Eva, du hast ein aufregendes Jahr hinter dir. Wenn du ein Highlight rauspicken müsstest, welches wäre es?

Der French Open-Sieg mit Sonja. Das war was ganz Besonderes, so unerwartet und einfach so toll, das mit ihr zusammen zu erleben – auch mit den anderen Deutschen. Das war mein Highlight.

Was ist dir von der Woche besonders in Erinnerung geblieben?

Es ging eigentlich schon bei dem ersten Spiel los. Wir haben gegen die an eins Gesetzten gespielt. Alle haben davor gesagt: ‚Einfach Spaß haben.‘ Es haben wirklich nicht viele damit gerechnet, dass wir gewinnen. Da haben wir uns schon so gefreut, als wir gewonnen haben, und das hat sich durch die Woche durchgezogen. Wir waren happy mit jedem Sieg, mit jedem Tag, den wir länger bleiben konnten. Und das Finale war dann einfach ganz besonders. Wir lagen 4:6, 0:4 zurück. Dass wir das dann noch gedreht haben, war einfach ein tolles Gefühl.

Gab es während des Turniers einen Moment, in dem ihr beide dachtet: ‚Jetzt können wir wirklich gewinnen‘? 

Es war tatsächlich erst im letzten Moment vom Match. Wir sind auch beide, bei dem Turnier von Match zu Match gegangen. Wir haben nicht darauf geschaut, was in der nächsten Runde ansteht, sondern haben uns einfach das nächste Spiel und die nächsten Gegner uns angeschaut. Dadurch, dass wir so weit zurück lagen im Finale, haben wir auch im Finale nicht wirklich damit gerechnet. Vielleicht hat es das nochmal besonders gemacht.

Wie habt ihr euch für euren Erfolg belohnt?

Wir waren danach schön essen – auch mit den ganzen anderen DTB-Trainern. Das war eine super coole Sache, weil Max Schönhaus und Nils McDonald auch im Finale gespielt haben. Wir haben alle zusammen gesessen und gefeiert. Es war einfach mega cool, dass wir das zusammen als deutsches Team erleben durften. Es hat es nochmal schöner gemacht, dass man nicht alleine war.

Wie hat sich eure Doppel-Partnerschaft über die vergangenen Monate weiterentwickelt?

Bei eigentlich jeder Möglichkeit, bei der wir die gleichen Turniere gespielt haben, haben wir wieder zusammengespielt. Wir haben uns und die Stärken der anderen immer besser kennengelernt, auf dem Platz wie neben dem Platz. Bei den US Open haben wir nochmal Halbfinale gespielt. Das war auch eine super Woche. Jetzt waren wir auch bei ein paar Damen-Turnieren im Halbfinale. Deshalb: Wir führen das auf jeden Fall weiter. Es macht so viel Spaß.

Für dich ging es dann turbulent und sehr erfolgreich mit drei ITF-Titeln weiter. Was hat Klick gemacht, dass es so gut gelaufen ist?

Ich habe im Frühjahr noch Abitur gemacht. Danach habe ich mich schon mehr aufs Tennis konzentriert und konnte mehr – also zweimal am Tag, Tennis und Fitness – trainieren. Das habe ich gemerkt – auch bei den Spielen und bei den Turnieren. Mein letzter ITF-Sieg, der 75er-Sieg, war ganz unerwartet. Aber da habe ich mich einfach so in die Woche reingespielt. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit jedem Match nochmal besser geworden bin. Ich merke einfach, dass ich mehr trainiert habe und auch bereit für lange Matches bin.

 

 

Bei deinem letzten Titel in Luxemburg hast du einige bekannte Spielerinnen geschlagen: Jeline Vandromme, die einen entscheidenden Punkt gegen Deutschland beim Billie Jean King Cup geholt hat und Top-100-Spielerin Elena Gabriela Ruse. Inwieweit realisierst du, wer auf der anderen Seite steht?

Ich versuche, es relativ rational zu sehen. Natürlich ist mir schon bewusst, wer auf der anderen Seite steht und wie gut sie sind. Aber ich glaube, es hilft, wenn man sich auf die eigenen Stärken konzentriert und auf die Schwachstellen der Gegner schaut. Zumindest auf meinem Level ist immer eine Schwachstelle da – egal, wie gut die anderen sind. So versuche ich durch ein Match zu gehen. Aber ich glaube, auch wenn man in so einem Match erstmal drin ist, vergisst man sowieso, wer auf der anderen Seite steht.

Wie nimmst du deine eigene Entwicklung und die einzelnen Schritte, die du gemacht hast, wahr?

2025 hat sich mein Spiel und alles drumherum stark entwickelt. Es war das erste Jahr, in dem ich die Junior Grand Slams überhaupt spielen und mich qualifizieren konnte. Das alleine war etwas ganz Besonderes. Dann habe ich jetzt aber auch schon den Schritt von den Junioren zu den Damen geschafft. Parallel habe ich ein viel größeres Bewusstsein für einzelne Schläge und einzelne Aspekte vom Spiel gewonnen. Und diese mentale Komponente, wie ich an ein Match rangehe, wenn ich gegen die Top 100-Spielerinnen spiele, hat sich stark verändert. Als ich die Australian Open im Januar 2025 gespielt habe, bin ich so noch nicht in ein Match reingegangen. Deshalb hat sich das Mindset stark entwickelt.

Wenn du jetzt in zwei Sätzen zusammenfassen müsstest, was du 2025 über dich selbst gelernt hast, was wäre das?

Dass ich mehr kann, als ich mir manchmal auf dem Platz zutraue. Und aus emotionaler Sicht habe ich gelernt, dass ich auch ganz gut Doppel spielen kann. Das war mir davor nicht so bewusst.

 

 

Jetzt zählst du zu den besten 400 Spielerinnen der Welt. Welche Rolle spielt für dich das Ranking?

Es macht einen Unterschied, besonders wenn es um die Turnierplanung geht. Jetzt komme ich in mehr Turniere rein. Jetzt spiele ich im Hauptfeld, obwohl ich vielleicht nicht mal in die Quali gekommen wäre. In Luxemburg zum Beispiel habe ich es geschafft, mich durch die Qualifikation zu spielen. Das ist aber schon eine Belastung, denn es gibt super gute Spielerinnen in der Quali. Dementsprechend kann es eine große Hilfe sein, wenn ich auf die nächsten Monate schaue.

Durch deine Erfolge hast du auch eine gewisse Präsenz in den Medien. Macht es dir Druck oder freut es dich?

Im Moment freut mich das. Es ist schön, zu sehen, dass mehr Leute sich für mein Tennis interessieren. Ich meine: Ich bzw. wir stecken viel rein und es macht mir unfassbar viel Spaß. Wenn es dann von anderen Leuten wahrgenommen wird, freut mich das einfach nur.

Gibt es denn spielerisch gesehen eine Spielerin oder einen Spieler, an dem du dich orientierst?

Ich finde die aggressive Spielweise von Sabalenka beeindruckend. Auch wenn ich auf dem Platz nicht unbedingt so laut bin oder dieser Typ bin, finde ich es beeindruckend, wie sie ihr Spiel durchzieht. Es ist egal, gegen wen sie spielt. Das versuche ich in Teilen auch in meinem Spiel zu übernehmen.

Nehmen wir mal an, wir sprechen in einem Jahr erneut. Welche Schlagzeile würdest du dann gerne über dich lesen?

Ich würde mich freuen, wenn dort stehen würde, dass ich mich für ein Grand Slam qualifiziert hätte, beispielsweise für die Australian Open 2027. Das ist ein Ziel und ein großer Traum, auf den ich hinarbeite. 

Hast du dir konkrete Karriereziele gesetzt?

Natürlich ist es ein großer Traum nicht nur die Quali, sondern auch das Hauptfeld bei Grand Slams zu spielen. Langfristig gesehen versuche ich einfach, das Beste aus meinen Möglichkeiten rauszuholen und alles zu geben, was für mich möglich ist. Ich möchte mir auch keinen Druck machen mit einem Ranking-Ziel – und genau das ist meine Einstellung. 

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