Staatsangelegenheiten    06-02-2010
Jahr : 2010
Ein Spieler, zwei Nationen
Tommy Haas ist seit kurzem amerikanischer Staatsbürger. Ein logischer Schritt nach 20 Jahren in dem Land. Den deutschen Pass behält er trotzdem und fürs Davis Cup-Team der USA könnte er erst im September 2011 spielen – falls er dann überhaupt noch spielt.
Haas ist übrigens nicht der einzige deutsche Profi mit zwei Staatsangehörigkeiten. Dustin Brown ist dank seines Vaters nicht nur die deutsche Nummer 14 sondern auch Jamaikas Nummer Eins und dort schon jetzt der Beste aller Zeiten. Kein Wunder, dass er von der ATP-Rangliste als Jamaikaner geführt wird.
Ex-Top 100-Profi Tomas Behrend, geboren in Brasilien, hat dank seiner Großeltern den deutschen Pass bekommen und ist auch für den DTB im Davis Cup an den Start gegangen. Eine ähnliche Sozialisation hat auch Gustavo Kuerten gehabt. Leider kam der dreifache French Open-Sieger nie auf Patrik Kühnen zu und hat auch keinen deutschen Pass.
Welcome to America
Haas ist natürlich beileibe nicht der erste Tennisstar, der die amerikanische Staatsbürgerschaft annimmt. Als erstes kommt Martina Navratilova in den Sinn, die übrigens für die Jahre zwischen ihrer Flucht aus der CSSR 1975 (bzw. dem Nicht-wieder-Zurückkehren nach einer US-Reise) und der Einbürgerung drei Jahre später teilweise als staatenlos galt. Navratilova betonte stets, dass es keine politischen Gründe hatte, die CSSR zu verlassen, vielmehr sah sie in den USA für ihr Tennisspiel und die Entfaltung ihrer Persönlichkeit mehr Chancen als im damaligen Ostblockstaat.
Dann ein weiterer gebürtiger Tscheche: Ivan Lendl. Anders als bei Navratilova war seine Einbürgerung von den Medien erwähnt worden. Er hatte eh schon Jahre in Connecticut gelebt und befand sich am Ende seiner Karriere, als er den Pass wechselte. Monica Seles als gebürtige Serbin ist auch noch zu nennen.
Anders als Navratilova und Lendl wechselte Kevin Curren sehr wohl aus politischen Gründen die Staatsbürgerschaft. Curren – wir kennen ihn als Gegner bei Boris Beckers erstem Wimbledonsieg – ist gebürtiger Südafrikaner. In den 80ern wurde das Land am Kap aufgrund seiner Apartheidpolitik international gemieden, Curren befreite sich mit der Abgabe des Passes von einer dicken Kette am Bein.
Die Reise geht nach Westen
Aber auch innerhalb Europas wechselten die Spieler des Öfteren die Pässe. Gewöhnlich kamen osteuropäische Spieler und Spielerinnen in den Westen – nicht nur wegen der besseren Trainingsbedingungen.
Besonders beliebt war dabei die Schweiz. Jacob Hlasek, erster Top Ten-Spieler der Eidgenossen ist gebürtiger Tscheche. Hlasek gewann Anfang der 90er den Hopman Cup für die Schweiz. An seiner Seite Manuela Maleeva-Fragniere. Die älteste des bulgarischen Schwesterngespanns war nach der Heirat mit Francois Fragniere Schweizerin geworden.
Martina Hingis ist ein weiterer Spitzenimport für das Alpenland gewesen. Geboren in Kosice in der heutigen Slowakei kam sie als Achtjährige in die Schweiz und startete dort ihre Wunderkindkarriere die sie zu fünf Grand Slam-Titeln führen sollte.
Zuwanderung auch nach Deutschland
Auch das deutsche Tennis hat von Migranten profitiert. Da wäre Alexander (eigentlich Alexandru) Radulescu zu nennen, der 1996 im Wimbledonviertelfinale stand. Oder David Prinosil, der mit Marc-Kevin Goellner Edelmetall bei den Olympischen Spielen gewann und viele wichtige Punkte im Davis Cup holte. Bei den Damen ist Elena Wagner, ehemals Pampulova zu nennen, die aus Bulgarien stammt. Von den aktuellen Profis sind Andrea Petkovic und Mischa Zverev mit einem direkten Migrationshintergrund versehen – Petkovic verbrachte die ersten sechs Monate ihres Lebens in Bosnien, Zverev die ersten zwei Jahre in Russland.
Natürlich gibt es noch viele weitere Beispiele, etwa Karin Kschwendt, die sowohl für Deutschland, Österreich als auch Luxemburg startete oder das tschechische Ausnahmetalent Hana Mandlikova, die im Herbst ihrer Karriere aus der CSSR per Heirat nach Australien emigrierte. Zum Stichwort Australien kommen auch noch Jelena Dokic oder Bernard Tomic in den Sinn.
Klar ist jedenfalls, der Schritt von Haas ist nichts Besonderes auf der Profitour, die nicht umsonst seit letztem Jahr das „World“ in ihren Namen aufgenommen hat.
Sebastian
Gewande (Bild : Joe Bateman)
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