Angelique Kerber gewann den ersten deutschen Wimbledon-Titel seit 1996. - Bildquelle: 2018 Getty ImagesAngelique Kerber gewann den ersten deutschen Wimbledon-Titel seit 1996. © 2018 Getty Images

Naomi Osaka - wer erinnert sich noch daran? Der Name Naomi Osaka ist für Angie Kerber das Synonym für den Tiefpunkt. Erstrunden-Aus bei den US Open. Als Titelverteidigerin. 3:6, 1:6. Weggefegt, abgewatscht.

Fast ein Jahr ist der 29. August 2017 nun her. Der Tiefpunkt. Jetzt ist sie Wimbledon-Siegerin, im Tennis mit der größte Einzeltitel, den es zu gewinnen gibt. Als große Championesse widerlegt sie nun all ihre Kritiker. Diejenigen, die 2016 als Ausrutscher nach oben bezeichnet hatten. Diejenigen, die sich 2017 mit dem enttäuschenden Jahr bestätigt sahen.

Aber genau das macht Champions aus. Egal in welcher Sportart. Das Aufstehen, nachdem sie am Boden lagen. Kerber hat gezeigt, dass sie aufstehen kann. Dass sie Niederlagen wegstecken kann, sie als Motivation nehmen, um noch härter an sich zu arbeiten.

Kerber ist bekannt als Arbeiterin, eine die sich nicht allein auf ihr Talent verlässt. Mit Wim Fissette engagierte sie nach dem Tiefpunkt US Open einen Coach, der für seine harte Trainingsarbeit bekannt ist.

"Hard Work wins" lautet das Motto auf ihrem kreierten Fan-Shirt. Sie ist bereit, die extra Arbeit auf sich zu nehmen. Nun zahlt sich die Arbeit aus. Sie hat gewonnen.

Kerber ist die erste deutsche Wimbledon-Siegerin seit Steffi Graf. Beim Sieger-Interview war das eines der ersten Dinge, die sie ansprach. Sie ist sich des Stellenwerts des Triumphs bewusst, weiß aber damit umzugehen. Das sollte das Jahr 2017 sie gelehrt haben.

Das zeigt sie, als sie ihre ersten Worte an die an die unterlegene Serena Williams richtete, sie als große Gegnerin und Vorbild adelte. Denn neben dem Synonym Naomi Osaka gibt es bei Kerber auch das Synonym Serena Williams. Das steht für Erfolg.

Zwei ihrer drei Grand-Slam-Siege feierte sie im Finale gegen die dominanteste Tennis-Spielerin der aktuellen Zeit. Als Championesse gegen eine große Championesse.

Rainer Nachtwey