Alexander Zverev verlor bei den US Open sein erstes Grand-Slam-Finale. - Bildquelle: gettyAlexander Zverev verlor bei den US Open sein erstes Grand-Slam-Finale. © getty

New York/München - Es hat nicht sollen sein. 24 Jahre nach dem letzten deutschen Grand-Slam-Titel bei den Herren war Alexander Zverev verdammt nah dran. 1996 gewann - natürlich - Boris Becker die Australian Open. Es war Beckers sechster und letzter Titel bei einem der großen vier Turniere. 

Seitdem gab es nicht annähernd eine realistische Chance auf einen deutschen Triumph bei den Männern. Rainer Schüttler kam 2003 in Melbourne ins Finale, wurde aber von Andre Agassi vom Court geschossen. Und in der Welt von Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic war ohnehin kein Platz für irgendjemand anderen.

 

Und das Warten geht weiter: Alexander Zverev hat ein denkwürdiges Finale verloren. "Ich habe tausende Matches in meinem Leben gesehen. Aber das habe ich noch nicht erlebt", kommentierte Boris Becker während des Tiebreaks des fünften Satzes. 

Zwei Sätze lang dominierte der 23-jährige Zverev und lag auch im dritten Satz mit einem Break vorne. Doch Thiem biss sich in die Partie und schnappte sich die Sätze drei und vier. Die Fehlerquote bei Zverev stieg und zu Beginn des fünften Satzes sah es nach einer schnellen Nummer aus: Break Thiem zum 1:0. Doch diesmal kam Zverev zurück und schlug bei 5:3 zum Matchgewinn auf.

Doch beide hatten offenbar noch nicht genug und trafen sich im Tiebreak wieder - der knappsten aller Entscheidungen. Zverev führte 2:0, wehrte dann zwei Matchbälle ab. Den dritten nutzte Thiem, den Ende des Matches Krämpfe plagten, zu seinem ersten Grand-Slam-Titel.  

Dass Zverev das größte Versprechen im deutschen Tennis seit langer, langer Zeit ist, steht seit vielen Jahren fest. Doch bei den großen Events hat er bis dato noch nicht geliefert. 2018 gewann Zverev die ATP-WM in London, bei den Grand Slams ging er dagegen regelmäßig früh raus und stand sich dabei oftmals selbst im Weg.

Party-Fotos zu Corona-Zeiten

Zverev beherrscht jeden Schlag im Tennis und kann an guten Tagen auch die Federers und Nadals dominieren. An schlechten produziert er Doppelfehler im zweistelligen Bereich und geht gegen Spieler jenseits der Top 100 ein. Dann verliert er schlicht und ergreifend den Kopf. 

Das passierte ihm immer wieder auch außerhalb des Platzes. Auf Pressekonferenzen trat er mitunter lustlos und arrogant auf und mit den Corona-Regeln nahm er es erst recht nicht genau. Nach der unsinnigen Adria-Tour, organisiert von Zverev-Buddy Djokovic, gab sich Zverev geläutert und kündigte an, fortan der Pandemie angemessen zu leben. Wenige Tage später tauchten Fotos und Videos von ihm auf einer Party in Monaco auf. Es folgte die große öffentliche Entschuldigung. 

Ende August stand endlich wieder der Sport im Vordergrund. In der Bubble von New York besann sich Zverev zwei Wochen lang auf das, was er mit Abstand am besten kann: Tennisspielen. Er kam mit den ungewöhnlich schwierigen Bedingungen sehr gut zurecht und hat ein tadelloses Turnier gespielt. Dass es am Ende nicht gereicht hat, hat nichts mit fehlender Qualität zu tun, es fehlte ganz einfach das nötige Quäntchen Glück. 

Zverev ist erst 23, er wird in seiner Karriere mehrere Grand-Slam-Titel gewinnen. Zverev hat sportlich unglaublich viel drauf und im Big Apple in der Crunchtime echte Nehmerqualitäten bewiesen. Im Halbfinale drehte er zum ersten Mal einen 0:2-Satzrückstand und im Finale lieferte er Thiem einen grandiosen Kampf. 

Deutschland hat wieder einen Spieler, der die ganz großen Dinger holen kann. Und er wird es tun. Bald. 

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