Für Tom Gentzsch ist der Bann gebrochen: Nach drei verlorenen Endspielen in diesem Jahr verwandelte der geborene Duisburger seine vierte Finalchance in den ersten Titel auf Challenger-Ebene. Vor rund 1000 Zuschauern auf dem ausverkauften Center Court des TC Rot-Weiß Hagen setzte sich Gentzsch nach 1:40 Stunden gegen Jérôme Kym durch. Das Sandplatzturnier wurde in diesem Jahr erstmals als Challenger 100 ausgetragen – der Sieger erhielt 100 Punkte für die ATP-Weltrangliste. Gentzsch tritt mit seinem Erfolg in die Fußstapfen seines Bredeneyer Teamkollegen Yannick Hanfmann, der sich den Titel im Vorjahr gesichert hatte.

Nervenstark nach Rückstand im Tiebreak

Gentzsch erwischte den besseren Start in das Endspiel und sicherte sich früh das erste Break. Mit seinen druckvollen Grundschlägen und starken Returns zwang er Kym immer wieder in längere Ballwechsel und entschied den ersten Durchgang mit 6:4 für sich. Für den Schweizer war es der erste Satzverlust während der gesamten Turnierwoche.

Im zweiten Satz geriet Gentzsch zunächst mit einem Break in Rückstand, kämpfte sich aber zurück. Beim Stand von 5:4 erspielte er sich seinen ersten Matchball, den Kym noch abwehren konnte. Die Entscheidung fiel im Tiebreak – und auch dort musste Gentzsch zunächst einem 0:3 hinterherlaufen. Der Spieler des TC Bredeney blieb jedoch ruhig, gewann sieben der folgenden acht Punkte und machte mit 7:4 den größten Titel seiner bisherigen Laufbahn perfekt.

„Da sind ein Haufen Steine abgefallen“, sagte Gentzsch anschließend sichtlich erleichtert. Die Arbeit über viele Jahre mit guten und schwierigen Tagen habe sich nun ausgezahlt, erklärte er bei der Siegerehrung. Sein Team, seine Familie und zahlreiche Freunde hatten den 22-Jährigen in Hagen vor Ort unterstützt. 

Tom Gentzsch im Siegerinterview bei den Platzmann Open in Hagen

Zitat von Tom Gentzsch

Nach dem Turniersieg

„Da muss ich erstmal einen Dank an meinen Trainer und meinen Papa ganz besonders aussprechen. Mein Papa vor allem, der jeden Tag Stunden für mich arbeitet, alles gibt, immer da ist, wenn ich irgendetwas brauche und mich unterstützt. […] Vielen Dank.“

Tom Gentzsch
Sieger der Platzmann Open 2026

Fünf Siege auf dem Weg zum Titel

Gentzsch war ungesetzt in das stark besetzte Hauptfeld gestartet. Bereits in der ersten Runde musste er gegen den früheren Top-70-Spieler Thiago Monteiro ran. Nach fast drei Stunden setzte er sich mit 6:3, 6:7(5), 6:4 durch.

Im Achtelfinale folgte ein 6:1, 1:6, 6:1 gegen Chun-Hsin Tseng. Von diesem Zeitpunkt an gab Gentzsch keinen weiteren Satz mehr ab. Im Viertelfinale gewann er das deutsche Duell gegen Henri Squire mit 6:3, 7:6(5). Anschließend bezwang er im Halbfinale den an Position drei gesetzten Ungarn Zsombor Piros mit 6:4, 6:4. Insgesamt schlug er während des Turniers 35 Asse – mehr als jeder andere Spieler im Feld.

Innerhalb weniger Monate von Rang 251 auf 145

Der Titelgewinn unterstreicht eine rasante Entwicklung. Im Februar hatte er in Koblenz erstmals das Finale eines Challenger-Turniers erreicht und sich anschließend auf Weltranglistenplatz 251 verbessert. Wenige Wochen später folgte in Split das nächste Endspiel und der Sprung auf Rang 228.

Mit seinem dritten Challenger-Finale im niederländischen Bunschoten zog Gentzsch im Juli als Nummer 189 erstmals in die Top 200 ein. Vor den Platzmann Open wurde er auf Position 185 geführt. Die 100 Punkte für den Turniersieg bringen ihn nun bis auf Rang 145 – ein Sprung um 40 Plätze und zugleich ein weiteres Karrierehoch. Erstmals gehört Gentzsch damit zu den besten 150 Tennisspielern der Welt.

Den Grundstein für diesen Aufstieg hatte der Bundesligaspieler des TC Bredeney bereits 2025 gelegt. Damals gewann er vier Turniere auf der ITF World Tennis Tour in Båstad, Ystad, Kotka und Überlingen. In Hagen ist ihm jetzt auch auf der nächsthöheren Turnierebene der endgültige Durchbruch gelungen. Gut sechs Monate nach seinem ersten Challenger-Finale hält Tom Gentzsch seinen ersten Challenger-Siegerpokal in den Händen.

   

   

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