Mit den neuen Belägen verändern sich auch die Anforderungen an Pflege und Bewässerung. Denn die Bewässerungslogik eines klassischen Sandplatzes lässt sich nicht ohne Weiteres auf Ganzjahresplätze übertragen. Während Wasser beim klassischen Sandplatz eine entscheidende Rolle für die Stabilität der ungebundenen mineralischen Schichten spielt, dient die Bewässerung bei Ganzjahresplätzen mit Ziegelmehl vor allem den Spieleigenschaften der Oberfläche sowie der Staubbindung.

Im Interview erklärt Thomas Martin, Key Account Manager Sports Germany / Benelux bei der VIACOR Polymer GmbH, worauf Vereine bei der Bewässerung von Ganzjahresplätzen mit Ziegelmehl achten sollten, welche typischen Missverständnisse bestehen und warum sich das Bewässerungsverhalten vieler Vereine künftig verändern könnte.

 Warum ist deiner Meinung nach das Thema Bewässerung im Tennissport heute noch viel wichtiger als es das vor ein paar Jahren war?

Die Bewässerung von Tennisplätzen nimmt in den vergangenen Jahren einen immer höheren Stellenwert ein. Das ist unter anderem bedingt durch die immer größer werdende Wasserknappheit, über die man sich vor Jahren noch keine Gedanken gemacht hat. Jetzt wird es immer dramatischer, bis hin zu regionalen Bewässerungsverboten, etwa im Raum Hannover, in Niedersachsen und in Bremen. Es gibt zwar auch Sonderregelungen, aber, wenn man einen Sandplatz nicht mehr wässern kann, geht er kaputt. Man kann nicht mehr darauf spielen, wenn er ausgetrocknet ist. Bei einem Verbrauch von rund 130.000 bis 250.000 Litern im Jahr an Wasser pro Platz ist diese Debatte absolut gerechtfertigt.

Jetzt gibt es eine Alternative mit dem PORPLASTIC RedClay pro von Viacor. Wie unterscheidet sich denn die Bewässerung von einem klassischen Sandplatz zu einem Ganzjahresplatz mit Ziegelmehl?

Relativ einfach erklärt: Einen herkömmlichen Sandplatz muss man deutlich stärker bewässern. Da legt man Wert darauf, dass dieser einen richtigen Wasserspeicher aufbaut. Wenn es im Hochsommer zum Beispiel richtig warm ist, muss man in den frühen Morgenstunden bereits ein paar Stunden wässern – oder teilweise die ganze Nacht durchwässern, sodass man mit diesem Wasserpuffer über den Tag kommt. Das verbraucht natürlich viel Wasser.

Im Gegensatz dazu bestehen unsere Ziegelmehl-Allwetterplätze, der RedClay pro, aus einer festen Siegelbasisschicht. Diese wird vor Ort gebaut und ist hochwasserdurchlässig. Das heißt, die Decke benötigt keine Feuchtigkeit und kein Wasser, sondern nur der Sand, der obendrauf liegt. Im Prinzip ist das der gleiche Tennissand, allerdings nur in einer Stärke von ungefähr eineinhalb Millimetern. Nur dieser benötigt Feuchtigkeit, der untere Belag nicht. Der Unterschied also: Es wird nur kurz befeuchtet, nicht richtig bewässert. Nach etwa drei Minuten kann gespielt werden. Man kann natürlich länger bewässern, aber das macht keinen Sinn, weil das Wasser einfach abläuft.

Welche konkreten Empfehlungen würdest du den Vereinen für den Alltag geben?

Häufig geht in Vereinen Wissen verloren, vielleicht weil jemand aufhört, der sich jahrelang intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Deshalb ist es wichtig, richtig aufzuklären und das Bewässerungsverhalten entsprechend weiterzugeben. Für viele Spieler:innen ist es ungewohnt. Sie haben in den vergangenen 20 Jahren immer gleich gewässert. Stattdessen müssen sie jetzt drei Minuten wässern und nach einer Stunde wieder kurz – und sparen damit 60 bis 70 Prozent Wasser. Genau diesen Punkt muss man den Vereinen nahebringen: Wassersparen ist einerseits eine Kostensache, aber auch eine Nachhaltigkeitssache. 

Welches Feedback gibt es bislang von Vereinen?

Aus unserer Erfahrung und den Rückmeldungen der Vereine ist es so, dass es vor allem in der Anfangszeit ungewohnt ist. Das Bewässern ist einfach anders. Aber nach einer Zeit, wenn sich der Verein und die Mitglieder daran gewöhnt haben – so wie bei vielen Dingen im Leben – ist das kein Problem mehr. Spätestens, wenn man auf die Jahresrechnung vom Wasserwerk schaut oder den tatsächlichen Wasserverbrauch beobachtet, wird der große Unterschied sehr deutlich.

Wie wirkt sich die richtige Bewässerung auf das Spielgefühl oder die Spieleigenschaften von einem Platz aus?

Die richtige Bewässerung ist elementar für ein gutes Tenniserlebnis. Der perfekte Ballabsprung, das Rutschverhalten und der Spielkomfort sind nur dann optimal, wenn die Bewässerung stimmt. Der perfekte Ballabsprung hängt von der richtigen Sandstärke und der passenden Befeuchtung des Sandes ab. Das Rutschverhalten kann ebenfalls nur dann optimal sein, wenn der Sand befeuchtet ist. Bei trockenem Sand ist das Rutschverhalten nicht zufriedenstellend, da der nötige Grip fehlt. All diese Faktoren zusammen bestimmen letztlich die Qualität des Spielkomforts.

 

 

Wie lässt sich eine gute Platzqualität mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Wasser verbinden?

Wichtig ist unter anderem, dass die Bewässerungsanlagen angepasst und in Stand gehalten werden. Das heißt, man sollte beispielsweise den Sprenger und das Sprühvermögen der Anlagen dem zu bewässernden Belag anpassen. Viele Vereine sind dazu übergegangen, ihre herkömmlichen Bewässerungsanlagen nicht mehr zu nutzen, sondern die Bewässerung manuell, also mittels Schlauch und Bewässerungslanze, durchzuführen.

Das veränderte Bewässerungsverhalten kann sich aber auch im Clubleben bemerkbar machen. Wenn die Leute im Juli oder August bei großer Hitze auf die Anlage kommen, sind sie natürlich sehr motiviert zu spielen. Einen normalen Platz muss man dann oft zehn Minuten wässern. Bei bestehenden Platzbelegungssystemen geht dadurch wertvolle Spielzeit verloren. Bei unseren Plätzen ist dieser Prozess deutlich schneller – ein großer Vorteil, vor allem für Vereine mit hoher Spielfrequenz.

Wie wird sich das Thema Platzbewässerung im Tennissport in Deutschland in den nächsten Jahren noch entwickeln? 

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das Thema Bewässerung die nächsten 20 Jahre stark dahin entwickeln wird, dass der Anteil von Sandplätzen immer geringer werden wird und mehr Hardcourt-Plätze kommen werden. Der momentane Anteil von Sandplätzen, von Ziegel-Allwetterplätzen und von Hardcourts geht noch sehr weit auseinander. Hardcourts machen derzeit nicht mehr als fünf, sechs Prozent aus. Aber die Nachfrage und das Interesse an Hardcourts – bei denen man im Prinzip weder Sand und Wasser mehr benötigt – steigen stetig.

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