Max, acht Monate raus und jetzt der Titel beim ersten Turnier zurück. Was ging dir in dem Moment nach dem Matchball durch den Kopf?

Um ehrlich zu sein, weiß ich es gar nicht mehr ganz genau, weil nach dem Matchball natürlich sofort die Emotionen übernommen haben. Aber kurz davor habe ich daran gedacht, wie hart das letzte Dreivierteljahr war. Diese Zeit, in der ich wegen der Verletzung keine Turniere spielen konnte. Gleichzeitig war da ein großes Gefühl von Stolz: darauf, dass ich mir dieses Comeback hart erarbeitet habe und direkt wieder um einen Titel spielen konnte. Das hat mir noch einmal extra Motivation gegeben.

Gab es in der Verletzungspause Momente, in denen du gezweifelt hast, ob du wieder auf dein altes Niveau zurückkommen kannst?

Ja, diese Momente gab es auf jeden Fall. Eine Schambeinentzündung kann sehr langwierig sein, und niemand kann dir genau sagen, wie lange so etwas dauert – das ist bei jedem unterschiedlich. Natürlich habe ich mich gefragt, ob ich wieder mein Niveau von vor der Verletzung erreichen kann. Gleichzeitig war ich aber immer selbstbewusst genug und wurde auch von meinem Umfeld bestärkt. Ich habe mir selbst immer wieder gesagt, dass ich stärker zurückkommen werde.

 

Was hat dir in der Reha geholfen, dranzubleiben – gerade an den schwierigen Tagen?

Ich habe versucht, alles Tag für Tag zu sehen und wirklich einen Schritt nach dem anderen zu machen. Nicht zu weit nach vorne zu denken, sondern jeden Tag mein Bestes zu geben. Klar gibt es Tage, die besonders schwer sind. In diesen Momenten haben mir meine Coaches, meine Freunde und meine Familie enorm geholfen. Sie haben mich aufgebaut und motiviert, damit ich mich nicht runterziehen lasse.

Was hast du in den vergangenen acht Monaten über dich selbst gelernt?

Ich habe gelernt, Dinge mehr wertzuschätzen. Wenn man im normalen Turnieralltag ist, nimmt man vieles als selbstverständlich hin. Für mich ist klar geworden, wie gut es mir eigentlich geht, wenn ich gesund bin und verletzungsfrei spielen kann. Ich möchte das Tennis auf dem Platz wieder mehr genießen und bewusster wahrnehmen, wie besonders das ist, was ich machen darf.

Außerdem habe ich gelernt, auch mal runterzufahren – mental und körperlich – und zu reflektieren: Was habe ich gut gemacht, wo kann ich mich noch verbessern? Am Ende ist das Wichtigste, dass Tennis mir unglaublich viel Spaß macht und dass es sich lohnt, dafür zu arbeiten und zu kämpfen, um meine Träume zu verwirklichen.

Was sind deine Ziele für diese Saison – sportlich, aber auch persönlich nach dieser Zeit?

Mein Hauptziel ist ganz klar, verletzungsfrei zu bleiben. Wenn man ein Jahr ohne Verletzungen spielen kann, ist das immer ein gutes Jahr. Sportlich möchte ich unbedingt in die Grand Slams. Der Zeitpunkt meiner Verletzung war extrem bitter, weil ich nur noch ein Match davon entfernt war, bei Wimbledon und den US Open zu spielen. Das hat mich zusätzlich belastet. Umso größer ist jetzt mein Ziel, mich wieder heranzukämpfen und dort anzukommen.

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