Die Zeit zwischen Ende Januar und Mitte März, also zwischen den Australian Open und den BMW Open in München, würde ich für mich als sehr familienfreundlich bezeichnen. Das sind die Wochen im Jahr, die nicht so reiseintensiv sind. Ich habe zwar einen Verbandstrainerlehrgang in Hannover besucht, aber den Großteil meiner Zeit in Oberhaching am Stützpunkt verbracht. Hier habe ich gerade mit zwei Jugendlichen gearbeitet, die sich auf die Sommersaison vorbereiten. 

Was parallel Zeit in Anspruch nimmt: Die Planung für unser Heimspiel in der zweiten Qualifikationsrunde beim Davis Cup gegen Kroatien. Hier spreche ich mit der DTB-Geschäftsstelle und den Spielern über die unterschiedlichen Optionen für den Austragungsort, sodass wir am Ende im September einen guten Standort haben.

Mit Jan-Lennard Struff, Yannick Hanfmann, Kevin Krawietz, Tim Pütz und Justin Engel haben wir Anfang Februar in Düsseldorf die erste Runde der Qualifikation gegen Peru gewonnen. 

Was Generationen voneinander unterscheidet – und was nicht

Bei der Aufstellung des Teams habe ich auf langjährige Davis Cup-Spieler gesetzt und gleichzeitig mit Justin einen sehr jungen Spieler dabeigehabt. Die große Altersspanne zeigt sich vor allem neben dem Platz: Die Älteren gehen in freien Phasen gerne in die Stadt und trinken einen Kaffee. Damit lockt man Justin eher nicht aus dem Zimmer. Und klar: Pütz, Struff und Krawietz haben alle Kinder, da sind die Gesprächsthemen ganz andere.

Trotzdem verbindet alle eines: Tennis. Da gibt es viel Austausch – über Erfahrungen, Turniere, lustige Geschichten. Und natürlich kommen alle mit demselben Ziel zusammen: Partien gewinnen. Dem wird alles untergeordnet.

Wenn ich mir die unterschiedlichen Generationen anschaue, sehe ich auf dem Trainings- oder Matchcourt keine großen Unterschiede. Wille, Motivation und Erwartungshaltung – alles, was in Richtung Tennis geht – ist bei allen gleich. 

Das bedeutet nicht, dass ich alle Spieler gleich anspreche. Jeder ist individuell und hat eigene Vorlieben. Struffi zum Beispiel: In der Analyse vor einem Match kann ich ihm zwei, drei Sachen sagen. Er schaut sich seinen Gegner dann selbst noch einmal an. Ein großer Unterschied dazu war Philipp Kohlschreiber, der immer jedes Detail wissen wollte.

Justin Engel, Yannick Hanfmann, Jan-Lennard Struff beim Davis Cup (v.l.n.r.)

 

Ich setze mich aber auch damit auseinander, wie sich die jüngeren Generationen entwickeln und wie wir sie am besten erreichen. Dazu haben wir Bundestrainer Webinare an der Sporthochschule Köln besucht. Viele Spieler der Generation Z profitieren davon, wenn wir ihnen Inhalte stärker visuell vermitteln – über Videos, Grafiken oder kurze Clips. 

In der Zeit der Lehrgänge, an denen ich noch selbst als Spieler teilgenommen habe, war es nicht so schlimm, wenn man als Trainer einmal etwas unpräzise formuliert hat – das wurde eher überhört. Heute nehmen Kinder und Jugendliche das deutlich sensibler wahr. Man muss sehr gut vorbereitet sein.

 

Vertrauen entsteht durch Transparenz

Was sich zur früheren Zeit ebenfalls unterscheidet: Früher war es eher verpönt, mit Psychologen zu arbeiten, und es wurde auch eher als Schwäche angesehen. Heute sind Sportpsychologen und mentale Gesundheit Themen, die bei unseren Lehrgängen nicht mehr wegzudenken sind. 

Ein zentrales Thema dabei ist für mich „Vertrauen“. Das muss sorgfältig aufgebaut sein. Damit ist nicht nur gemeint, wie wir Trainer auftreten, sondern auch, wie wir Informationen mit Daten belegen. Deshalb arbeiten wir intensiv mit Video-, Bild- und Datenanalysen. Spieler sehen so klarer, wie ihre Wahrnehmung sich von der Realität unterscheidet. Denn häufig haben sie ein gewisses Bild im Kopf, wie etwas sein müsste, und sind dann erschrocken, wie sich die Bilder und Daten davon unterscheiden. Wenn ich mit Justin darüber spreche, wie schnell er spielt, denkt er manchmal, er sei zu langsam. Dann kann ich ihm anhand der Daten zeigen, dass das Gegenteil der Fall ist. Das schafft Vertrauen.

In der Arbeit mit der neueren Generation habe ich auch viel über mich und meine Arbeit gelernt. Es ist einfach, den Raum mit Worten zu füllen, aber das reicht nicht. Alles, was ich sage, muss Hand und Fuß haben. Ich muss mir Gedanken machen, wie ich die Leute anspreche, was ich den Jugendlichen sage und wie ich die Dinge auf den Punkt bringe.

Mein Tipp an Coaches im Umgang mit der Generation Z: Nehmt die Spieler mit auf die Reise. Lasst sie an Entscheidungen teilhaben, holt ihr Feedback ein und arbeitet weniger mit Verboten – gerade beim Thema Handynutzung.

Wenn Spieler spüren, dass sie ernst genommen werden und mitgestalten dürfen, entsteht Vertrauen. Und Vertrauen ist – unabhängig von der Generation – die Grundlage für alles, was wir auf dem Court erreichen wollen. So habe ich es jedenfalls erlebt.

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