Mit der Mitgliederversammlung des Badischen Tennisverbandes im Oktober wurde ein weiterer Meilenstein in Richtung eines verbandsübergreifenden Spielbetriebs von BTV und WTB gesetzt. Zahlreiche Änderungen an der Wettspielordnung wurden beschlossen, andere bewusst vertagt. Im Interview sprechen Bernd Greiner (BTV) und Klaus Berner (WTB) über den aktuellen Stand, zentrale Beschlüsse, offene Punkte und die nächsten Schritte.

Herr Greiner, mit den Entscheidungen auf der BTV-Mitgliederversammlung im Oktober wurden zentrale Weichen für den angestrebten Baden-Württemberg-Spielbetrieb gestellt – wie fällt Ihr Fazit aus?

Bernd Greiner: Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf und den Ergebnissen der Versammlung! Wir hatten uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht, welche Änderungen und Angleichungen an unserer Wettspielordnung entweder Verbesserungen darstellen, für den normalen Spielbetrieb keine große Rolle spielen oder für einige Vereine möglicherweise problematisch sein könnten. Für diese Vorüberlegungen waren uns die vielen durchgeführten Regionalmeetings und unsere Umfrage zu dem Themenkomplex im Frühsommer eine große Hilfe. Entsprechend hatten wir die Anträge vorsortiert, um den Abstimmungsprozess zu vereinfachen. Die getroffene Vorauswahl hat sich als goldrichtig erwiesen: Die als unkritisch eingestuften Änderungen wurden mit überwältigender Mehrheit angenommen, die „spannenderen“ Themen sehr kritisch diskutiert und teilweise auch abgelehnt.

Was für mich persönlich aber noch wichtiger war: Als eine kritische Stimme zum verbandsübergreifenden Spielbetrieb nach dem Motto „Was bringt mir das eigentlich?“ laut wurde, meldeten sich mehrere Vereine aus dem Grenzbereich von Baden und Württemberg zu Wort und machten sehr deutlich, dass sie das Vorhaben ausdrücklich begrüßen und auf die Umsetzung warten. Das hat uns sehr gefreut und unsere Überzeugung gestärkt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Geben Sie uns einen Überblick: Welche Anträge wurden konkret angenommen, welche abgelehnt? Gab es Entscheidungen, die Sie überrascht haben?

Bernd Greiner: Es wurden zahlreiche Änderungen angenommen, die – wie bereits erwähnt – entweder keine große praktische Relevanz haben oder klare Verbesserungen darstellen. So dürfen Jugendliche ab dem Inkrafttreten der neuen Regelungen am 1. Oktober 2026 unbegrenzt in mehreren Mannschaften gemeldet werden. Auch die Anzahl der Rechtsinstanzen wurde reduziert, von bisher drei auf künftig zwei.

Abgelehnt wurde beispielsweise ein Antrag zur Regelung von „Unentschieden“: m WTB wird bei einem 3:3 in Vierer-Mannschaften stets ein Sieger oder eine Siegerin durch das Auszählen von mehr gewonnenen Sätzen, Spielen etc. ermittelt. Im BTV – wie auch beim DTB und in fast allen anderen Landesverbänden – gilt ein 3:3 hingegen als Unentschieden. Um hier eine gemeinsame Linie für Baden und Württemberg zu finden, hatten wir einen Kompromissvorschlag ausgearbeitet. Dieser fand jedoch keine Mehrheit. Die Versammlung sprach sich dafür aus, bei der in ganz Deutschland überwiegend angewandten Regelung zu bleiben.

Überrascht hat mich ganz persönlich die Zustimmung zu einer neuen Einschränkung beim Einsatz von Spieler:innen, die für Regionalliga-Mannschaften gemeldet und eingesetzt werden. Diese dürfen künftig nur noch eingeschränkt auch auf Verbands- und Bezirksebene zum Einsatz kommen. In einer Phase, in der wir grundsätzlich mehr Flexibilität und Vereinfachung schaffen wollen, wirkt eine solche Regelung aus meiner Sicht eher etwas aus der Zeit gefallen. Gemäß der mit dem WTB gemeinsam vereinbarten Angleichungen haben wir den Antrag aber selbstverständlich wie besprochen gestellt und er fand tatsächlich eine denkbar knappe Mehrheit, getragen vorwiegend von vielen kleinen Vereinen.

Herr Berner, der WTB hatte sein „Go“ bereits im Frühjahr im Rahmen der WTB-Delegiertenversammlung gegeben, dann begann das Warten auf den BTV. Wie war Ihre Erwartungshaltung im Vorfeld der BTV-Mitgliederversammlung: zuversichtlich oder angespannt?

Klaus Berner: Gemischt. Der verbandsübergreifende Spielbetrieb ist differenziert zu betrachten. Für manche Vereine, sowohl in Württemberg als auch in Baden, ändert sich nichts Wesentliches. Für andere Vereine ist das eine spürbare Verbesserung. Alle, die in Grenzregionen zuhause sind – und davon gibt es aufgrund der „nicht mit dem Lineal gezogenen“ historischen Grenzen mehr als man denkt – haben nun die Möglichkeit, „regional“ zu spielen.

In einigen Altersklassen ist das Leistungsniveau im oberen Bereich auf wenige Mannschaften innerhalb des jeweiligen Landesverbands begrenzt. Diese Teams freuen sich sehr darauf, sich durch den Zusammenschluss künftig leistungsgerechter messen zu können. Andere wiederum begrüßen die Chance, auf neue Gegner:innen zu treffen und so deren Anlagen, Regionen und Sportler:innen kennenzulernen.

Was mich besonders freut, ist, dass durchaus zahlreiche badische Mannschaften Gespräche mit mir gesucht haben. Das spricht für ein großes Interesse am verbandsübergreifenden Spielbetrieb. Ich war also zuversichtlich und angespannt zugleich. Bei einer Mitgliederversammlung ist immer entscheidend, dass zahlreiche Vereinsverantwortliche teilnehmen und ein intensiver Austausch stattfindet. Die Mitglieder des WTB hatten bei der letzten Delegiertenversammlung deutlich den Wunsch geäußert, den Spielbetrieb mit Baden weiterzuentwickeln. Umso mehr freue ich mich, dass dieser Wunsch nun auch auf badischer Seite geteilt wird.

Da nicht alle Anträge durchgingen, bleiben Unterschiede in den Wettspielordnungen beider Verbände bestehen. Was bedeutet das für das weitere Vorgehen?

Klaus Berner: Wir hatten im vergangenen Jahr bei unserem gemeinsamen Workshop in Pforzheim einen sehr konstruktiven Austausch. Die gemeinsame Erkenntnis, dass wir durch eine Angleichung der Regularien unseren bisherigen Spielbetrieb sichtbar modernisieren und letztlich verbessern können, war dabei besonders wertvoll. Diesen Weg werden wir konsequent fortsetzen und die noch offenen Punkte abarbeiten. Für mich ist klar: Jedes einzelne Mitglied im WTB und BTV wird mitgenommen und informiert. Im Vorgehen und den Ergebnissen. Dafür setzen wir auf eine transparente und offene Kommunikation über alle Kanäle hinweg.

Herr Greiner, nehmen Sie uns bitte mit in den Fahrplan für die kommenden Wochen und Monate: Welche Schritte sind notwendig und für wann sind diese konkret geplant?

Bernd Greiner: Genau mit dieser Fragestellung sind wir aktuell befasst! Wir haben einen ersten Besprechungstermin im Dezember mit unseren zuständigen Mitarbeitenden im Hauptamt, den Mitgliedern des badischen Kompetenzteams „Spielbetrieb“ und den württembergischen Pendants vereinbart. Ziel ist es, die noch offenen bzw. abweichenden Punkte in den Wettspielordnungen zu besprechen und einen verbindlichen Fahrplan für die nächsten Schritte zu verabschieden.

Derzeit liegt der Ball bei den Verbänden. Im Frühjahr folgen weitere Abstimmungen mit den WTB-Vereinen, später erneut mit den Clubs im BTV. Herr Berner, Herr Greiner, wie groß ist Ihre Sorge, dass sich der Prozess in eine Endlosschleife aus Diskussionen und Nachjustierungen entwickelt?

Bernd Greiner: Ich bin da extrem optimistisch. Sowohl aus den Präsidien als auch aus den Vereinen beider Verbände ist der klare Auftrag formuliert, das Projekt voranzutreiben. Insofern ist für alle Beteiligten ein positiver Druck entstanden, diese Endlosschleife zu vermeiden und schnellstmöglich alle Nachjustierungen abzuschließen.

Klaus Berner: Ich verspüre den Wunsch der Mehrheit der Mitglieder, den Prozess abzuschließen. Es ist ein großes Vorhaben. Wichtig zu wissen ist, dass es nach dem Start des verbandsübergreifenden Spielbetriebs selbstverständlich auch eine Phase des Lernens geben wird. Dann kommt es auf die richtigen Nachjustierungen an. Aber da bin ich zuversichtlich, denn eine kontinuierliche Weiterentwicklung gehört zur DNA beider Verbände. Immer mit dem Ziel, den Spielbetrieb für unsere Mitglieder bestmöglich und zeitgemäß zu gestalten.

Vorausgesetzt, alle weiteren Schritte verlaufen planmäßig: Wann kann der verbandsübergreifende Spielbetrieb dann in seine Premierensaison starten?

Klaus Berner:  Noch im Dezember werden wir mit Bezirks- und Vereinsverantwortlichen beider Verbände offene Fragen klären. Diese fließen dann mit hoher Priorität in die weitere Bearbeitung im Hauptamt ein. Unser Ziel ist es, das fertige Konzept „Verbandsübergreifender Spielbetrieb“ bereits vor der Delegiertenversammlung des WTB im Mai vorstellen und verabschieden zu können. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Premiere in der Sommersaison 2027 feiern können.

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