Als am Sonntagnachmittag die letzten Bälle über die Netze flogen, war die Stimmung auf der Anlage des MTC Germania 1926 ziemlich eindeutig. Dieses Turnier sollte eine Fortsetzung bekommen. Zwei Tage Doppeltennis, sommerliche Temperaturen um 25 Grad, zahlreiche enge Entscheidungen und eine tolle Atmosphäre auf und neben den Plätzen machten die ersten eigenständigen Doppel-Landesmeisterschaften des Tennisverbandes Sachsen-Anhalt zu einer gelungenen Premiere.
Die Idee für eine eigene Landesmeisterschaft im Doppel war im TSA schon seit längerer Zeit gereift. Zwar gehörten Doppelkonkurrenzen auch in der Vergangenheit immer wieder zu den Landesmeisterschaften in den verschiedenen Altersklassen des TSA, ein eigenständiges Meisterschaftswochenende hatte es bislang jedoch nicht gegeben. Schon im vergangenen Jahr gab es Überlegungen für ein entsprechendes Format, zu einer Umsetzung kam es damals allerdings noch nicht. 2026 war es nun so weit: Beim MTC Germania 1926 in Magdeburg gingen 48 Doppelpaare in sieben Konkurrenzen an den Start.
„Wir wollten dem Doppel ganz bewusst eine eigene Bühne geben. Die Resonanz und vor allem die Atmosphäre an diesem Wochenende haben gezeigt, dass die Idee funktioniert. Es gab viele enge Matches, die Spielerinnen und Spieler hatten sichtbar Spaß und deshalb ist für uns klar, dass wir dieses Turnier im kommenden Jahr fortsetzen“, zieht Oliver Brandt, Vizepräsident Wettkampfsport im TSA, ein positives Fazit.
Und auch sportlich lieferte die Premiere reichlich Argumente für eine Wiederholung. 58 Begegnungen wurden ausgespielt, 18 davon und damit rund 31 Prozent gingen über die volle Distanz und wurden erst im Match-Tie-Break entschieden. Die angewandte No-Ad-Regelung sorgte zusätzlich dafür, dass einzelne Punkte immer wieder unmittelbare Bedeutung für den Ausgang eines Spiels bekamen. Gerade in den engen Konkurrenzen lagen Sieg und Niederlage häufig nur wenige Ballwechsel auseinander.
Herren: Edelmann-Nusser/Hesse in den entscheidenden Momenten nervenstark
In der stark besetzten Herrenkonkurrenz setzten sich Björn Edelmann-Nusser und Jonas Hesse durch. Das Duo blieb auf dem gesamten Weg zum Titel ohne Satzverlust und überzeugte gerade dann, wenn die Sätze enger wurden. Im Halbfinale behaupteten sie sich gegen die an Position drei gesetzten Ron Weber/Jannik Hesse mit 7:6, 6:2, ehe sie auch das Finale mit 6:4, 6:4 für sich entschieden.
Dort warteten mit Nils Krause/Tillmann Blechschmidt die Überraschung der Herrenkonkurrenz. Schon ihr Achtelfinale gegen Maximilian Engshuber/Ben Sparfeld hätte ihr Turnier beinahe beendet. Zwei Matchbälle mussten Krause/Blechschmidt abwehren, ehe sie sich mit 6:3, 3:6, 12:10 durchsetzen. Auch im Halbfinale gegen die an Position zwei gesetzten Daniel Ferl/Kevin Knuth behielten sie nach Satzrückstand die Nerven und gewannen 2:6, 6:4, 10:6. Auffällig war dabei, dass Krause/Blechschmidt immer dann die passende Antwort hatten, wenn ein Tie-Break oder Match-Tie-Break anstand. Erst im Endspiel stoppte ihr Lauf.
Die geteilten dritten Plätze gingen an Daniel Ferl/Kevin Knuth sowie Ron Weber/Jannik Hesse. In der Nebenrunde setzten sich Maximilian Engshuber/Ben Sparfeld durch.
Damen: 10 Punkte in Folge bringen Szyszkowitz/Carmesin den Titel
Bei den Damen führte der Weg zunächst über zwei Dreiergruppen in die anschließende Endrunde. Annika Edelmann-Nusser/Charlotte Wengrzik (beide MTV „Einheit“) sicherten sich den Sieg in Gruppe eins, während Raja Szyszkowitz/Vanessa-Lauren Carmesin (beide HTC Peißnitz) die zweite Gruppe ohne Niederlage für sich entschieden.
Im Halbfinale sorgten Szyszkowitz/Carmesin gegen die topgesetzten Esther Chioma Ngalome (TC Sandanger)/Anastasia Sizykh (HTC Peißnitz) für eine Überraschung und zogen mit 6:3, 6:2 ins Endspiel ein. Dort warteten Edelmann-Nusser/Wengrzik, die zuvor Charlotte Körner/Josephin Stallmann deutlich mit 6:0, 6:0 bezwungen hatten.
Das Finale entwickelte sich schließlich zu einer spannungsgeladenen Partie. Nach einem 3:6 im ersten Satz kämpften sich Szyszkowitz/Carmesin mit einem 6:3 zurück und erzwangen den Match-Tie-Break. Dort gerieten sie zunächst mit 0:2 in Rückstand, gaben danach aber keinen einzigen Punkt mehr ab. Zehn Punkte in Folge machten das 10:2 und damit den Landesmeistertitel perfekt.
Die geteilten dritten Plätze gingen an Esther Chioma Ngalome/Anastasia Sizykh sowie Charlotte Körner/Josephin Stallmann.
Herren 40: Endspiel mit viel Dramatik
Kaum eine Konkurrenz spiegelte den Charakter des Turniers so deutlich wider wie die Herren 40. Fünf der sieben tatsächlich ausgetragenen Begegnungen des Hauptfeldes wurden erst im Match-Tie-Break entschieden.
Bereits im Viertelfinale sorgten Sören Brauns/Matthias Hoberg für die erste Überraschung. Gegen die topgesetzten Carsten Zeihn/Michael Seeber setzten sie sich nach drei umkämpften Sätzen mit 6:2, 1:6, 10:6 durch. Auch die Nummer zwei der Setzliste überstand das Viertelfinale nicht: Jens Abel/Martin Wesseling bezwangen Sönke Dreier/Marian Krämer in einem Match-Tie-Break, der kaum enger hätte verlaufen können, mit 18:16.
Nach ebenfalls umkämpften Halbfinals folgte ein Endspiel, das dieser Konkurrenz den passenden Schlusspunkt setzte. Marcus Räbel/Wolf-Christian Vaross gewannen gegen Brauns/Hoberg den ersten Satz 7:5, mussten den zweiten aber mit 4:6 abgeben. Im Match-Tie-Break schien die Entscheidung beim Stand von 9:6 bereits gefallen. Insgesamt sechs Matchbälle konnten Räbel/Vaross jedoch nicht nutzen. Brauns/Hoberg blieben im Spiel und verwandelten schließlich ihren ersten eigenen Matchball zum 14:12 und zum Landesmeistertitel.
Die geteilten dritten Plätze gingen an Thomas Maertens/Wojciech Sawicki und Jens Abel/Martin Wesseling. Die Nebenrunde gewannen Sönke Dreier/Marian Krämer.
Damen 40: Kraus/Fiebig drehen den entscheidenden Match-Tie-Break
Drei Paarungen spielten bei den Damen 40 im Modus „Jede gegen jede“ um den Titel. Nach deutlichen Auftaktsiegen gegen Cornelia Richter/Kristina Krömer kam es zwischen Yvonne Kraus (Blankenburger TC)/Sabine Fiebig (SV Thale) und Katja Krebs/Heike Hesse (beide Biederitzer TC) zum entscheidenden Duell.
Schon der erste Satz war eng und ging mit 7:6 an Kraus/Fiebig. Krebs/Hesse antworteten und holten den zweiten Durchgang mit 6:1. Auch im Match-Tie-Break sah es beim Stand von 6:3 für Krebs/Hesse zunächst nach dem besseren Ende für die Biederitzerinnen aus. Danach gelang ihnen allerdings kein Punkt mehr: Kraus/Fiebig holten sieben Zähler in Folge und machten mit 10:6 den Titel perfekt.
Mixed: Weber/Wengrzik setzen sich im Finale der topgesetzten Doppelpaarungen durch
Auch das Mixed war qualitativ stark besetzt. Gleich mehrere Spielerinnen und Spieler verfügten über einstellige Leistungsklassen, sodass bereits auf dem Weg ins Finale anspruchsvolle Begegnungen warteten. Am Ende bestätigten die beiden topgesetzten Paarungen ihre Positionen.
Charlotte Wengrzik/Ron Weber blieben dabei über das gesamte Turnier ohne Satzverlust. Nach einem 6:4, 6:2 gegen Annika und Björn Edelmann-Nusser im Halbfinale warteten im Endspiel die topgesetzten Daniel Ferl/Esther Chioma Ngalome. Auch dort überzeugten Wengrzik/Weber und sicherten sich mit 6:2, 6:4 den Landesmeistertitel.
Die geteilten dritten Plätze gingen an Annika/Björn Edelmann-Nusser sowie Marc-Andre Fiedler/Katalin Soppart. In der Nebenrunde kamen Marcus Räbel/Charlotte Körner kampflos zum Turniersieg.
Mixed 40: Kraus/Günther ohne Satzverlust zum Titel
Auch im Mixed 40 wurde im Gruppenmodus gespielt und hier gab es an Yvonne Kraus/Christian Günther (beide Blankenburger TC) kein Vorbeikommen. Drei Begegnungen, drei Siege und kein verlorener Satz lautete die makellose Bilanz des topgesetzten Duos. Mit 6:0, 6:2, 6:1, 6:2 sowie 6:0, 6:4 unterstrichen sie ihre starke Vorstellung in dieser Konkurrenz.
Den zweiten Platz sicherten sich Micolete Veigel/Joao Tavares Ie (beide TC Halle Böllberg 53) mit zwei Siegen. Ihr Schlüsselmatch gegen Georg Neugebauer/Julia Rosenkranz entschieden sie nach Satzrückstand mit 4:6, 6:4, 10:7 für sich. Auf Rang drei folgten Sabine und Silvio Fiebig vom SV Thale.
Für Yvonne Kraus bedeutete der Erfolg zugleich einen besonderen persönlichen Abschluss: Nach ihrem Triumph im Damen-40-Doppel durfte sie sich als zweifache Doppel-Landesmeisterin 2026 feiern lassen.
Mixed 55: Wesseling/John lassen nichts anbrennen
Fünf Paarungen, zehn Begegnungen und gleich fünf Entscheidungen im Match-Tie-Break: Auch das Mixed 55 bot im Modus „Jede gegen jede“ reichlich Spannung. Eine Paarung entzog sich diesem Trend allerdings konsequent. Martin Wesseling/Martina John (beide MTC Germania 1926) gewannen alle vier Begegnungen in zwei Sätzen und beendeten die Konkurrenz mit einer beeindruckenden Bilanz von 8:0 Sätzen und 48:9 Spielen.
Dahinter wurde es deutlich enger. Jörn Kruse/Christiane Hannemann (beide MTC Germania 1926) holten drei Siege und mussten dabei zweimal über den Match-Tie-Break gehen. Rang drei ging an Carola Kolouschek/Martin Richter (beide TC Rotehorn Magdeburg). Gleich drei ihrer vier Begegnungen gingen über die volle Distanz, zwei davon entschieden sie für sich.
Eine Premiere mit Zukunft
Am Ende waren es nicht allein die Ergebnisse, die von diesem Turnier hängen blieben. Die vielen engen Begegnungen, das gemeinsame Doppel-Erlebnis und die tolle Atmosphäre auf der Anlage zeigten vor allem eines: Es hat sich gelohnt, die Idee einer eigenständigen Doppel-Landesmeisterschaft nun endlich in die Tat umzusetzen. Die Premiere machte deutlich, dass das neue Format bei den Spielerinnen und Spielern auf große Zustimmung stieß.
„Für uns war natürlich entscheidend, wie das Turnier von den Spielerinnen und Spielern angenommen wird. Wenn man nach zwei Tagen von vielen hört, dass wir das im nächsten Jahr unbedingt wieder machen sollen, ist das wahrscheinlich das schönste Fazit für eine Premiere. Mein Dank gilt dem MTC Germania und allen, die an diesem Wochenende mit angepackt haben“, sagt TSA-Geschäftsführer Maximilian Pefestorff.
Ein besonderer Dank gilt dem MTC Germania 1926 als Gastgeber der ersten eigenständigen TSA-Doppel-Landesmeisterschaften sowie allen Helferinnen und Helfern, die auf und neben den Plätzen zum Gelingen des Turniers beitrugen. Bei spätsommerlichem Wetter und Temperaturen um 25 Grad bot die Anlage in Magdeburg beste Bedingungen für zwei intensive Turniertage.
Und nach der gelungenen Premiere steht schon jetzt fest. Auch 2027 sollen im TSA wieder eigenständige Doppel-Landesmeisterschaften ausgetragen werden.
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