Tennisbaron Gottfried v. Cramm - Teil 2: Bester Botschafter Deutschlands    29-09-2009
Gottfried von Cramm ist ein wichtiger Teil deutscher Tennisgeschichte. Große Erfolge, legendäre Niederlagen und tragische Wendungen zeichneten seinen Lebensweg. Was von Cramm als Spieler, Funktionär und einzigartiger Repräsentant seines Sports leistete, sollte auch hundert Jahre nach der Geburts des Tennisbarons nicht in Vergessenheit geraten.
Vorzeige-Athlet des Reiches
Gottfried von Cramm hatte mit der Machtübernahme Hitlers einen guten Freund und einen erfahrenen und für ihn sehr wichtigen Förderer verloren. Während Prenn im Exil lebte, wurde von Cramm neben Max Schmeling zum Vorzeige-Sportler des Deutschen Reiches. Gleich zweimal gelang es ihm die Internationalen Meisterschaften von Frankreich in Paris zu gewinnen: 1934 gegen den Australier Jack Crawford und 1936, kurz nachdem von Cramms Vater verstorben war und seine erste Frau sich von ihm getrennt hatte, gegen Fred Perry.
„Bester Botschafter Deutschlands“
Obwohl van Cramm Deutscher ist und die Rassenpolitik Hitlers sowie dessen militärische Aufrüstung die Gegnerschaft des Nazi-Regimes stetig wachsen ließ, wird von Cramm in New York, Paris und London als „bester Botschafter Deutschlands“ bezeichnet. Der Grund dafür war nicht nur in seinem Spiel zu sehen, sondern - vielleicht sogar vor allem - in seinem Auftreten. Das In- und Ausland feierte ihn als „deutschen Tennisbaron“ und als „Gentleman von Wimbledon“. Seine Fairness, die sich gleichermaßen im Moment des Triumphes wie auch in der Niederlage zeigte, ist bis heute Legende.
Der gefeierte Verlierer
Als 1936 Fred Perry nach nur 45 Minuten von Cramm im Wimbledonfinale gerade mit 6:1 6:1 6:0 abgefertigt hatte, folgte eine letzte Durchsage von Schiedsrichter John Newman: „Baron von Cramm hat mich gebeten, ihnen mitzuteilen, dass er sich beim Aufschlag im ersten Satz (genau genommen im zweiten Spiel des ersten Satzes) einen Muskel zerrte. Es tut ihm Leid, nicht besser gespielt zu haben.“ Das Publikum reagierte mit tosendem Applaus für den Verlierer und dessen Durchhaltevermögen und die englische Presse stellte am folgenden Tag fest: „Von Cramm hat als Unterlegener prachtvollen Sportgeist bewiesen. Er hätte vom Platz gehen und Perry kampflos den Sieg überlassen können. Stattdessen harrte er aus und musste zusehen, wie sein Gegner einen siegreichen Schlag nach dem anderen folgen ließ. Was wäre das ohne Cramms Pech für ein wundervolles Spiel geworden.“ Gottfried von Cramm wurde zum Synonym für Fairness und Sportgeist im Tennissport. Es ist auch von zahlreichen Fällen die Rede, in denen er Entscheidungen der Schiedsrichter zu seinen eigenen Ungunsten korrigierte.
Don Budge zu stark im Finale
Gleichzeitig ging Gottfried von Cramm – Ivan Lendl mag Jahrzehnte später Einspruch erheben – als „the best player who never won Wimbledon“ in die Tennisgeschichte ein. Nach 1935 und 1936 gelang es dem Deutschen auch im folgenden Jahr das Endspiel in Wimbledon zu erreichen. Mit 3:6 4:6 und 2:6 musste sich von Cramm seinem amerikanischen Widersacher Don Budge geschlagen geben. Und trotz des klaren Ergebnisses wurde der Tennisbaron von allen Seiten mit Lob für seine ausgezeichnete Leistung überschüttet. Unvorstellbar zu diesem Zeitpunkt, dass dies von Cramms letztes Wimbledon-Finale gewesen sein könnte. Doch schon kurz darauf sollten Budge und von Cramm erneut an der Church Road aufeinander treffen – im entscheidenden Spiel um den Davis Cup-Sieg 1937.
Daniel
Reviol (Bild : Flickr.com)
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