Hallo Max, schön, dass du unversehrt wieder in Deutschland bist. Wie geht es dir und wo bist du gerade?
Ich bin am Mittwoch in Frankfurt gelandet und seitdem bei meiner Familie. Mir geht es sehr gut und ich nutze die Zeit, um ein paar Tage mit ihnen zu verbringen, bevor es am Sonntag wieder ins Training geht.

Erzähl uns: Wie lief alles in Fujairah (Vereinigte Arabische Emirate) ab? Wie wurdet ihr evakuiert? Und wie war es, in dieser Ungewissheit zu sein?
Neben Niels McDonald und mir war auch Benjamin Hassan die ganze Zeit mit uns unterwegs. Wir betonen, dass wir uns eigentlich durchgehend sicher gefühlt haben. Natürlich haben wir mitbekommen, dass etwa eine Stunde von uns entfernt etwas passiert ist, allerdings hauptsächlich über unsere Handys.
Den Beginn des Krieges haben wir überhaupt nicht mitbekommen. Irgendwann hat mir mein Vater geschrieben und gefragt, ob bei uns alles in Ordnung sei. Ich habe nur geantwortet: „Ja, warum? Was ist los?“ Daraufhin hat er mir mehrere Artikel geschickt, in denen beschrieben wurde, was gerade passiert.

Das Challenger-Turnier wurde zunächst nicht abgesagt, sondern fand weiter statt. Wie war das für euch?
Zu diesem Zeitpunkt schien der Konflikt vor allem die USA, Israel und den Iran zu betreffen. Erst später schlugen erste Raketen in Dubai und schließlich auch in der Region Fujairah ein.
Die ATP hat sich entschieden, das Turnier zunächst stattfinden zu lassen. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate hielten daran fest. Damit waren wir einverstanden, denn wir waren bereits vor Ort und hatten selbst noch nichtsmitbekommen.

Wie habt ihr dann den Bombenalarm und schließlich die Turnierabsage erlebt?
Niels hatte am Abend noch ein Match, bei dem ich zugeschaut habe. Mein Spiel war für den nächsten Tag angesetzt. Am Morgen haben wir uns normal auf die Partie vorbereitet, unsere Schläger abgeholt und die Griffbänder gewickelt.
Als wir beim Mittagessen saßen und gerade unseren Kaffee austrinken wollten, bekamen wir plötzlich eine Warnmeldung auf Arabisch aufs Handy. Wir haben sie übersetzt, und darin stand zunächst nur, dass eine Straße am Hafen gesperrt sei. Wir dachten uns noch: „Okay, danke fürs Mitteilen, aber muss man dafür eine Warnmeldung verschicken?“

Das war nicht alles, oder?
Kurz darauf wurden wir von der Turnierleitung zusammengerufen. Man teilte uns mit, dass etwa 15 Kilometer von uns entfernt Trümmerteile einer abgefangenen Drohne eingeschlagen waren. Uns wurde geraten, ins Hotel zurückzufahren und abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt. Ob das Turnier oder einige Matches abgesagt werden würden, hielten sie offen. Wir sind dann mit dem Bus ins Hotel gefahren. Dort gibt es eine Mall, in der wir den restlichen Mittag verbrachten. Weitere Informationen gab es zunächst nicht.

Wann wurde das Turnier schließlich abgesagt?
Das hat etwas gedauert. Erst am späteren Nachmittag bekamen wir eine E-Mail, dass die Matches abgesagt wurden. Ich glaube, der ATP blieb keine andere Wahl, als beide Turniere zu canceln, wenn in etwa 15 Kilometern Entfernung Trümmerteile einschlagen.
Trotzdem war es für uns erstaunlich, dass wir außer der Warnmeldung auf dem Handy nichts mitbekommen haben. Wir haben keinen Einschlag gehört, keine Drohne gesehen und auch kein Feuer. Das Einzige, was wir wahrgenommen haben, war etwas Rauch in der Ferne hinter den Hügeln und Bergen.

Wie ging es danach weiter und welche Unterstützung habt ihr aus Deutschland bekommen?
Wir haben sehr große Unterstützung vom DTB bekommen. Das war wirklich beeindruckend. Wir standen in Kontakt mit Philipp Petzschner und Max Birka. Max hat sofort mit dem Reisebüro gesprochen und alles organisiert.
An dieser Stelle muss man wirklich allen Beteiligten ein großes Dankeschön aussprechen. Besonders Max, der enorm viel Arbeit investiert hat, um für uns so schnell wie möglich eine Rückreise zu organisieren.
Zum Glück haben wir einen Platz im ersten verfügbaren Flug bekommen. Der ging am Mittwochmorgen, deshalb sind wir in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zum Flughafen nach Dubai gefahren. Ab dort verlief alles relativ entspannt. Auch die Menschen am Flughafen waren ruhig und gelassen.

War die Erleichterung groß, als ihr im Flugzeug saßt?
Ja, definitiv. Der Flieger ist pünktlich gestartet. Wir mussten zwar einen Umweg fliegen und waren dadurch etwas länger unterwegs als üblich, aber es war trotzdem eine große Erleichterung zu wissen, dass jetzt eigentlich nichts mehr passieren kann.

Gut, dass alles geklappt hat und ihr wieder sicher in Deutschland seid. Lass uns noch kurz über das Sportliche sprechen: Was bedeutet es für euch, dass das Turnier abgesagt wurde und ihr keine Punkte oder Preisgeld sammeln konntet?
Vor Ort habe ich mich eigentlich sehr gut gefühlt. Die Plätze lagen mir, und ich war in guter Form. Natürlich ist es nie schön, wenn ein Turnier abgesagt wird. Andererseits ist so eine Situation auch für die ATP außergewöhnlich. Solche Fälle passieren zum Glück nicht regelmäßig. Am Ende geht die Gesundheit und die Sicherheit der Menschen immer vor – nichtPunkte oder Preisgeld. Deshalb ist das absolut nachvollziehbar. Wir haben noch genug Zeit in der Saison, um weitere Turniere zu spielen.

Wie geht es jetzt für dich weiter? Kannst du dich nach diesem Erlebnis schnell wieder auf Tennis konzentrieren?
Ab Sonntag beginnt die nächste Trainingsphase. Gemeinsam mit meinem Team entscheiden wir dann, ob wir noch ein oder zwei Wochen auf Hartplatz bleiben oder direkt auf Sand umstellen, weil die Sandplatzsaison bald beginnt.
Ich habe die letzten Tage genutzt, um Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Das tut immer gut und hilft beim Abschalten. Natürlich war das kein normales Turnier – schließlich wurde es wegen einer Kriegssituation abgesagt. Aber ich denke nicht, dass das mein Tennisspiel länger beeinflussen sollte. Ich freue mich jetzt darauf, bald wieder auf dem Platz zu stehen und mein nächstes Turnier zu spielen. Auch wenn noch nicht ganz feststeht, welches das dann sein wird.

Danke für das nette Gespräch Max!

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