New York kann laut sein. Sehr laut. Das haben mein Kollege Torben Beltz und ich schon während der Qualifikation erlebt. Die Courts in Flushing Meadows waren gut besucht und vor allem die chilenischen Fans sind uns mit ihrer Euphorie aufgefallen. Genau das macht dieses Turnier Jahr für Jahr so besonders.

Seit vergangenem Wochenende bin ich vor Ort, beobachte die Spieler im Training, verfolge Matches und führe Gespräche. Dabei fällt auf: Die Voraussetzungen für die deutschen Profis stimmen. Die Auslosung bietet durchaus Chancen, auch wenn es auf Grand-Slam-Niveau bekanntlich keine leichten Gegner gibt.

Die Erstrundengegner unserer Jungs sind Spieler, die man vielleicht nicht sofort auf dem Schirm hat. Aber genau das macht sie gefährlich. Es sind alles Aufgaben, die man bewältigen kann, wenn man gut spielt. Gleichzeitig hat jedes Match seine Tücken.

Für Alexander Zverev ist dieses Turnier nochmal etwas Besonderes. Er ist erstmals bei einem Grand Slam an Position eins gesetzt. Das ist mit Sicherheit eine neue Situation für ihn. Mit Lorenzo Sonego wartet direkt ein unangenehmer Gegner. Ich glaube aber, dass das für Sascha sogar ein guter Auftakt sein kann. Bei einem Grand Slam direkt gegen einen starken Gegner zu starten, ist manchmal besser, als sich erst langsam ins Turnier hineinzuspielen.

Yannick Hanfmann trifft mit Alejandro Tabilo auf einen gesetzten Chilenen. Wir haben hier schon bei Christian Garin in der Qualifikation gesehen, wie laut es werden kann, wenn die chilenischen Fans dabei sind. Tabilo hat einen guten Sommer gespielt und sich wieder in die Setzung hineingearbeitet. Das ist eine harte Aufgabe, aber keine unlösbare. Yannick hat selbst ein sehr gutes Jahr gespielt und kann so ein Match gewinnen.

 

 

Daniel Altmaier bekommt es mit Zachary Svajda zu tun. Das ist ein guter Spieler, der sich hervorragend bewegt und viele Bälle macht. Ich könnte mir vorstellen, dass das ein längeres Match wird. Jan-Lennard Struff trifft auf Camilo Ugo Carabelli. Auch das ist kein leichtes Los. Insgesamt gilt für alle: Es sind keine unlösbaren Aufgaben, aber eben auch keine Gegner, die man im Vorbeigehen schlägt.

Spannend werden dabei auch die Bedingungen. Die Plätze spielen sich relativ zügig, vielleicht einen Tick langsamer als im vergangenen Jahr. Dazu kommen die Bälle der US Open, die speziell sind und sich in Kombination mit den Courts nicht immer leicht kontrollieren lassen. Das konnte man schon in der Qualifikation gut beobachten. Gleichzeitig sind die Bedingungen insgesamt sehr angenehm. Es ist nicht zu heiß, nicht zu schwül, ein bisschen Wind ist immer dabei. Für die Spieler sind das gute Voraussetzungen.

Michael Kohlmann: Diese Entscheidungen fallen schwer

Während der Fokus aktuell noch auf den ersten Partien in Flushing Meadows liegt, wirft allerdings schon das nächste große Ereignis seine Schatten voraus. Für mich gehören die Tage hier in New York deshalb nicht nur den US Open. Ich nutze die Zeit auch, um Gespräche mit den Spielern zu führen und den Blick bereits Richtung Davis Cup zu richten.

Dabei gibt es immer wieder Entscheidungen, die schwerfallen. Natürlich möchte jeder Spieler Teil der Mannschaft sein. Und ehrlich gesagt freut mich das auch. Es zeigt, dass wir in den vergangenen Jahren etwas aufgebaut haben. Jeder möchte für Deutschland spielen, jeder möchte Teil dieses Teams sein. Das sieht man nicht nur bei den Einzelspielern, sondern genauso bei unseren Doppelspielern.

Auf der anderen Seite bedeutet das auch, dass man Spieler enttäuschen muss. Solche Gespräche gehören zu den schwierigen Aufgaben eines Davis-Cup-Kapitäns. Deshalb versuche ich immer, sie persönlich und unter vier Augen zu führen. Am Telefon ist vieles unpersönlicher und es bleibt oft zu viel ungesagt. Die Enttäuschung gehört dazu und sie ist auch völlig verständlich. Ich finde sogar, dass sie dazu gehören muss. Denn sie zeigt, welchen Stellenwert der Davis Cup für die Spieler hat.

 

 

Sportlich wartet mit Kroatien eine Mannschaft auf uns, die man nicht unterschätzen darf. Mit Marin Cilic haben sie einen sehr erfahrenen Spieler in ihren Reihen, der an einem einzelnen Tag immer gefährlich sein kann. Dino Prizmic hat ebenfalls große Qualitäten und einen starken Sommer gespielt.

Was für uns in dieser Qualifikationsrunde neu ist: Kroatien verfügt über ein richtig gutes Doppel. Da gehen wir nicht als klarer Favorit hinein. Das ist für mich ein echtes 50:50-Match. Gerade deshalb könnte das Doppel am Ende eine entscheidende Rolle spielen.

Wenn Alexander Zverev für uns auf dem Platz steht und wir auf alle fünf möglichen Matches schauen, dann sehe ich uns insgesamt dennoch in einer guten Position. Aber es wird eng werden. Umso wichtiger wird der Heimvorteil sein. Deshalb hoffe ich, dass möglichst viele Fans aus Nordrhein-Westfalen und Umgebung nach Halle/Westfalen kommen und uns unterstützen.

Doch bevor der Fokus komplett auf den Davis Cup wandert, gilt die volle Aufmerksamkeit den US Open. Die Voraussetzungen stimmen, die Auslosungen sind anspruchsvoll, aber machbar. Jetzt liegt es an unseren Spielern, ihre Chancen in New York zu nutzen.

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