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Detail - Special (214 mal gelesen)
  Das Doppel – Die vergessene Disziplin    11-07-2010
Das Doppel – Die vergessene Disziplin Das Stiefkind des Profitennis
Der Wimbledonerfolg von Philipp Petzschner mit Jürgen Melzer und die jüngst abgehalten Aufnahmen von Todd Woodbridge und Mark Woodforde sowie Natascha Zvereva und Gigi Fernandez in die Ruhmeshalle des Tennis in Newport haben es wieder etwas in den Fokus gebracht: Das Doppel, das Stiefkind des Profitennis.

Über die Frage, ob nun Damen – oder Herrentennis spannender, spektakulärer, interessanter sei, gibt es unzählige Diskussionen. Wenn aber der Vergleich zwischen Einzel und Doppel gezogen wird, so dürfte das Votum wohl mit überwältigender Mehrheit für erstere Disziplin ausfallen.

Aber warum eigentlich? Das Doppel ist schließlich vom Prinzip her das gleiche Spiel. Aufgrund der doppelten Teilnehmerzahl auf dem Platz ist der Anteil an langen, ungewöhnlichen und mitreißenden Ballwechseln deutlich höher. Der Zehnertiebreak als Ersatz für den dritten Satz, seit einigen Jahren durchgeführt, hat dem Spiel eine zusätzliche Dynamik verliehen, die man durchaus positiv beurteilen kann.

Die Stars meiden die Doppelkonkurrenz
Ein Grund ist sicherlich das Fehlen großer Namen im Doppel, vor allem bei den Herren. Lediglich Jürgen Melzer ist sowohl im Einzel wie im Doppel unter den Top 20 zu finden. Bei den Damen ist die Lage aktuell zwar weitaus besser, Serena und Venus Williams regieren die dortige Rangliste, aber Spielerinnen wie Liezel Huber, Cara Black, Rennae Stubbs oder Nuria Llagostera Vives lösen bei vielen Fans dennoch nur ein Schulterzucken aus – und alle sind derzeit in den Top 10.

Grund für den Rückzug der Topstars aus dieser Disziplin ist einmal im immer härter werdenden Konkurrenzkampf auf der Tour zu finden. Nadal und Federer mitunter am selben Tag erst gegen – dann miteinander? Das mag reizvoll wirken, dürfte aber kaum eintreten. Steffi Graf und Gabriela Sabatini haben ihre Partnerschaft Ende der 80er auch beendet, als sie sich in gefühlt jedem zweiten Tourfinale gegenüberstanden.

Steigende Preisgelder als eine Ursache
Die stetig anwachsenden Preisgelder haben ebenfalls dafür gesorgt, dass sich die Einzelstars aus dieser Disziplin mehr und mehr zurückgezogen haben. Exemplarisches Beispiel: Rod Laver hat 1969, im Jahr seines Grand Slams, 124,000 Dollar Preisgeld kassiert. Dabei stand der Australier laut ITF-Datenbank bei 19 Einzel – und zehn Doppelkonkurrenzen auf dem Platz. Roger Federer kassierte 40 Jahre später 8,786,100 Dollar. Dabei war der Schweizer 16 Mal im Einzel und nur zweimal im Doppel am Start.

Die Tennisasse der frühen Profiära mussten zwangsläufig auch das Doppel mitnehmen um finanziell über die Runden zu kommen. Ab den 80er Jahren war es wirtschaftlich nicht mehr zwingend notwendig bei einem Turnier für beide Konkurrenzen zu melden – so vollzog sich ein schleichender Rückzug der großen Namen aus der Doppelszene verbunden mit der Geburt der so genannten „Doppelexperten“ – böse formuliert ältere Spieler, die im Einzel nichts mehr reißen.

Tennis ist an sich ein Duell auf Distanz
Aber ein weiterer Grund für das fehlende Interesse am Doppel liegt vielleicht etwas tiefer, nämlich in der Mentalität dieses Sports. Tennis ist ein Duell auf Distanz, wie Erich Kästner treffend bemerkte. Wie beim Boxen geht es um den Kampf Mann gegen Mann (oder Frau gegen Frau), der Einzelne steht im Fokus, ganz anders als beim Fuß, Hand – oder Basketball, wo es zwar interessant ist, festzustellen, ob das Ganze (die Mannschaft) mehr oder weniger ist als die Summe der einzelnen Teile (der Spieler).

Tennis ist eine Sportart, die jene viel beschworenen „Typen“ hervorbringt, eben weil man sich nur auf sie im Zweikampf fokussieren kann. Im Doppel ist dies zwar noch nicht so schwierig wie bei obigen Mannschaftssportarten, der eigentümliche Reiz des Duells geht aber dennoch verloren.

Wie dem auch sei: Philipp Petzschner wird seinen Wimbledontitel nie mehr missen wollen, genauso wenig wie die „Woodies“ ihre Aufnahme in die Hall of Fame. Denn ganz gleich ob es einem Millionenpublikum bekannt wurde, sportliche Höchstleistungen haben sie allemal vollbracht.


Sebastian Gewande (Bild : dhbvg87)

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