Wie lassen sich ehrenamtliche Strukturen entlasten, neue Mitglieder gewinnen oder zusätzliche Zielgruppen erreichen? Die für den BTV-Wettbewerb eingereichten Projekte 2026 greifen zentrale Herausforderungen der Vereine auf: Sie vereinfachen organisatorische Abläufe, schaffen neue Sport- und Trainingsangebote, fördern Kinder und Jugendliche und erleichtern Interessierten den Einstieg in den Tennissport. Zugleich stärken sie das Ehrenamt, die Gemeinschaft und die Zusammenarbeit über Vereinsgrenzen hinweg.
Gerade diese thematische Vielfalt zeichnet die Bewerbungen aus. „Die eingereichten Konzepte zeigen, wie gezielt unsere Vereine auf aktuelle Herausforderungen reagieren. Sie entwickeln passende Lösungen für die eigene Vereinsarbeit und geben zugleich anderen Clubs Impulse, neue Ideen aufzugreifen und auf die eigenen Strukturen zu übertragen“, sagt Pascal Bender, Leiter des Referats Sportentwicklung und Breitensport in der BTV-Geschäftsstelle.
Insgesamt zehn Vereine wurden für ihre Konzepte mit einem Preisgeld ausgezeichnet. Die drei Erstplatzierten präsentierten ihre Projekte im Rahmen der BTV-Mitgliederversammlung am 17. Oktober. Den mit 1.000 Euro dotierten ersten Platz sicherte sich der TC Vimbuch. Mit ihren Projekten belegten der TC Kurpfalz St. Ilgen und der TC RW Stebbach die Plätze zwei und drei. Damit stehen die drei erstplatzierten Projekte beispielhaft für die Bandbreite der eingereichten Ideen: Sie verbinden digitale Vereinsentwicklung, neue Sportangebote und innovative Wege der Mitgliedergewinnung.
Digitale Strukturen für eine zukunftsfähige Vereinsarbeit
Mit seinem Projekt „TC Vimbuch Digital“ belegte der TC Vimbuch den ersten Platz. Ausgangspunkt war die Frage, wie sich die Vereinsarbeit angesichts steigender Anforderungen und begrenzter ehrenamtlicher Ressourcen effizienter organisieren lässt. Ziel war es, Verwaltungsaufgaben zu vereinfachen, die Kommunikation zu verbessern und das Ehrenamt langfristig zu stärken. Hierfür entwickelte der Verein schrittweise eine umfassende digitale Infrastruktur.
Den ersten Meilenstein bildete die Einführung einer Vereins-App, über die Informationen und Termine zentral bereitgestellt werden können. Es folgten eine moderne Mitgliederverwaltung mit integrierter Buchhaltung sowie die Neugestaltung der Vereinshomepage. Beide Systeme sind miteinander verknüpft, sodass Inhalte automatisch ausgespielt und Informationen nur einmal gepflegt werden müssen. Ergänzt wird das Konzept durch digitale Lösungen für die Organisation des Vereinsalltags, darunter eine digitale Getränkeverwaltung und ein vereinseigenes WLAN-Netzwerk für Turniere, Ergebniserfassung und interne Abläufe.
Die Maßnahmen zeigen bereits konkrete Wirkung: Verwaltungs- und Kommunikationsprozesse konnten vereinfacht, ehrenamtlich Engagierte spürbar entlastet und Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden. Gleichzeitig profitieren die Mitglieder von einem schnellen Informationsaustausch und einer höheren Transparenz. Seit Beginn der Digitalisierung stieg die Mitgliederzahl zudem von 235 auf 277 und erreichte damit einen neuen Höchststand.
Vom drohenden Aus zur vielseitigen BeachArena
Noch vor wenigen Jahren stand der TC Kurpfalz St. Ilgen vor einer ungewissen Zukunft. Sinkende Mitgliederzahlen, nachlassende Beteiligung am Vereinsleben und begrenzte finanzielle Möglichkeiten stellten den Fortbestand des Clubs infrage. Statt aufzugeben, leitete der Verein einen grundlegenden Neustart ein. Ein zentraler Baustein dieser Entwicklung ist die „BeachArena“, mit der der TC Kurpfalz St. Ilgen den zweiten Platz belegte.
Die multifunktionale Anlage bietet Raum für Beach Tennis, Beachvolleyball, Beachhandball und Beach Soccer. Damit erweitert der Club sein sportliches Profil, erschließt neue Zielgruppen und schafft zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten. Umgesetzt wurde das Projekt mit großem Engagement aus den eigenen Reihen: Die Anlage entstand in Eigenleistung und wurde nahezu vollständig über externe Mittel finanziert. Aus einer schwierigen Ausgangslage entwickelte der Verein so ein Angebot, das neue Perspektiven eröffnet und beispielhaft für seinen gelungenen Neuanfang steht.
Ein Jahr zum Kennenlernen
Einen anderen Weg, den Verein neu aufzustellen und zusätzliche Mitglieder zu gewinnen, wählte der TC RW Stebbach. Mit seinem „Kostenlosen Probejahr“ belegte der Club den dritten Platz. Das Konzept ermöglicht Interessierten, den Verein ein Jahr lang beitragsfrei kennenzulernen. Auf diese Weise senkt der TC RW Stebbach die Einstiegshürde und gibt potenziellen Neumitgliedern ausreichend Zeit, den Tennissport, die Angebote und das Vereinsleben für sich zu entdecken.
Damit aus dem unverbindlichen Einstieg eine dauerhafte Bindung entstehen kann, werden die Teilnehmenden von Beginn an aktiv eingebunden. Neue Jugend- und Hobbygruppen schaffen passende Trainingsmöglichkeiten für unterschiedliche Alters- und Leistungsgruppen. Das kostenlose Probejahr ist somit mehr als ein finanzieller Anreiz: Es verbindet Mitgliedergewinnung mit dem gezielten Aufbau neuer Gruppen und einer langfristigen Integration in den Verein.
Vielfältige Impulse auf den weiteren Plätzen
Auch die Projekte auf den Plätzen vier bis zehn zeigen die große Bandbreite der Vereinsarbeit. Ausgezeichnet wurden Konzepte zur Nachwuchsförderung, zur Gewinnung und Bindung neuer Mitglieder, zur Stärkung des Miteinanders über Generationen hinweg sowie zur Teilhabe und vereinsübergreifenden Zusammenarbeit. Die prämierten Ideen stammen vom TV Germania Großsachsen, TSV Dittwar, TC Grün-Gelb Obergimpern, TV Friedrichstal, TC Kirrlach, TC RW Achern und TC GW Hornberg.
Alles zum Wettbewerb, zu den ausgezeichneten Projekten 2026 und allen bisher eingereichten Konzepten findet ihr hier.