„Die Dauerkarte war ein Geburtstagsgeschenk meines Mannes zu meinem Vierzigsten“, erinnert sich Elke lachend. Beide spielten selbst aktiv Tennis, jeden Sonntag stand man gemeinsam auf dem Platz. Doch erst dieser erste Davis Cup entfachte das Feuer endgültig. „Neun Stunden im Stadion. Ich war danach völlig erledigt“, erzählt die heute 67-Jährige. „Ich bin beim Abendessen fast eingeschlafen. Aber dieses Erlebnis hat sich eingebrannt. Es war Spannung hoch drei.“

Was folgte, ist beeindruckend: über 50 deutsche Davis Cup-Begegnungen, Reisen quer durch Europa und um die halbe Welt: nach Australien, Argentinien, Japan oder in die Dominikanische Republik. Im Jahr 2025 wurde dieses außergewöhnliche Engagement besonders gewürdigt: Bei der Partie in Tokio ehrte der Präsident des Deutschen Tennis Bundes, Dietloff von Arnim, Stefan und Elke Welker für ihre 50. besuchte Davis Cup-Begegnung.

„Der Davis Cup ist etwas völlig anderes als normale Turniere“, sagt Stefan. „Dieses Mannschaftsgefüge, dieses gemeinsame Kämpfen, das gibt es so nur hier.“ Für ihn ist auch die Atmosphäre entscheidend: „Keine Gewalt, keine Pyrotechnik, kein Hass. Es geht um den Sport. Punkt.“

Unvergessliche Reisen dank des Davis Cups

Natürlich spielen auch die Reisen eine große Rolle. „Wir sind durch den Davis Cup in Länder gekommen, die wir sonst nie bereist hätten“, erzählt Elke. „Argentinien stand zum Beispiel nie auf unserer Liste und wurde dann zu einem unserer größten Highlights.“ Buenos Aires ist ihnen bis heute in Erinnerung geblieben: Begegnungen mit Einheimischen, liebevoll organisierte Stadtführungen, Gastfreundschaft und mittendrin der Tennissport auf höchstem Niveau. „Wann kommt man schon mal in so einen Genuss?“, sagt der 65-jährige Rentner.

Doch der Davis Cup ist für die Welkers mehr als Reisen und Tennis. Er ist Teil ihrer Beziehung. „Ein gemeinsames Hobby verbindet ungemein“, sagt Elke. „Man verbringt Zeit miteinander, erlebt Emotionen gemeinsam. Siege, Niederlagen, Gänsehautmomente.“ Auch nach all den Jahren ist diese Begeisterung ungebrochen.

„Der Davis Cup gehört zu unserem Leben“

Sportlich ragen viele Momente heraus. Besonders lebendig ist die Erinnerung an das legendäre und entscheidende Match von Tommy Haas 2005 in Liberec (Tschechien), das Deutschland den Aufstieg in die Weltgruppe brachte. „Wir mussten wegen unserer Kinder vorzeitig abreisen, dachten, das Spiel ist verloren“, erzählt Stefan. „Und dann hören wir auf dem Rückweg im Radio, dass er das Ding noch gedreht hat. Diese Spannung, das vergisst man nie.“

Es gab aber auch schmerzhafte Augenblicke. „Moskau war schlimm“, sagt Stefan leise. „Die Halbfinalniederlage gegen Russland (Anm. der Redaktion: 2007) und dazu die schwere Ellenbogenverletzung von Alexander Waske. Das tat richtig weh.“ Genau diese Emotionalität aber ist es, die den Davis Cup für sie so einzigartig macht.

Lieblingsspieler? Für beide eine klare Sache: Boris Becker. Elke schwärmt auch für Alexander Zverev und für Stefan kommt noch Philipp Kohlschreiber hinzu. „Ein cooler Typ, besonnen, fair, emotional. Sein Weinen nach seiner Fünfsatzniederlage in der Stierkampfarena in Valencia im Davis Cup-Viertelfinale 2018 gegen David Ferrer hat mich tief berührt“, sagt er.

Auch wenn das neue Davis Cup-Format kritisch gesehen wird – „das alte System war vom Gefühl her unschlagbar“ – hat es ihre Leidenschaft nicht gebrochen. Und mit dem Tennis Fanclub Germany, der im vergangenen Jahr vom DTB ins Leben gerufen wurde und dem sie sofort beigetreten sind, fühlen sie sich bestens aufgehoben.

Jetzt blicken Stefan und Elke Welker voller Vorfreude auf das nächste Kapitel: Deutschland gegen Peru in Düsseldorf. Für sie ist es mehr als nur eine weitere Begegnung. Es ist ein Wiedersehen mit einer alten Liebe. Mit der besonderen Atmosphäre. Mit der Gemeinschaft. Mit dem Davis Cup. Oder wie Stefan es auf den Punkt bringt: „Der Davis Cup gehört zu unserem Leben. Und wir freuen uns jedes Mal aufs Neue, wenn es wieder losgeht.“

 

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