70 Jahre, aber trotzdem noch extrem engagiert: Billie Jean King - Bildquelle: Getty70 Jahre, aber trotzdem noch extrem engagiert: Billie Jean King © Getty

Las Vegas - Steffi Graf war da. Andre Agassi auch - und Elton John natürlich. Im Mittelpunkt stand bei der Party Anfang Oktober im Spielerparadies Las Vegas aber nur eine: Billie Jean King. Dabei war die amerikanische Tennis-Revoluzzerin ihrer Zeit wieder einmal voraus und hatte ihre Geburtstags-Feier im Garten des Cesars-Palace-Hotels einfach um anderthalb Monate vorverlegt. Am Freitag nun wird Billie Jean King 70 Jahre alt.

Es ist anzunehmen, dass auch Serena Williams der Wahl-New-Yorkerin gratulieren wird. Die derzeit weltbeste Spielerin ist diejenige, die in den vergangenen Jahren mit am meisten von den guten Taten einer Billie Jean King profitierte. Besonders der engagierten Frauenrechtlerin ist es zu verdanken, dass Williams, Maria Scharapowa & Co. mittlerweile auch bei den Grand-Slam-Turnieren um das gleiche Preisgeld spielen wie die Männer.

"Billie Jean ist eine wahre Inspiration"

Serena Williams ("Billie Jean ist eine wahre Inspiration") beispielsweise kassierte vor gut zwei Monaten für ihren Sieg bei den US Open 1,6 Millionen Dollar - dazu kam ein Bonus von einer weiteren Million Dollar. Die 32-Jährige hat die Preisgeld-Schallmauer von 50 Millionen Dollar längst geknackt. "Jede von uns sollte Billie Jean die Hand schütteln und sich immer wieder bedanken. Sie hat uns durch ihren unermüdlichen Einsatz reichlich Geld beschert und vielen Sportlerinnen ein lebenslanges Auskommen gesichert", sagte Chris Evert.

Die US-Ikone hält "Queen King", die in Wimbledon insgesamt 20 Titel einheimste, auch abseits der Grundlinien und Netze für die Sport-Pionierin schlechthin: "Tennis ist und war der Vorreiter für viele andere Sportarten, wenn es um die Gleichbehandlung von Frauen und Männern geht", meinte Evert: "Billie sei Dank."

Grundstein beim "Muttertags-Massaker" 1973

Ein Grundstein für die Revolution war dabei ausgerechnet das Muttertags-Massaker von 1973. Nachdem ihre Freundin Margaret Court einen Schaukampf gegen den dreifachen Wimbledonsieger Bobby Riggs verloren hatte, nahm Billie Jean King am 20. September 1973 eigenhändig süße Rache.

Im "Battle of the Sexes" vor 30.472 Zuschauern in Houston/Texas bezwang die damals 29 Jahre alte Nummer eins der Welt "Macho" Riggs (55) mit 6:4, 6:3, 6:3. Und noch viel wichtiger: Sie erteilte ihm eine Lektion und verhalf den Frauen im Sport zu mehr Anerkennung. "Dieses Match war eine ideale Plattform für mich, um für die Gleichberechtigung zu kämpfen. Es war ein geschichtsträchtiger Moment", meinte die am 22. November 1943 in Long Beach als Billie Jean Moffitt geborene Ausnahmespielerin.

Geschlechter-Schlacht ging an King

Die Geschlechter-Schlacht im Astrodome verfolgte damals auch Elton John - in einem Hotel in Los Angeles vor dem Fernseher. "Alle Männer, die ich kannte, wollten einen Sieg für Billie Jean, weil Riggs so arrogant war", sagte der britische Rocksänger, mit dem King seit 40 Jahren eng befreundet ist. Beide engagieren sich unter anderem für die Aids-Hilfe. Auf der Geburstagsparty in Las Vegas widmete Elton John der "einzigartigen Billie" etliche Lieder.

Die eher unauffällige Frau mit der Brille war 1970 eine der Gründerinnen der Womens Tennis Association (WTA), die sie zweimal ebenso wie den US-Verband USTA als Präsidentin anführte. Nachdem sie 1981 von einer Ex-Freundin auf Unterhaltszahlung verklagt wurde und sich daraufhin öffentlich zu ihrer Bisexualität bekannte, wurde Billie Jean King auch zu einer Ikone der Lesben- und Schwulenbewegung in den USA.

Auch US-Präsident Barack Obama hatte einst ein Auge auf sie geworfen. "Er hat mich vor langer Zeit auf Hawaii einmal beim Training beobachtet. Gesagt hat er mir das aber erst jetzt", berichtete Billie Jean King schmunzelnd.