Die Wüste durchgeschüttelt    30-12-2009
Jahr : 1999
1999 war das Jahr, in dem Nicolas Kiefer und Tommy Haas erstmals Kontakt mit der internationalen Weltspitze aufnahmen. Haas siegte in Memphis und erreichte das Halbfinale der Australian Open, Kiefer gewann insgesamt drei Turniere und qualifizierte sich für den Saisonabschluss in Hannover, damals als ATP-WM bekannt.
Für den ersten Paukenschlag im deutschen Tennis sorgte jedoch weder Kiefer noch Haas sondern ein junger Mann, den damals noch gar keiner auf der Rechnung hatte: Rainer Schüttler.
Der 22jährige Korbacher hatte sich beim Wüstenturnier in Doha, schon damals mit einer Million Dollar Preisgeld hoch im Kurs, erfolgreich durch die Qualifikation gekämpft. Der junge Mann mit den schnellen Beinen erwies sich aber noch lange nicht gesättigt mit dem Sprung ins Hauptfeld und warf neben dem Tschechen Daniel Vacek gleich drei Spieler mit Top Ten-Meriten aus dem Turnier: Andrej Medvedev, Goran Ivanisevic und Cedric Pioline.
Man horchte auf: Ein Deutscher im Finale eines ATP-Turniers. Das hatte es in den letzten zwei Jahren eher selten gegeben. Und tatsächlich schaffte Schüttler noch die Krönung: Im Endspiel gewann der damals auf Rang 124 stehende Baseliner mit 6:4 5:7 6:1 gegen den Weltranglistensiebten Tim Henman.
Es war der erste große Erfolg für Rainer Schüttler. Mittlerweile ist er mit 33 Jahren und acht Monaten einer der ältesten Spieler im Profigeschäft und denkt immer noch nicht ans Aufhören. Bei all den frühen Niederlagen in den letzten Jahren darf nicht vergessen werden, dass Schüttler neben Boris Becker und Michael Stich der einzige Deutsche ist, der in der Open Ära das Finale eines Grand Slam-Turniers erreichen konnte.
Zum elften Jahrestag seines ersten Turniersiegs kommt Schüttler jedoch nicht nach Doha zurück. Stattdessen greift er in Chennai zum Schläger. Auch das Turnier hat er in guter Erinnerung: 1999 kam er ins Finale, im Vorjahr erreichte er die Vorschlussrunde.
Schüttler war immer dann stark, wenn ihn keiner auf der Rechnung hatte, sei es in Melbourne 2003, in Athen 2004 oder in Wimbledon 2008. Vielleicht gelingt ihm 2010 noch einmal so ein Glanzlicht.
Sebastian
Gewande (Bild : RandyBartell)
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