Herr Fritschi, Sie blicken auf eine eher überraschende Meisterschaft zurück. Was hat sich seitdem im Verein verändert?
Die Freude und der Stolz im Verein sind riesig. Wenn man ehrlich ist, muss man dafür allerdings ein Stück weiter zurückgehen. Wir haben in der Oberliga angefangen, ohne den großen Plan, irgendwann in der ersten Bundesliga zu spielen. Dann kam Schritt für Schritt erst die Regionalliga und dann die zweite Bundesliga. Wir haben das einfach angenommen und weitergemacht. Mit der Zeit hat sich natürlich auch der Verein weiterentwickelt, mit Sponsoren und Strukturen. Wir wurden mehrfach Vizemeister und haben schließlich den Titel gewonnen. Das war für den ganzen Verein etwas Besonderes.
Trägt diesen Erfolg auch die Breite des Vereins mit?
Absolut. Rund um unsere Spieltage haben wir ein Helferteam von etwa 80 Personen, das sich aus Mitarbeitern der Kasse, dem Platzwart und dem Auf- und Abbaupersonal zusammensetzt. Dazu gehören Spielerinnen und Spieler aus allen Altersklassen. Der Titel wird im gesamten Verein gelebt.
Wie stellen Sie den Kader für die neue Saison zusammen?
Für uns ist Kontinuität entscheidend. Ergebnisse sind zwar wichtig, aber nicht das oberste Kriterium. Viel wichtiger ist, dass sich jede Spielerin als Teil des Teams versteht und sich entsprechend einbringt. Deshalb verändern wir unseren Kader nur minimal – in diesem Jahr gab es lediglich ein bis zwei Anpassungen.
Wir profitieren dabei auch von unserem Netzwerk: Spielerinnen, die schon lange bei uns sind, empfehlen neue Kandidatinnen. So entwickelt sich mit der Zeit ein gutes Gespür dafür, wer sportlich und menschlich zu uns passt.
Ihr Kader ist vergleichsweise international besetzt. Woran liegt das?
Das hat viel mit unserer geografischen Lage zu tun. Wir befinden uns im Dreiländereck, nur wenige Kilometer von Belgien und den Niederlanden entfernt. Für viele Spielerinnen aus diesen Ländern ist der Weg zu uns daher deutlich kürzer als für Spielerinnen aus anderen Regionen Deutschlands.
Zudem ist der Markt begrenzt. Es gibt nur eine bestimmte Anzahl deutscher Spielerinnen auf Bundesliga-Niveau, die meist bereits bei anderen Vereinen unter Vertrag sind. Deshalb konzentrieren wir uns auf unser regionales Einzugsgebiet.
Wie gehen Sie mit Top-Spielerinnen um, die parallel internationale Turniere spielen?
Wir setzen niemanden unter Druck. Unsere Spielerinnen entscheiden selbst, bei welchen Turnieren sie spielen möchten. Wenn sie bei einem Turnier früh ausscheiden, können sie unter Umständen bei uns eingesetzt werden. Wir würden jedoch nie verlangen, dass jemand zugunsten der Bundesliga auf wichtige Turniere verzichtet.
Haben Sie bereits ein konkretes Saisonziel definiert?
Wir geben kein klares Ziel im Sinne einer Platzierung aus. Es gibt derzeit einige Unsicherheiten, etwa durch den engen Terminplan. Große Turniere wie Rom oder die Qualifikation für die French Open finden kurz vor unseren Spieltagen statt. Das kann bei allen Teams zu personellen Engpässen führen.
Deshalb setzen wir auf unseren Kern: Spielerinnen, die oft schon seit ihrer Kindheit bei uns sind und regelmäßig trainieren. Diese Verlässlichkeit ist für uns extrem wichtig.
Was erwartet die Fans am ersten Heimspieltag?
Wir legen großen Wert auf eine gute Organisation und Atmosphäre. Die Anlage ist mit Flyern, Aufstellungen, Catering und verschiedenen Ständen hervorragend vorbereitet. Ein besonderer Vorteil ist, dass alle drei Plätze von einem Punkt aus gleichzeitig zu verfolgen sind. Dadurch entsteht eine tolle Dynamik, da sich die Aufmerksamkeit der Zuschauer immer dorthin verlagert, wo es gerade spannend ist.
Ist der Verein bereit für eine erneute Meisterschaft?
Der Titel im vergangenen Jahr war natürlich ein Highlight, aber wir bleiben realistisch. Wenn man sich die Meldelisten anschaut, stellt man fest, dass die Liga in dieser Saison extrem ausgeglichen ist. Auch die Aufsteiger sind stark besetzt. Ich erwarte ein offenes Rennen, sowohl im Kampf um die Meisterschaft als auch im Kampf gegen den Abstieg.
Vielen Dank für das nette Gespräch.