Mit dem sportlichen Erfolg begann allerdings auch schnell die organisatorische Arbeit. Die Bundesliga bedeutet höhere Kosten und größere Anforderungen und hat zu intensiven Diskussionen innerhalb des Vereins geführt, so Braunwalder. Um das finanzielle Risiko zu begrenzen, entschied sich der TC Augsburg Siebentisch schließlich für einen besonderen Weg: Die Bundesligasaison 2026 im Verein wird gemeinsam mit den Schwaben Open organisiert und wirtschaftlich über eine separate Event-UG getragen. „Wir wollen die Chance nutzen, innerhalb weniger Wochen Weltklasse-Tennis nach Augsburg zu bringen und ein echtes Tennis-Erlebnis zu schaffen“, schildert Maja Braunwalder voller Vorfreunde.
Mit der Verpflichtung von Stefanos Tsitsipas sorgte Augsburg zudem für bundesweite Aufmerksamkeit. Gleichzeitig verfolge der Verein aber auch das Ziel, deutschen Spielern Einsatzmöglichkeiten auf höchstem Niveau zu bieten. Mehrere Akteure aus den eigenen Reihen oder der Region wie zum Beispiel Luca Wiedenmann oder Maximilian Homberg sollen die Chance erhalten, sich in der 1. Tennis-Bundesliga Herren zu beweisen. Zum Saisonauftakt wartet mit dem Titelverteidiger TC Bredeney gleich die wohl schwierigste Aufgabe. „Für unser Publikum ist das eine Riesenchance. Viele Zuschauer werden zum ersten Mal erleben, welches Niveau die Bundesliga tatsächlich hat“, sagt die Mannschaftsführung.
TC SCC Berlin: Kontinuität als Erfolgsrezept
Während in Augsburg zunächst die Rahmenbedingungen für die Bundesliga geschaffen werden mussten, richtet man in Berlin den Fokus vor allem auf die sportliche Herausforderung. Erstmals seit mehr als 20 Jahren stellt die Hauptstadt wieder eine Herrenmannschaft in der 1. Tennis-Bundesliga. Trainer Florian Jeschonek sieht den Aufstieg als Ergebnis einer Mannschaft, die über Jahre zusammengewachsen ist: „Wir hatten in den vergangenen beiden Jahren einen unglaublichen Teamgeist. Die Jungs haben sich von Spieltag zu Spieltag gesteigert und sich den Aufstieg verdient.“ Zwar zähle Berlin auf dem Papier zu den Außenseitern, doch davon will sich im Verein niemand beeindrucken lassen. „Man muss uns erst einmal schlagen. Unsere Spieler werden in jedem Match alles geben und es kann uns zugutekommen, dass Spieler der anderen Teams unregelmäßig eingesetzt werden, weil sie auf der ATP-Tour spielen. Wir können auf einen festen Kern von Spielern bauen, die dauerhaft verfügbar sind“, so Jeschonek.
Der SCC verfolgt seit Jahren einen klaren sportlichen Kurs: Der Kern der Mannschaft soll möglichst aus eigenen Nachwuchsathleten bestehen. Vereins-Eigengewächse wie Benito Sanchez Martinez oder Markus Malaszszak sind Beispiele für diesen Weg, der auch von den Mitgliedern und Berliner Tennisfans unterstützt wird. „Das ist unsere DNA. Wir wollen zeigen, dass man auch mit eigenen Nachwuchsspielern konkurrenzfähig sein kann.” Große personelle Veränderungen hat Berlin nach dem Aufstieg bewusst nicht vorgenommen. Stattdessen vertraut der Verein weitgehend jener Mannschaft, die den Sprung in die Bundesliga geschafft hat.
Zwei Vereine, ein Ziel
Beide Vereine eint das gleiche Ziel. Der Klassenerhalt hat oberste Priorität. Für den TC Augsburg Siebentisch wäre er die Bestätigung, dass sich der organisatorische und wirtschaftliche Aufwand gelohnt hat. Für den SCC Berlin wäre er die Krönung eines langfristigen sportlichen Weges.
Vielleicht kommt es sogar am letzten Spieltag zum direkten Endspiel der beiden Aufsteiger: Dann gastiert der TC SCC Berlin beim TC Augsburg Siebentisch – ein Duell, das im Kampf um den Klassenerhalt eine besondere Bedeutung haben könnte.