Jasmin, du bist seit zehn Jahren als Bundestrainerin beim DTB tätig. Wie würdest du die Zeit zusammenfassen?

Die Zeit war sehr intensiv, ereignisreich und spannend. Zu sehen, wie sich Spielerinnen, mit denen man eng zusammenarbeitet, sowohl sportlich als auch auf persönlicher Ebene weiterentwickeln, macht mir viel Spaß.

Was war zurückblickend der beste Moment als Bundestrainerin? Kannst du dich da überhaupt festlegen?

Das fällt mir schwer, weil es einige Momente gab, die großartig waren. Sehr besonders sind für mich immer Cup-Wettbewerbe, wenn man als Teil der Nationalmannschaft das eigene Land vertritt. Um ein Turnier besonders hervorzuheben: das tolle Abschneiden bei den Junior French Open 2025. Mit McDonald und Schönhaus im Finale, Stusek im Einzel-Viertelfinale und dem Doppeltitel für Bennemann/Zhenikhova – das war eine unglaublich tolle Woche für das gesamte deutsche Team. Man hat den Zusammenhalt gespürt und gemeinsam gefeiert. Das war eine Woche, die wir nicht mehr vergessen werden.

In deiner Zeit hattest du verschiedene Aufgaben: Du hast Lehrgänge geleitet, Spielerinnen auf Turnierreisen betreut und Jugendnationalmannschaften gecoacht. Jetzt bist du in dieser Woche zum ersten Mal als Co-Trainerin im Billie Jean King Cup tätig. Macht dich dieser Weg ein Stück weit stolz?

Ich empfinde es als Privileg, mit talentierten Jugendlichen zu arbeiten und sie ein Stück auf ihrem Weg zum Tennisprofi zu begleiten. In den vergangenen Jahren hat sich eine starke Gruppe junger Spielerinnen entwickelt, mit der wir im DTB-Team langfristig und eng zusammenarbeiten. Dabei lernt man sich intensiv kennen, steht im regelmäßigen Austausch mit den Heimtrainern und wächst gemeinsam. Es entsteht gegenseitiges Vertrauen, und ich habe das Gefühl, diesen nächsten Schritt nun gemeinsam mit einigen Spielerinnen zu gehen, die neu im Billie Jean King Cup-Team sind oder kurz davorstehen, künftig Teil davon zu werden. Dieser gemeinsame Weg erfüllt mich mit Stolz.

Als Co-Trainerin unterstützt du Teamkapitän Torben Beltz. Was sind deine Hauptaufgaben im Team?

Torben ist Kapitän und Leader des Teams. Ich unterstütze ihn bestmöglich bei der Tagesplanung, in den Trainingseinheiten, bei der Taktikplanung und in den Gesprächen mit den Spielerinnen. Wir sind nah an den Spielerinnen dran und haben gemeinsam das Ziel, die Woche für alle konstruktiv und bereichernd zu gestalten. An Matchtagen werden wir als Team von außen pushen und gute Stimmung machen.

In Oeiras soll mit dem Team ein gewisser Neuanfang gelingen. Was habt ihr für Ziele mit der Mannschaft definiert?

Unser Ziel ist die Qualifikation für die Play-offs. Ich weiß, dass das Ziel ambitioniert ist. Der Modus ist hart – aus 16 Teams schaffen es nur drei in die Play-offs. Wir haben ein junges Team und es werden herausfordernde Tage, aber ich bin mir sicher, dass wir alles geben werden, und dann ist einiges möglich!

Torben Beltz sprach von einem „langfristigen Prozess, in dem Spielerinnen an die Nationalmannschaft herangeführt werden sollen, die Deutschland auch in den nächsten Jahren vertreten werden.“ Der Prozess beginnt am Dienstag mit dem ersten Spieltag in der Regionalgruppe I. Wie schätzt du die Aufgabe ein?

Oeiras soll als Neuanfang stehen, um langfristig ein starkes Team aufzubauen, in dem jede Spielerin für die andere einsteht und man gemeinsam diesen Weg gehen möchte. Ziel ist es, über diese Woche hinaus ein Wir-Gefühl aufzubauen und dieses bei Turnieren oder gemeinsamen Lehrgängen regelmäßig zu pflegen und zu stärken.

Billie Jean King Cup Co-Trainerin Jasmin Wöhr gibt Noma Noha Akugue Tipps

 

Als Spielerin warst du viermal im Billie Jean King Cup (damals noch Fed Cup) dabei. Was macht diese Wochen so besonders?

Für die Nationalmannschaft zu spielen ist etwas ganz Besonderes. Das eigene Land zu vertreten, den Nationalanzug mit dem Adler auf der Brust zu tragen, die Nationalhymne zu hören – das bedeutet, ein Teil von etwas Großem zu sein. Ich habe riesigen Respekt davor, bin sehr stolz, dass ich diese Erfahrungen machen durfte, und glaube, es ist für jede Spielerin eine große Ehre und eine Chance, Verantwortung zu übernehmen und zu wachsen.

Du hast schon viele Jugendnationalmannschaften gecoacht. Was sind Schritte, die Nachwuchsspielerinnen noch durchlaufen müssen, um selbst irgendwann für die Damennationalmannschaft nominiert zu werden?

Wir haben einige junge, talentierte Nachwuchsspielerinnen mit Potenzial für die Damennationalmannschaft. Entscheidend sind dabei der Glaube an sich selbst, ein gutes Umfeld sowie der Wille zu täglicher harter Arbeit, Disziplin und Durchhaltevermögen. Der Übergang vom Juniorinnen- zum Damentennis ist dabei ein entscheidender Schritt. Um sich bei den Damen zu etablieren, braucht es langfristiges Denken und Kontinuität. Ein großer Fortschritt entsteht durch körperliche Fitness und mentale Stabilität – und einer daraus resultierenden starken Serie an gewonnenen Matches, die das Selbstvertrauen und Zutrauen weiter stärkt.

Jasmin, danke für das Gespräch und viel Erfolg in Oeiras!

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