Roland Garros 2008 – Ein deutsches Debakel?    29-05-2008
0:9 lautet die diesjährige Bilanz der deutschen Herren bei den French Open. Erstmals seit den US Open 1984 hat kein Deutscher die Auftaktrunde eines Grand Slams überstanden. Indes, damals waren auch nur Hans-Jörg Schwaier und Michael Westphal am Start. In diesen Tagen hatten neun Spieler die Chance auf die zweite Runde. Keiner hat sie wahrgenommen.
Ein Debakel? Durchaus – aber auch nicht wirklich unerwartet. Mit Nicolas Kiefer, Tommy Haas und Florian Mayer haben drei der fünf besten deutschen Sandplatzspieler das Turnier vorzeitig abgesagt. Ob die Gründe dafür wirklich bei allen zwingend waren, darüber lässt sich sicher streiten. Philipp Kohlschreiber, der vierte dieser Reihe hatte mit Stan Wawrinka einen heißen Top Ten-Spieler zugelost bekommen. Gegen den darf man durchaus verlieren, so glatt wie Kohlschreiber aber besser nicht. Denis Gremelmayr, Hoffnungsflamme der letzten Wochen hatte mit Novak Djokovic einen der drei dicksten Brocken des Welttennis zugelost bekommen und schlug sich beachtlich.
Was die anderen Deutschen betrifft: Michael Berrer, Benjamin Becker und Mischa Zverev sind mit ihrer Spielweise auf Sand nicht zuhause, sie haben in den nächsten Wochen auf Rasen Gelegenheit zu glänzen. Rainer Schüttler ist über seinen Höhepunkt weit hinaus und Simon Greul sowie Daniel Brands können immerhin das Erfolgserlebnis Qualifikation vorweisen.
Das Abschneiden der deutschen Profis in Paris ist sicherlich enttäuschend doch Relativierung tut not. So schlecht ist das deutsche Herrentennis nicht. Zwar fehlt ein wirklicher Topspieler (den es noch vor einem halben Jahr mit Tommy Haas gab – so schnell ändern sich die Zeiten) aber die Breite ist durchaus vorhanden. Vielleicht überrascht ein Mischa Zverev mit seinem konsequenten Serve and Volley-Spiel schon in Wimbledon für die ein oder andere Überraschung – oder Michael Berrer – oder der für seine Größe vielleicht stärkste Aufschläger der Tour, Benjamin Becker?
Sebastian
Gewande (Bild : Tennis.de)
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