Der alternde Maestro und sein Nachfolger? Tommy Haas mit dem deutschen Top-T... - Bildquelle: GettyDer alternde Maestro und sein Nachfolger? Tommy Haas mit dem deutschen Top-Talent Alexander Zverev © Getty

München - Als Tommy Haas sein Debüt am Aumeister gab, neigte sich die große Zeit des deutschen Tennis dem Ende entgegen. Boris Becker tingelte als Teilzeit-Profi über die Tour und Steffi Graf kurierte wieder einmal eine Verletzung aus. Haas war das Versprechen auf die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte, auch wenn er damals bei den BMW Open in München (ab Dienstag live auf ran.de und tennis.de) in der ersten Runde unterlag.

Heute, 16 Jahre später, befindet sich Haas auf der Zielgeraden seiner Karriere, seine Schulter schmerzt, die Träume sind verblasst. Die 99. internationalen Tennismeisterschaften von Bayern könnten seine letzten sein. Der neue Hoffnungsträger auf den nächsten deutschen Grand-Slam-Sieg heißt Alexander Zverev. Mit 17 Jahren feiert der Junioren-Champion der Australian Open seine Premiere bei den BMW Open.

Haas und Zverev als Zugpferde

Haas und Zverev sind die Zugpferde des Sandplatzturniers. Der Titelverteidiger und das Talent sollen die Zuschauer auf die Anlage des MTTC Iphitos locken. Der ehemalige Weltranglisten-Zweite Haas verkörpert dabei fast mehr Vergangenheit als Gegenwart des deutschen Weltklasse-Tennis, Zverev steht für die Zukunft.

"Er ist die nächste Hoffnung des deutschen Tennis", sagt Haas über den 19 Jahre jüngeren Zverev: "Sein Auftreten finde ich gut, er ist ehrgeizig und will es schaffen. Jetzt muss er sich allerdings beweisen."

"Ich will einfach nur mein Spiel spielen"

Erst zum zweiten Mal steht der 1,96 Meter große Schlaks Zverev im Hauptfeld eines ATP-Turniers, wie im vergangenen Jahr bei seinem Heim-Turnier in Hamburg bekam er vom Veranstalter eine Wildcard. "Das macht mir keinen besonderen Druck. Ich bin einfach nur glücklich über diese Chance", sagt Zverev und dämpft die Erwartungen: "Ich bin doch erst 17. Ich will einfach nur mein Spiel spielen." Am Dienstag trifft er auf den Österreicher Jürgen Melzer.

Erst am Mittwoch greift Tommy Haas in Runde zwei gegen Alejandro Falla (Kolumbien) ins Geschehen ein - wenn die Schulter hält. Der 36-Jährige kämpft seit Jahresbeginn mit Schmerzen im dreimal operierten Gelenk, noch immer ist die Schulter "nicht so, wie ich es gerne hätte", sagt Haas - und murmelt mehr zu sich selbst: "Aber so wird es ja eh nicht mehr."

Haas ist Titelverteidiger in München

Im vergangenen Jahr konnte er sich auf seinen geschundenen Körper verlassen, in München feierte er seinen 14. Tour-Titel, in Wien kam später sogar Nummer 15 hinzu. Das Karriere-Ende war auf unbestimmte Zeit verschoben, sogar die Rückkehr in die Top-10 schien möglich.

Zwölf Monate später beschäftigt sich Haas wieder verstärkt damit, wie sein Leben ohne Tennis aussehen soll. Zwischen Weihnachten und Silvester wolle er entscheiden, ob und wie es weitergeht.