Yannick, das Duell zwischen Deutschland und Peru in Düsseldorf am 6. und 7. Februar wird dein erstes Davis Cup-Heimspiel sein, in dem du gute Chancen auf einen Einsatz hast. Was erwartest du von den kommenden Tagen?

Ich durfte schon 2022 in Hamburg ein Davis Cup-Heimspiel miterleben, habe aber kein Match gespielt. Schon da habe ich mitbekommen, wie umwerfend es ist, vor heimischer Kulisse für Deutschland zu spielen. Es ist ein Unterschied, vor deutlich mehr deutschen Fans als in Tokio, Litauen oder Bosnien aufzulaufen. Ein paar Freunde und Familie von mir werden vor Ort sein, was auch bedeutet, dass ein paar mehr Nerven und Emotionen im Spiel sind. Das sehe ich aber als etwas Schönes. Ich habe mir die Halle gerade angeschaut. Sie ist klein, aber kompakt. Ich denke, da kann eine mitreißende Atmosphäre entstehen. Ich freue mich riesig auf das Heimspiel.

Hier passen gut 3000 Menschen rein. Wie viele Freunde und Familie werden von dir vor Ort sein?

Das weiß ich noch nicht genau. Meine Eltern kommen auf jeden Fall und vielleicht noch ein paar Freunde.


Bedeutet das für dich mehr Druck oder beflügelt es dich eher, wenn du viele deutsche Fans im Rücken hast?

Es wird darauf ankommen, wie das Spiel verläuft. Wir haben am Wochenende eine große Chance, das ist klar. Auch wenn ich mein erstes Spiel vielleicht gegen Ignacio Buse spielen werde, der im ATP-Ranking ähnlich platziert ist wie ich. Einerseits spüre ich einen gewissen Druck, aber andererseits kann mich das in meinem Match auch beflügeln, wenn die Leistung stimmt und das Publikum mitzieht. Das kann echt cool werden.


Das Team hat sich gestern das erste Mal wiedergetroffen. Wie fühlt es sich an, in der deutschen Davis Cup-Mannschaft zusammenzukommen?

Es fühlt sich so an, als hätten wir uns erst gestern in Bologna gesehen. Die Zeit verging wie im Flug. Der Tenniskalender ist voll und alles geht sehr schnell. Die Davis Cup-Wochen sind sehr intensiv. Wir sind ein eingespieltes Team und kennen uns schon sehr lange. Das ist großartig, weil wir als Tennisspieler meistens nur mit dem eigenen Team unterwegs sind, was etwas eintöniger im Vergleich zu den Davis Cup-Wochen ist. 
Es ist besonders, in ein Team zu kommen, in dem ich mich so wohl fühle und dann gemeinsam für Deutschland zu spielen. 


Justin Engel ist zum zweiten Mal dabei. Er ist deutlich jünger als die anderen Spieler. Wird er von euch besonders an die Hand genommen und wie hat er sich im Team eingelebt?

Justin war zum ersten Mal in Tokio dabei. Weil Justin in München trainiert, kennt er Kevin Krawietz ganz gut. Wir kennen ihn mittlerweile aber alle, auch weil wir uns an den DTB-Bundesstützpunkten zwangsläufig über den Weg laufen. Er ist ein echt guter Spieler. Man hat ihm in Tokio angemerkt, dass alles ein bisschen neu für ihn war. Er ist aber total in dieser Rolle aufgegangen. Dass er in so jungen Jahren schon für Deutschland gespielt hat, ist etwas Außergewöhnliches. Solche Spieler sind dann in ein paar Jahren die, die das Team tragen werden. 

 


Du warst im Davis Cup öfter auch der fünfte Mann, der nicht für ein Einzel gesetzt war. Wie siehst du deine Rolle im Team? 

Ich bin so, wie ich bin. Ich denke nicht, dass ich im Davis Cup etwas anders machen würde, nur weil ich zweiter oder dritter Mann bin. Ich kenne die Jungs schon ewig lang. Wir wissen, woran wir sind, und genießen unsere Gesellschaft. Ob ich spiele oder nicht – ich gebe immer mein Bestes und wenn Kohlmann mich braucht, bin ich sofort zur Stelle. Ich tue alles dafür, dem Team zu helfen und am Ende zu gewinnen. Über allem steht für mich, dass wir als Team erfolgreich sind. 


Seit einem halben Jahr trainierst du abseits vom Davis Cup Team mit einem neuen Trainer, Petar Popovic. Was hat sich bei dir und deinem Spiel seitdem verändert?

Am meisten habe ich den Aufschlag verändert. Wir haben die Technik bei meiner Auftaktbewegung angepasst. Seitdem habe ich viel besser serviert, vor allem auch auf Indoor-Hartplätzen. Das war vorher ein wenig meine Schwäche. Normalerweise hole ich meine Punkte eher in der Sandsaison. Ich habe aber vor allem gegen Ende der letzten Saison gut gespielt, was sonst nicht unbedingt der Fall war.


Die Voraussetzungen für das Heimspiel hier in Düsseldorf könnten also nicht besser sein. Was erwartest du jetzt, wenn du am Freitag und am Samstag hier aufschlägst? Wie geht das am Ende aus?

Ich gehe davon aus, dass wir das Ding gewinnen. Es wird wichtig, die richtige Balance zu finden – zwischen der Freude, vor heimischem Publikum zu spielen, und dem Umgang mit dem zusätzlichen Druck. Ich weiß, dass das Team hinter mir steht. Sie und die Fans werden mich voll supporten und dann wird am Ende etwas Gutes dabei rauskommen.

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