Seit Freitag bin in Hamburg – einem Turnier das für mich immer ein bisschen richtungsweisend ist. Hier kann ich die Spieler beobachten, mit ihnen trainieren und mit ihnen und ihren Coaches sprechen und herausfinden: Wie weit sind sie? Wer braucht noch etwas? Wo kann man noch Input geben.

Natürlich geht der Blick dabei auch Richtung Davis Cup im September in Halle. Aber Hamburg ist mehr als das. Hier treffen unterschiedliche Generationen aufeinander – erfahrene Profis, etablierte Namen, aber eben auch viele junge Spieler, die sich gerade ihren Weg auf die große Bühne erarbeiten und beispielsweise als Hitting-Partner im Einsatz sind.

Genau das macht die Woche so besonders.

Mit Spielern wie Max Schönhaus, Niels McDonald, Marko Topo, Mika Petkovic und Henri Squire haben wir fünf Deutsche in der Qualifikation gehabt – aus ganz unterschiedlichen Phasen ihrer Entwicklung. Parallel sind viele der Jüngeren als Hitting-Partner im Einsatz, sammeln Erfahrungen, stehen plötzlich mit Topspielern auf dem Platz. Für sie ist das ein riesiger Schritt – und für uns ein enorm wertvoller Einblick. Mit Philipp Petzschner, der sehr eng mit den Jugendlichen arbeitet, analysiere ich dann: Wo stehen wir wirklich? Was sind die nächsten Schritte? Wo können wir nachjustieren?

Allen voran Max Schönhaus. Er hat hier zwei Top-100-Leute geschlagen, sich für das Hauptfeld qualifiziert und hat ein weiteres Match sehr eng gestaltet. Dabei blieb er so ruhig und abgeklärt – echt beeindruckend. Seine Entwicklung in dem vergangenen halben bis dreiviertel Jahr war extrem gut. Ich denke, das kann noch weiter gehen.

Bei Niels McDonald hat man gemerkt, dass die große Bühne auf dem Center Court noch neu ist. Diese Nervosität konnte er nicht ganz ablegen. Mika Petkovic hingegen weiß, glaube ich, selbst noch gar nicht, wie gut er eigentlich ist – seine aktuelle Ranglistenposition spiegelt sein Niveau nicht richtig wider.

Und dann sind da Spieler wie Henri Squire, der sich nur knapp nicht qualifiziert hat, aber mit dem Sieg gegen Cristian Garin ein starkes Signal gesetzt hat. Oder Marko Topo, der gegen Hugo Gaston einen denkbar unangenehmen Gegner erwischt hat.

Diese Mischung aus Potenzial, Entwicklung und ersten echten Ausrufezeichen – das stimmt optimistisch.

Max Schönhaus qualifizierte sich in Hamburg 2026 für das Hauptfeld

Michael Kohlmann: „Das war überragend!“

Auch im Hauptfeld waren wir gut vertreten: Mit Max Schönhaus, Jan-Lennard Struff, Justin Engel, Yannick Hanfmann, Daniel Altmaier und Diego Dedura standen sechs Deutsche im Tableau.

Struffi habe ich gegen Jakub Mensik im ersten Satz nicht weit hinten gesehen. Den hätte er auch gewinnen können. Manchmal ist in solchen Situationen aber auch das Selbstvertrauen und die Sicherheit aus den vergangenen Wochen ausschlaggebend.

Und genau dieses Selbstvertrauen habe ich dann aber bei Daniel Altmaier gesehen. Nach einem toughen Saisonstart, hat er sich wieder reingekämpft und konnte sich in den entscheidenden Phasen auf sich verlassen. So stark wie gegen Ben Shelton habe ich ihn schon lange nicht mehr erlebt. Das war überragend.

Yannick Hanfmann stand gegen Max Schönhaus natürlich auch vor einer besonderen Situation. Zuhause zu spielen, während das Publikum eher auf der Seite des jungen Herausforderers ist, ist nicht einfach. Ich finde, er hat das insgesamt sehr souverän gelöst.

Und man darf nicht vergessen: Wir sind hier nicht bei einem Challenger- oder Future-Turnier. Das ist ein Top-Turnier mit hoher Qualität. Hier sind unglaublich gute Spieler dabei und unsere Jungs können auf diesem Niveau bestehen.

Bei den Bitpanda Hamburg Open 2026 setzte sich Daniel Altmaier gegen Ben Shelton durch.

Ebenfalls ist schön zu sehen, wie gefragt unsere Hittingpartner sind. Marc Majdandzic wurde immer wieder von Felix Auger-Aliassime angefragt. Auch Christopher Thies hatte einige gute Einheiten. Das finden die – und wir natürlich auch – richtig gut.

Wenn ich jetzt den Blick nach vorne richte, habe ich ein ganz gutes Gefühl. Auch, weil sich viele dieser Entwicklungen parallel fortsetzen.

Ein Beispiel ist Tom Gentzsch, der aktuell in Paris zum ersten Mal die Qualifikation eines Grand Slam-Turniers spielt – und direkt sein erstes Match gewonnen hat. Eine super Geschichte – vor allem, weil er nie so im Spotlight steht, aber mitverfolgen kann, wie er sich weiterentwickelt– auch mithilfe seines Coaches Jan Velthuis, einem unserer Bundestrainer, mit dem er am Bundesstützpunkt in Kamen trainiert.

Vom Leistungsstand her sind alle gut vorbereitet und die Nachwuchsspieler werden den Schwung und das Positive aus Hamburg in die nächsten Wochen mitnehmen. 

Insgesamt sehe ich uns auf einem guten Weg. Gerade bei den jungen Spielern merkt man, dass Substanz da ist. Das ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine Entwicklung, die wachsen kann. Wenn wir diesen Schwung mitnehmen, sehe ich gute Chancen, dass wir in den kommenden Grand-Slam-Qualifikationen – spätestens Richtung US Open 2026 oder Australian Open 2027 – wieder breiter aufgestellt sind.

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