz. Mit ihrer Athletik, der unnachahmlichen Beinarbeit und ihrer Vorhand, der vielleicht stärksten Waffe im Damentennis überhaupt, war sie dem restlichen Feld weit überlegen.

Im Laufe des Jahres 1990 avancierte dann Monica Seles von der Kronprinzessin zur direkten Konkurrentin. Allerdings profitierte die Serbin auch ein Stück weit davon, dass Graf zu dieser Zeit ihren Fokus aufs Tennis zeitweise verlor. Beim Turnier von Berlin kochte die Boulevardpresse mit Skandalgeschichten ihres Vaters über und Graf verlor im Endspiel erstmals seit bald einem Jahr wieder ein Spiel - gegen Seles.

Die Rivalität zwischen Graf und Seles hatte alles, um eine ebenbürtige Nachfolge des Evert-Navratiliva-Duells zu werden, die beiden Matches Mitte 1992 - Grafs epochale Niederlage in Paris und vier Wochen später der strahlende Sieg in Wimbledon - bewiesen dies. Leider gab es sie nicht lange. Am 30. April 1993 wurde Seles von einem fanatischen Graf-Fan niedergestochen. Das große Duell war für zweieinhalb Jahre auf Eis gelegt.

Oft wird angemerkt, Graf hätte wohl viel weniger Titel wenn Seles nicht ausgefallen wäre. Dies mag so sein aber es sei ebenso angemerkt dass Graf während Seles' Dominanz vor allem bei Grand Slams selten ihr bestes Tennis spielte und oft gegen Gegnerinnen verlor, gegen die sie Ende der 80er und Mitte der 90er noch klar gewann. Genauso kann man fragen, wie viele Titel Graf noch gewonnen hätte, wäre sie nicht so oft verletzt gewesen. Zwischen 1987 und 1999 verpasste sie fünf Mal die Australian Open und jeweils einmal Roland Garros, Wimbledon und Flushing Meadows.

Die Frage was wäre wenn ist jedenfalls auch heute, mehr als 15 Jahre nach den Ereignissen Anfang der 90er eine Frage, die viele Fans umtreibt. Man muss nur in die gängigen Tennisforen des Internets schauen um mit Amüsement oder Kopfschütteln das immerwährende Sich-Beharken der Graf - und Seles-Anhänger zu reagieren.

Zurück zu den sportlichen Erfolgen: 1988 schaffte Steffi Graf den so genannten Golden Slam. Alle Grand Slams plus die Olympische Goldmedaille. Letzteres ist sicher etwas überbewertet da die Olympischen Spiele nur alle vier Jahre stattfinden und auch erst wieder seit eben 1988. Eher unterbewertet wird manchmal die Tatsache, dass Graf es als bisher einzige Spielerin schaffte, auf drei verschiedenen Bodenbelägen zu siegen. Bei Connolly und Court fanden noch drei der vier Turniere auf Rasen statt.

1995 und 1996 schaffte Graf ebenfalls das Kunststück bei den Grand Slams ungeschlagen zu bleiben. Allerdings war sie Down Under in beiden Jahren nicht am Start, der Körper mal wieder. Hätten wir sonst ein Grand Slam-Triple erleben dürfen?

Im Herbst ihrer Karriere machte ihr der Körper oft genug einen Strich durch die Rechnung. 1997 fiel sie fast das gesamte Jahr aus, spielte nur fünf Turniere und dort auch meist nicht wirklich fit. Mitte 1998 fiel sie sogar kurz aus der Rangliste weil sie zu wenige Turniere auf dem Konto hatte. Aber Graf bewies ihre Qualitäten als sie sich binnen viereinhalb Monaten von Null zurück in die Top Ten spielte.

Nach einer ordentlichen aber bislang titellosen ersten Saisonhälfte ging Steffi Graf dann 1999 in Paris an den Start. Über das Finale gegen Martina Hingis ist viel geschrieben worden, daher sei hier nur auf die Tatsache hingewiesen, dass es Graf als bislang einziger Spielerin gelang, bei einem Grand Slam sukzessive die drei besten Spielerinnen der Welt, damals Seles, Davenport und Hingis, aus dem Turnier zu werfen.

Davenport stand sie etwas später im Wimbledonfinale noch einmal gegenüber. Sie unterlag in zwei engen Sätzen. Bei einem Sieg hätten wir vielleicht schon an der Church Road ihren Rücktritt vom Profitennis erlebt. So reiste sie noch nach San Diego, verletzte sich gegen Amy Frazier und zog wenig später einen Schlussstrich. Sie wusste wohl, besser wird’s nimmer.

Besser wurde es aber wohl was das Leben abseits des Platzes anging. In Paris hatte sie Andre Agassi kennen gelernt, der dort ebenfalls ein faszinierendes Turnier mit einem Sieg krönte. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Heute sind Steffi Graf und Andre Agassi seit zehn Jahren ein glückliches Paar, haben zwei Kinder und engagieren sich für ihre Stiftungen.

Aus der oft nachdenklichen, manchmal unglücklich wirkenden jungen Frau, die den Tennissport so lange dominiert hatte ist eine selbstbewusste Weltbürgerin geworden. Die Nummer Eins auch unserer Liste: Stefanie Maria Graf.


Sebastian Gewande (Bild : RandyBartell)

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