Herr Skarlatoudis, 194 Tage von der Idee bis zu zwei fertigen Padel-Courts. Wie schafft man das?

Vor allem mit einem tollen Team. Die Idee entstand aus der Mitgliedschaft heraus. Einige jüngere Mitglieder brachten das Thema Padel nach Jahren wieder ins Gespräch. Da sich die Rahmenbedingungen inzwischen verändert hatten und auf unserer Beachanlage ausreichend Platz vorhanden war, entstand schnell die gemeinsame Idee, das Projekt anzugehen. Im März haben wir das Konzept bei der Mitgliederversammlung vorgestellt und es wurde einstimmig beschlossen. Besonders gefreut hat uns, dass auch die älteren Gründungsmitglieder sofort begeistert waren. Danach ging es schnell: Die Gemeinde war offen für das Projekt, schon im Juni erhielten wir die vorzeitige Baufreigabe und einen Tag später ging es los. Wir gründeten eine Padel-Abteilung und verteilten die unterschiedlichen Aufgaben auf ein Kernteam von rund zehn Personen.

Was hat Sie überzeugt, Padel in Ihren Tennisverein zu integrieren?

Wir sind mit knapp 100 Mitgliedern ein sehr kleiner Verein in einer Gemeinde mit rund 2.000 Einwohnern. Deshalb müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir unseren Verein zukunftsfähig aufstellen.

Padel bietet die Chance, neue Zielgruppen anzusprechen und Menschen auf unsere Anlage zu bringen, die sonst vielleicht nie gekommen wären. Genau das erleben wir jetzt: Auch Menschen, die früher Tennis gespielt haben, aber lange keinen Schläger mehr in der Hand hatten, kommen zum Padel.

Gleichzeitig sehen wir Padel und Tennis nicht als Gegensätze. Im besten Fall führt das eine zum anderen und Menschen probieren irgendwann auch Tennis aus.

Ein solches Projekt ist gerade für einen kleinen Verein eine große Investition. Wie haben Sie es finanziell und organisatorisch umgesetzt?

Finanziell haben wir auf drei Säulen gesetzt: Eigenmittel und Eigenleistung des Vereins, Sponsoring und Spenden von Unternehmen sowie Zuschüsse von Gemeinde und Verband. Von Anfang an war uns wichtig, den Verein nicht durch ein großes Darlehen zu belasten. Ursprünglich wollten wir einen Court bauen. Weil die Unternehmen so schnell ihre Unterstützung zugesagt haben, konnten wir schließlich zwei Plätze realisieren.

Rund 80 Prozent der örtlichen Unternehmerschaft haben sich beteiligt. Als Gegenleistung boten wir je nach Engagement verschiedene Sponsoringpakete mit Werbeflächen und Bannern sowie Gutscheinen für Padel-Stunden für Mitarbeitende an.

Auch organisatorisch haben wir die Aufgaben verteilt: von Sponsoring und Akquise über Lieferanten bis zur Helferorganisation. Mein Abteilungsleiter Padel und ich haben das Ganze koordiniert.

Mehr als 360 Stunden Eigenleistung haben Ihre Mitglieder eingebracht. Was hat das Projekt mit dem Vereinsleben gemacht?

Die Dynamik ist unfassbar. Wir hatten schon vorher eine gute Gemeinschaft, aber dieses Projekt hat noch einmal etwas ganz Neues ausgelöst.

Alle Generationen haben mit angepackt, sogar unsere Herren 70. Gleichzeitig sind wir durch die Sponsoren mit vielen Unternehmen und Menschen in Kontakt gekommen, die vorher kaum Berührungspunkte mit unserem Verein hatten. Dadurch ist eine ganz neue Community entstanden und der Verein ist in der Gemeinde deutlich stärker präsent.

Wie wurde das neue Angebot nach der Eröffnung angenommen?

Der Zuspruch war unglaublich. Beim Soft Opening waren rund 300 Menschen dabei. Die Courts waren von jung bis alt durchgehend gut besucht. Gleichzeitig hatten wir beim Tennis-Doppelturnier so viele Teilnehmer wie noch nie. Das hat uns besonders gefreut, weil es zeigt, dass Padel nicht nur eine eigene Sportart ist, sondern auch dem Tennis neue Impulse geben kann.

In den ersten zwei Wochen nach der Eröffnung war unsere Anlage so gut besucht wie noch nie. Besonders zwischen 17 und 22 Uhr ist viel los.

Hat Padel bereits neue Mitglieder gebracht?

Ja, wir verzeichnen einen ersten Mitgliederzuwachs. Gleichzeitig kommen viele externe Spielerinnen und Spieler aus den umliegenden Gemeinden und buchen eine Spielzeit. Padel ist für uns auch deshalb interessant, weil es ein Sport für die ganze Familie ist und unterschiedliche Zielgruppen anspricht.

Welche weiteren positiven Effekte gibt es?

Wir haben die Gelegenheit genutzt, unsere Homepage zu modernisieren und eine digitale Buchungsplattform einzuführen. Darüber können unter anderem Spielzeiten, Leihschläger und der Zugang zur Anlage organisiert werden. Besonders schön ist, dass die digitale Lösung aus unserer eigenen Mitgliedschaft heraus entstanden ist. Ein Mitglied hat gemeinsam mit zwei Studienkollegen das  Start-up ThinkUp-AI (www.thinkup-ai.de) gegründet und uns bei der Umsetzung unterstützt.

Zusätzlich stellen wir Leihschläger und Bälle zur Verfügung. So halten wir die Einstiegshürde möglichst niedrig und ermöglichen es allen Interessierten, Padel unkompliziert auszuprobieren.

Wie geht es mit Training und weiteren Angeboten weiter?

Jetzt geht es darum, aus dem erfolgreichen Start ein langfristiges Konzept zu entwickeln. Wir wollen offene Trainings- und Spielangebote schaffen und insbesondere Kinder und Jugendliche ansprechen. Darüber hinaus möchten wir mehr Frauen für Padel gewinnen; erste eigene Gruppen haben sich bereits gebildet. Langfristig können wir uns zudem Turniere und Mannschaften vorstellen. Wir wollen das Angebot Schritt für Schritt weiterentwickeln und die Möglichkeiten nutzen, die uns Verband und Sport bieten.

Was würden Sie anderen Tennisvereinen sagen, die überlegen, Padel auf ihrer Anlage anzubieten?

Wenn es finanziell keine Herkulesaufgabe wird, würde ich es auf jeden Fall empfehlen, insbesondere Vereinen, die über ungenutzte oder wenig genutzte Flächen verfügen. Padel spricht Menschen an, die sich vielleicht nicht mehr für Tennis motivieren lassen. Die Einstiegshürde ist geringer und auch Anfänger können schnell Spaß am Spiel haben.

Für uns war entscheidend, ein finanziell sauberes Konzept zu entwickeln und den Verein nicht mit einem großen Kredit zu belasten. Das hat funktioniert. Deshalb kann ich anderen Vereinen nur empfehlen, neue Wege zu gehen, die Mitglieder einzubeziehen und die eigenen Möglichkeiten zu nutzen.

Was ist für Sie persönlich das Wichtigste, das aus diesem Projekt entstanden ist?

Wir haben gesehen, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen. Aus der ursprünglichen Idee für einen Court sind innerhalb von 194 Tagen zwei Courts geworden. Entscheidend ist für mich aber nicht nur die neue Anlage: Ein kleiner Verein hatte den Mut, etwas Neues auszuprobieren, und Mitglieder, Gemeinde und Unternehmen haben gemeinsam angepackt. Dadurch ist im gesamten Verein eine neue Aufbruchsstimmung entstanden.

 

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