Fed-Entscheidung    30-12-2009
Das Traumduell findet nicht statt
Die Losgöttin hatte es gut gemeint mit den Tennisfans in diesem Jahr. Gleich in der ersten Runde des Davis Cup würde es zu einem absoluten Knaller kommen, Titelverteidiger Spanien mit Heimrecht gegen die Schweiz. Mit anderen Worten DAS Duell im Tennis nun auch im Davis Cup: Roger Federer gegen Rafael Nadal.
Doch heute sind alle Träume von einem erneuten Klassiker a la Wimbledon 2008 oder Melbourne 2009 geplatzt – Roger Federer hat die Partie abgesagt. Begründet wird dies mit der ungünstigen Positionierung der Erstrunde zwischen Federers Quasi-Heimspiel Dubai und den hochklassigen Turnieren in Indian Wells und Miami.
Sicher, der Davis Cup-Auftakt war schon mal besser gelegt worden. Direkt nach den Australian Open oder Miami sind Belagwechsel nicht so sehr ins Gewicht gefallen. Nun heißt es Hartplatz-Sand-Hartplatz binnen dreieinhalb Wochen für die Protagonisten der Partie.
Der letzte fehlende Pokal
Aber darf dies allein den Ausschlag für eine Absage sein? Roger Federer hat seit letztem Jahr alles gewonnen im Tennis, alle Grand Slams, die Weltmeisterschaft, Nummer Eins, Olympiagold. Er wird mit Preisen überhäuft, zuletzt vor wenigen Tagen die Auszeichnung zu Europas Sportler des Jahres. Nur der Davis Cup fehlt ihm noch im Resümee.
Seit 1900 wird der Nationenpokal ausgespielt. Er ist eins der berühmtesten Turniere überhaupt. Spieler brechen in Tränen aus wenn sie hier einen Matchball verwandeln. Hier werden Legenden geschaffen, Klassiker ausgespielt.
Aber interessiert das Roger Federer? Der Sohn eines Schweizers und einer Südafrikanerin, verheiratet mit einer Slowakin und fließend in vier Sprachen gefällt sich in der Rolle des Kosmopoliten. Mit Recht, er füllt sie exzellent aus. Nur muss dies einem Engagement im Davis Cup nicht widersprechen. Auch ein Weltbürger kann für sein Heimatland zum Schläger greifen.
2004 war Federer zuletzt bei einer Erstrundenpartie der Schweiz mit an Bord. Seither hat er zwar immer wieder zum Schläger gegriffen um die Kastanien aus dem Feuer zu holen, sprich die Schweiz im Herbst vor dem Abstieg zu retten, mehr aber auch nicht.
Warum die ATP-Tour wichtiger sein könnte
Wenn nichts dazwischen kommt, wird Federer nach den French Open mehr Wochen als Nummer Eins vorzuweisen haben als Pete Sampras. Ein weiterer Rekord. Hierfür braucht er natürlich Punkte auf der Tour. Im vergangenen Jahr stand er in Indian Wells und Miami im Halbfinale, Dubai sagte er ab. Durchaus Raum für Verbesserungen.
Die Konzentration auf die Davis Cup-Partie könnte dem Unternehmen Ewige Nummer Eins durchaus in die Quere kommen. Mit Beginn der French Open muss Federer nämlich reichlich Punkte verteidigen während Rafael Nadal sehr viel Boden gutmachen kann.
Angst vor Nadal?
Überhaupt Rafael Nadal. Ein wenig wird die Frage im Raum stehen, ob Federer vor seinem spanischen Nemesis kneift. Er hat Nadal zwar auch schon auf spanischem Sand geschlagen, in Madrid im Mai, aber da hatte dieser noch ein Vierstundenmatch gegen Novak Djokovic in den Knochen. Abgesehen davon hat Federer die fünf letzten Begegnungen stets verloren.
Wo immer auch die Gründe Federers für die Absage liegen - Unlust, Konzentration auf die Nummer Eins, Angst vor Nadal -, die Tennisfans sind 2010 schon einmal um ein Spektakel beraubt worden. Vielleicht wird Roger Federer irgendwann zurückschauen und sich fragen, was wäre gewesen wenn Sollte er 2011 noch einmal einen Anlauf nehmen wollen, wäre er 29 Jahre alt. Viele Chancen würden ihm nicht mehr bleiben. Aber interessiert ihn das überhaupt?
Sebastian
Gewande (Bild : Peta)
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