Stolz wie Oskar nach dem Wimbledon-Triumph 2014 (von links): Lilly Becker, N... - Bildquelle: instagram / Boris BeckerStolz wie Oskar nach dem Wimbledon-Triumph 2014 (von links): Lilly Becker, Novak Djokovic und Boris Becker © instagram / Boris Becker

London - Als Boris Becker zum letzten Mal beim traditionellen Champions-Dinner von Wimbledon eingeladen war, bestand Deutschland noch aus zwei Teilen. Die feine Gesellschaft traf sich seinerzeit im Savoy Hotel am Londoner Strand und nicht im Interconti in der Park Lane. Tennistrainer waren damals noch nicht weltbekannt und nur selten gefragte Gesprächspartner.

Ein Vierteljahrhundert ist das nun her, Novak Djokovic war gerade mal zwei Jahre alt. Nun sorgte der Serbe dafür, dass Becker zum vierten Mal im edlen Zwirn einen netten Abend auf Einladung des All England Club verbringen durfte - und tolle Fotos für sein Twitter-Profil bekam. In einem hochklassigen Fünfsatz-Krimi bezwang Djokovic den Schweizer Rekordchampion Roger Federer in einem denkwürdigen Finale und gewann Wimbledon zum zweiten Mal nach 2011.

Becker bibbert auf der Tribüne mit

Beim 6:7 (7:9), 6:4, 7:6 (7:4), 5:7 und 6:4 bibberte Becker - selbst dreimal in Wimbledon erfolgreich - beinahe vier Stunden in seinem "Wohnzimmer", dem Centre Court an der Church Road. "Mein Herz brennt, ich bin mit Feuer und Flamme dabei", sagte Becker später: "Aber es bringt dem Spieler doch nichts, wenn mir die Pferde auf der Tribüne durchgehen." Er müsse sein "Pokerface" wahren.

Becker sah "innerlich aufgewühlt" ein Match, das an "Emotionen und Qualität nicht zu überbieten war". Eine "Achterbahnfahrt der Gefühle", einen angriffslustigen Roger Federer, der sich, den achten Titel vor Augen, nie ergeben wollte. "Doch Novak hat immer die passende Antwort gegeben", sagte Becker und meinte, selten solch ein hochklassiges Finale gesehen zu haben. Soweit die Außenansicht.

"Ich habe schon angefangen zu zweifeln"

"Das war sicher das beste Grand-Slam-Finale, an dem ich beteiligt war", sagte Djokovic, der auch schon das Rekordmatch im Endspiel von Melbourne 2012 über fast sechs Stunden gegen Rafael Nadal gewonnen hatte. "Ich habe nicht nur gegen meinen Gegner gewonnen, ich habe auch gegen mich selbst gewonnen", sagte Djokovic: "Ich habe schon angefangen zu zweifeln. Ich brauchte dringend solch einen Sieg."

Nach drei verlorenen Majorfinals in Serie ist er nun zurück an der Spitze der Weltrangliste. Nach neun Monaten löste er den Spanier Rafael Nadal auf Platz eins ab. Dafür hatte er Becker in sein Team geholt, und nach sechs Monaten kann der Trainer-Neuling stolz berichten: "Wir sind am Ziel."

Wimbledon-Sieg? Becker und Co. wollen mehr

Das Ende der Kombination mit dem Spitznamen "Beckovic" ist der Wimbledon-Sieg allerdings nicht. Becker und seine Kollegen planen bereits den Übergang zur US-Hartplatzserie. "Jetzt heißt es, den Platz zu verteidigen. Wir Trainer müssen diesen Sieg taktisch und strategisch sehen. Wir müssen festhalten, wie Novak dieses Match gewonnen hat, um uns in schwierigen Momenten daran zu erinnern", sagte Becker.

Djokovic wollte nach dem Drama auf dem Heiligen Rasen davon nichts mehr wissen: "Es stehen wichtige Termine an. Wir heiraten. Und ich werde in ein paar Monaten zum ersten Mal Vater." Seine Verlobte Jelena Ristic, in wenigen Tagen Frau Djokovic, verdiene nun mehr Aufmerksamkeit. "Ich denke, ich kann dieses Kapitel meiner Tennis-Karriere für eine kleine Weile schließen. Ich habe mir ein paar Wochen Pause verdient", sagte Djokovic.