Schnell entwickelte sich das mit 56.700 Euro dotierte Hartplatzevent zum Festival der deutschen Tennis Cracks. 13 DTB-Akteure waren im Hauptfeld des Einzelwettbewerbs im Einsatz, drei schafften es unter die letzten vier und mit Tom Gentzsch einer ins Endspiel.

Kotov ringt Gentzsch nieder

Dieser musste sich schließlich in einem hoch emotionalen und dramatischen Finish am Sonntagnachmittag dem Russen Pavel Kotov geschlagen geben. In einem mit vielen hochkarätigen, teils spektakulären Ballwechseln gespickten Endspiels setzte sich die ehemalige Nummer 50 der Welt mit 6:4, 1:6, 7:6(8) nach zwei Stunden und 46 Minuten Spielzeit durch.

Dabei schien Gentzsch nach verlorenem ersten Durchgang mit seinen Stärken in der Offensive, aber auch unterstützt durch großartige Defensivarbeit, den Code des Moskowiters mit dem ersten Break im zweiten Spiel des zweiten Satzes geknackt zu haben. Der 22-jährige Duisburger ging mit einem weiteren Break im dritten Satz in Führung, hatte zwei Matchbälle im Tie-Break – doch am Ende sollte es nicht sein.

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es war eine unglaubliche Stimmung heute in der Halle mit vielen Fans und meiner Familie vor Ort. Leider mit einem bitteren Ende, aber weiter geht’s“, lautete am Ende die positive Parole des Lokalmatadors, der in seinem ersten Finale auf der Challenger Tour stand.

Gentzsch, der am Bundesstützpunkt in Kamen unter der Regie von DTB-Coach Jan Velthuis trainiert, gewann vier seiner insgesamt sieben Titel auf der ITF World Tennis Tour im vergangenen Jahr. In Koblenz ist ihm nun einer weiterer wichtiger Schritt nach vorne gelungen.

„Ich habe in dieser Saison bereits zwei Viertelfinals gespielt und stand letztes Jahr im Halbfinale des Challengers in Genua. Ein Endspiel nun in Deutschland erreicht zu haben, ist natürlich etwas Besonderes.“

Am Ende durfte sich Gentzsch über einen Scheck über 4.960 Euro sowie wertvolle 30 ATP-Weltranglistenpunkte freuen, die ihn zum ersten Mal unter die Top 250 der Welt spülen werden.

Kotov, der seinen vierten Triumph auf der Challenger Tour erring, durfte ein Preisgeld von 8.550 Euro und 50 ATP-Weltranglistenpunkten mitnehmen.

„Ich hatte in der vergangenen Saison mit einer Handgelenksverletzung zu kämpfen gehabt und bin nun wieder fit“, verriet Kotov und schickte hinterher: „Ich stand bereits 2019 im Halbfinale von Koblenz, aber die Mission ist erst mit dem heutigen Erfolg beendet.“

Schönhaus erreicht erstes Challenger Halbfinale

Auch für Max Schönhaus, der zum ersten Mal im Halbfinale eines ATP Challenger Turniers stand, und am Samstag an Kotov in zwei Sätzen scheiterte, war es eine positive Woche. Ein Aufschlagverlust zu Beginn des Matches sowie im ersten Spiel des zweiten Durchgangs wurden dem 18-jährigen aus Soest zum Verhängnis.

Trotz der Niederlage konnte Schönhaus auf eine positive Turnierwoche in der Schängel-Stadt zurückblicken.

„Ich kann mit der Woche hier sehr zufrieden sein,“ gab die ehemalige Nummer zwei der Juniorenweltrangliste zu Protokoll. „Es freut mich sehr mir diesen kleinen Meilenstein auf diesem Level erspielt zu haben. Ich bin gespannt, was ich dieses Jahr noch erreichen kann. Es zeigt auch, dass die Dinge, an denen wir arbeiten die richtigen sind.“

Im Live-Ranking rangiert Schönhaus nun auf Position 538, was einer neuen persönlichen Höchstplatzierung in der ATP-Weltrangliste entspricht.

Koblenz Tennis Open setzen Farbtupfer

Auch farblich setzte das Turnier ein Ausrufezeichen. Anstelle des inzwischen dominierenden blauen Untergrunds wurde bei den Koblenz Tennis Open auf einem orange-roten Rebound Ace Belag gespielt.

„Die Plätze hier sind – abgesehen von der Farbe - sowieso speziell, da sie im Vergleich zu anderen Challenger Events jedes Jahr neu gemacht werden“, erklärte Schönhaus. „Ich finde die Farbe tatsächlich sehr cool, auch wenn man im Livestream manchmal etwas Probleme hat den Ball zu verfolgen. Für uns auf den Platz macht das jedoch keinen Unterschied.“

Positive Premiere für neue Veranstalter

Zum insgesamt achten Mal war die Challenger Tour zu Gast in Koblenz, in diesem Jahr von einem neuen Veranstalter ausgetragen. Die Turnierdirektorinnen Birgit Bach und Johanna Strelow zogen am Ende ein positives Fazit ihrer Premierenveranstaltung.

„Wir fühlen uns sehr wohl in Koblenz. Trotz der Kurzfristigkeit der Turnierplanung sind wir sehr froh mit dem Ergebnis. Wir haben vor genau acht Wochen die Austragung des Turniers übernommen und uns bewusst für ein neues Branding unter dem Namen ‚Koblenz Tennis Open‘ entschieden“, erklärte Strelow, die wie ihre Kollegin aus Leipzig stammt.

„Wir hatten hier keine bestehenden Partner oder Verträge im Vorfeld, aber die Stadt wollte das Turnier unbedingt halten, und daraufhin haben wir die Mammutaufgabe angenommen. Seit dem 1. Dezember haben wir mit den Vorbereitungen begonnen. Wir wurden hier gut unterstützt und fühlen uns inzwischen sehr heimisch.“

Ob die Koblenz Tennis Open in dieser Konstellation auch im Jahr 2027 wieder stattfinden werden, steht allerdings noch in den Sternen. „Wir fänden es sehr schön, wieder hier zu sein“, verriet Strelow. „Wir haben bereits viele Learnings ziehen können und sehen bei mehr Vorbereitungszeit auch viel Potenzial. Am Ende ist es aber auch eine wirtschaftliche Entscheidung. Daher können wir an dieser Stelle noch keine Auskunft geben – außer, dass es schade wäre, wenn es nicht weitergehen sollte.“

Insgesamt stehen in dieser Saison sieben ATP Challenger Events auf dem deutschen Turnierkalender. Das nächste findet mit der 12. Ausgabe des Neckarcups vom 1. bis 7. Juni in Bad Rappenau statt.

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