Wenn Tennisspieler Bücher schreiben    01-01-2010
Ein Blick auf die Autobiographien erfolgreicher Tennisspieler.
Andre Agassi hat jüngst seine Biographie veröffentlicht. „Open“ heißt das knapp 600 Seiten starke Werk in dem Agassi viele heiße Themen anpackt: Seine unglückliche Kindheit und Jugend, Drogenkonsum, Lügen gegenüber der ATP, Abschenken von Matches und noch einiges mehr. Das Buch steht in den Bestsellerlisten zu recht gut da, es ist nicht nur für Tennisfreaks spannend geschrieben und unterhält fast komplett von der ersten bis zur letzten Seite.
Allerdings ist Agassi nicht der einzige Tennisprofi, der eine Autobiographie veröffentlicht hat. Landsmann Pete Sampras tat dies etwa vor zwei Jahren mit „A Champions Mind“. Sampras ist ein netter Kerl, stets fair und ein bisschen langweilig – Eigenschaften, die sich auch auf das Buch übertragen haben.
Anders die Selbstoffenbarung eines älteren US-Stars. John McEnroe hat mit „Serious“ eine der besseren Autobiographien vorgelegt, auch weil er je nach Thema zwischen der titelgebenden Ernsthaftigkeit und Selbstironie hin – und hergewechselt.
Boris Becker hatte sich vor einigen Jahren mehr den Pathos auf die Fahnen geschrieben: „Augenblick, verweile doch“ heißt seine Lebensgeschichte. Leider gibt es nicht viele neue Erkenntnisse über den noch immer jüngsten Wimbledonsieger. Seine zeitweilige Schlafmittelabhängigkeit wird thematisiert was sein Schlafwandeln zu Beginn des Wimbledonfinals 1990 in ganz anderem Licht erscheinen lässt.
Eine empfehlenswerte deutschsprachige Autobiographie gibt es aber doch: „Aufschlag“ von Thomas Muster. Dem Österreicher ist der Ruhm nicht in den Schoss gefallen sondern musste hart erarbeitet werden bis er 1995 mit dem French Open-Sieg endlich eintrat. Von daher gibt es einige interessante Einblicke in den harten Profialltag abseits der Weltelite. Ebenfalls spannend zu lesen sind seine Betrachtungen über die lieben Kollegen.
Was die Herren können, können die Damen schon lange. Teils auch besser wie im Fall von Pam Shriver. Die baumlange Amerikanerin, 50 Prozent des größten Damendoppels aller Zeiten, hat mit „Passing Shots“ ihr Tourtagebuch 1985 veröffentlicht. Mit viel Selbstironie und ein bisschen Klatsch gehört ihr Buch zu den unterhaltsamsten Veröffentlichungen im Genre.
Die anderen 50 Prozent taten es Shriver zur selben Zeit nach: Martina Navratilovas „So bin ich“ ist eigentlich reif für eine Verfilmung: Tragische Kindheit durch den Selbstmord des Vaters, Flucht aus der CSSR, Kontaktverlust zur Familie, Essstörungen, Ächtung ihrer Homosexualität etc. Das Buch kann jedem Tennisfan nur wärmstens empfohlen werden.
Für Chris Everts Innenansichten gilt dies nur bedingt. Ihr „Chrissie“ bietet zwar auch so manche unverhoffte Einsicht, etwa über ihre Zeit an der Seite von Jimmy Connors, dennoch muss man einige Geduld mitbringen, das Buch liest sich manchmal etwas mühselig und den Menschen Christine Marie Evert kennt man danach nicht viel besser.
Als letztes wäre noch „Mein zweites Leben“ von Monica Seles zu nennen. Die Exil-Serbin hat ebenfalls einiges zu erzählen. Das Buch erschien 1996, drei Jahre nach dem Messerattentat vom Rothenbaum und zwei Jahre vor dem Tod ihres Vaters. Mittlerweile hat Seles ein zweites autobiographisches Buch vorgelegt, „Getting a Grip“ erschien 2008.
Sebastian
Gewande (Bild : Tennistory)
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