Italien zählt aktuell zu den spannendsten Tennisnationen der Welt. Grand-Slam-Erfolge, zahlreiche Topspielerinnen und Topspieler sowie eine beeindruckende Nachwuchsentwicklung sorgen international für Aufmerksamkeit. Doch was steckt hinter diesem Aufschwung?

Donato Campagnoli: „Wenn eine Tennisnation über mehrere Jahre hinweg so viele Spielerinnen und Spieler auf höchstem internationalem Niveau hervorbringt, dann ist das nie das Ergebnis eines einzelnen Programms oder einer einzelnen Methode. Es ist immer das Ergebnis eines Ökosystems“, erklärt Campagnoli.

Dieses Ökosystem bestehe aus vielen Bausteinen: einer starken Trainerkultur, engagierten Clubs, einem funktionierenden Turniersystem, Investitionen in Ausbildung und vor allem einer langfristigen Haltung. Entscheidend sei nicht, Champions künstlich zu produzieren, sondern ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Spieler individuell entwickeln können.

Genau diese Philosophie steht auch im Mittelpunkt seines Vortrags beim Internationalen DTB Tenniskongress. Ein Schwerpunkt: Footwork. Für Campagnoli bedeutet moderne Beinarbeit weit mehr als schnelle Füße oder Koordinationsübungen. „Footwork ist die sichtbare Organisation des ganzen Spielers in Raum und Zeit“, sagt er. Es gehe darum, die optimale Beziehung zum Ball herzustellen – mit dem richtigen Abstand, Timing, Gleichgewicht und der passenden taktischen Idee. Viele technische Probleme entstehen aus seiner Sicht nicht erst beim Schlag selbst, sondern bereits vorher: bei der Positionierung, der Vorbereitung oder der Fähigkeit, sich nach dem Schlag für die nächste Situation zu organisieren.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Game Based Approach. Dabei wird Tennis nicht als Sammlung einzelner Schläge vermittelt, sondern als Spiel mit ständig wechselnden Situationen und Entscheidungen. „Die zentrale Frage lautet nicht nur: Wie soll der Spieler den Ball schlagen? Die zentrale Frage lautet: Welches Problem muss der Spieler im Spiel lösen?“, so Campagnoli. Gerade im Nachwuchsbereich sieht Campagnoli darin einen entscheidenden Vorteil. Junge Spieler sollen nicht nur Bewegungen kopieren, sondern lernen, Situationen zu lesen, Entscheidungen zu treffen und eigene Lösungen zu entwickeln.

Auch beim Thema Technologie plädiert der Italiener für eine ausgewogene Perspektive. Daten und Videoanalyse können Trainer unterstützen, ersetzen aber nicht die wichtigste Fähigkeit eines Coaches: die richtige Interpretation. „Die Zukunft liegt nicht darin, immer mehr Informationen zu sammeln. Die Zukunft liegt darin, bessere Fragen zu stellen,“ so der Italiener.

Wer mehr über Campagnolis Ansätze erfahren und konkrete Impulse für die eigene Trainingspraxis mitnehmen möchte, erlebt ihn vom 8. bis 10. Januar 2027 beim Internationalen DTB Tenniskongress presented by HEAD im INFINITY Hotel & Conference Resort Munich.

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