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  Tennisbaron Gottfried v. Cramm - Teil 1: Ein Virtuose in Berlin    27-09-2009
Gottfried von Cramm ist ein wichtiger Teil deutscher Tennisgeschichte. Große Erfolge, legendäre Niederlagen und tragische Wendungen zeichneten seinen Lebensweg. Was von Cramm als Spieler, Funktionär und einzigartiger Repräsentant seines Sports leistete, sollte auch hundert Jahre nach der Geburts des Tennisbarons nicht in Vergessenheit geraten.
“Don, I'm very happy that I played so well against you, whom I like so much, and it was the best tennis I have ever played in my life, so congratulations to the best man on this particular occasion.” Das die Worte von Gottfried von Cramm beim Handshake mit seinem Gegner Don Budge, nachdem dieser ihn soeben mit 8:6 7:5 4:6 2:6 6:8 bezwungen hatte. Ein Spiel, über das der Amerikaner später sagen wird, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn er es nicht gewonnen hätte. Denn dann wäre das Leben seines deutschen Freundes womöglich anders verlaufen. Ein Leben, das trotz Niederlagen und auch privater Rückschläge bis zu jenem David Cup-Match am 20. Juli 1937 auf dem heiligen Rasen von Wimbledon vor allem auch eine Erfolgsgeschichte war.
„Zu einem Virtuosen bist du doch nicht geboren“
Am 7. Juli 1909 wurde Gottfried von Cramm geboren. Er war der Drittälteste von sieben Söhnen von Baron Burghard von Cramm und Gräfin Jutta von Steinberg. Auf dem Schloss Brüggen erlebte Gottfried eine unbeschwerte Kindheit und auch die größten Sorgen und Nöte des Ersten Weltkrieges blieben der wohlhabenden Familie erspart. So war ein Pferdebiss eines der schmerzhaftesten und einschneidenden Erlebnisse seiner Kindheit: Als Gottfried einem Pferd ein Stück Zucker geben wollte, biss dieses dem damals Elfjährigen in die rechte Hand – das oberste Glied seines Zeigefingers musste amputiert werden. Der behandelnde Arzt versuchte den jungen Gottfried zu beruhigen mit den Worten: „Einem biederen Landwirt schadet dieser Verlust nicht, und zu einem Virtuosen bist du doch nicht geboren.“ Wenn der Arzt wohl damit auch eher an einen Virtuosen im Fach des Klavier- und Geigespiels gedacht haben mag, wie falsch er lag, zeigte sich einige Jahre später in von Cramms Tennisheimat Berlin.
Ein junger Gentleman
Um zu studieren und vor allem um sich zu einem Spitzenspieler ausbilden zu lassen, zog Gottfried von Cramm 19-jährig in die deutsche Hauptstadt. Schon bevor von Cramm erste internationale Lorbeeren einheimsen konnte, entzückte er mit seinem Auftreten und Spiel Mitglieder und Tennisbegeisterte – besonders die Frauen – auf den Plätzen seines Tennisvereins Rot-Weiß Berlin: „Wenn der hochaufgeschossene junge Mann mit den ebenmäßigen Gesichtszügen und den freundlich dreinschauenden Augen in blütenweißem Hemd und langer Flanellhose, deren exakte Bügelfalten die schlanke Gestalt noch unterstrichen, zum Training oder Spiel auftauchte, wanderte manches Vereinsmitglied vom Plausch auf der Terrasse hinüber zum Platz, um dem jungen Studenten zuzuschauen. Es war beeindruckend zu sehen, wie leichtfüßig er selbst den nur schwer erreichbaren Bällen nachlief und scheinbar mühelos sein Schläger den Ball traf. Nie wirkten seine Bewegungen verkrampft oder abgehackt. Es war ein Bild ungewöhnlicher Beschwingtheit, von spielerischer, fast verspielt wirkender Leichtigkeit, und man musste genau hinschauen, um auch die eingesetzte Kraft und angestrengte Konzentration des Akteurs wahrzunehmen, mit denen er dem sportlichen Zweikampf seine ihm angemessene Ernsthaftigkeit verlieh. Das war von Cramms Art zu spielen, elegant und schön, die für die vielen, die ihm später bewundernd zuschauten, auch zu einem ästhetischen Genuss werden konnte.“ (aus der Biografie von Egon Steinkamp, die im Herbig Verlag erschien)
Der erste große Tennisboom in Deutschland
Aus Gottfried von Cramm war nun doch ein Virtuose geworden. Und mit jener eleganten Weise Tennis zu spielen, gelang es ihm nach ersten internationalen Erfolgen gemeinsam mit Daniel Prenn eine Tennisbegeisterung auszulösen, wie es sie zuvor in Deutschland nicht gab: Nach Siegen gegen Indien, Österreich, Irland, England und Italien hatte das deutsche Davis Cup-Team mit von Cramm und Prenn 1932 den Sieg in der Europa-Zone errungen und dabei unter anderem die haushoch favorisierten Engländer H. Wilfried „Bunny“ Austin und Fred Perry bezwingen können. Erst in der Interzonen-Schlussrunde konnten die beiden Deutschen in einer denkbar knappen Begegnung mit 2:3 von den französischen Musketieren gestoppt werden. Prenn und von Cramm waren 1932 in der Weltspitze angekommen und hatten einen Tennisboom ausgelöst.
„Neuordnung des deutschen Sports“
Dann kam Hitler an die Macht. Mit ihm wurde die „Neuordnung des deutschen Sports“ eingeleitet. Der deutsche Tennisbund reagierte und ordnete an, „dass in seinen Verbänden und Vereinen Nichtarier keine führenden Ämter bekleiden und nichtarische Spieler an Länderwettkämpfen, Meden- und offiziellen Verbandsspielen nicht mehr teilnehmen können.“ Damit war klar: Die Tenniskarriere des Juden Daniel Prenn war in Deutschland beendet. Er flüchtete schließlich aus Berlin nach England, wo der mühsame Aufbau einer neuen beruflichen Existenz seine Laufbahn als Tennisspieler immer weniger zuließ.
Daniel
Reviol (Bild : Flickr.com)
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